Beruf Einbrecher – ein Dieb, der in Rente ging

Collage mit Zeitungsausschnitten, Podcast-Hosts und Schriftzug Mord Nordwest

Beruf Einbrecher – ein Dieb, der in Rente ging

Bild: Radio Bremen | Josefine Gotzes, Grafik: Christina Loock, Sabina Weinrich

Informationen zum Audio

"Rainer Hartmann" war zwar nicht sein richtiger Name, aber so nannte er sich als Experte in Dirk Blumenthals ARD-Dokumentation "Albtraum Wohnungseinbruch".

In der Kriminalitäts-Statistik bundesweit sind die Wohnungseinbrüche jahrelang heftig gestiegen. 2011 waren die Einbrecher in keinem anderen Bundesland fleißiger als in Bremen. 3.425 Mal brechen Diebe in fremde Wohnungen oder Häuser ein. Die Gefahr, zum Einbruchsopfer zu werden, ist hier fast anderthalb Mal so groß wie zum Beispiel in Hamburg und gut elf Mal größer als in Bayern. Die wenigsten Taten können aufgeklärt werden.

So ist damals die Idee für die Fernseh-Dokumentation entstanden. Auf Nachfrage kann die Bremer Polizei den Kontakt zu Betroffenen vermitteln, und außerdem sagt ein alter Bekannter von Dirk Blumenthal zu, in dem Film eine tragende Rolle zu spielen. Allerdings möchte er nicht, dass sein richtiger Name deutschlandweit und internetweit bekannt wird. Deshalb heißt er in der Dokumentation Rainer Hartmann.

Einbrecher im Ruhestand

Einbrecher, der Rainer Hartmann genannt wird.
Auf einem Rundgang erklärt Rainer Hartmann, in welche Häuser er einsteigen würde. Bild: Radio Bremen

Rainer Hartmann trug gerne mörderisch spitze Stiefeletten in Schlangenlederoptik, Designer-Jeans und Leinensakkos, war seinerzeit 65 Jahre alt und Einbrecher von Beruf. Genauer: Er war Einbrecher von Beruf gewesen. Es hat in seinem Leben auch ein paar Phasen ohne Straftaten gegeben, aber die waren nicht sehr lang, wenn man die frühe Kindheit, die übrigens klischeehaft "schwer" war, und die gut sieben Jahre hinter Gittern nicht mitzählt. In den 70er und 80er Jahren ist er besonders gern in Villen in Hamburg und Umgebung eingestiegen und hat da neben Bargeld und Schmuck auch gerne Pelze und Perserteppiche mitgehen lassen. Damals zahlten Hehler für so was noch gutes Geld.

Nie arme Leute beklaut

Reue zeigt Hartmann nicht. Er habe nie arme Leute beklaut, sagt er, und würde das auch nie tun. Und die reichen Leute, die er beklaut hat, hätten daran oft noch verdient, indem sie bei ihrer Versicherung einen viel zu hohen Beutewert angegeben hätten. Aber er sei beileibe kein Robin Hood. Es ist ihm darum gegangen, schnell an Geld zu kommen und zwar an möglichst viel davon. Manchmal hatte er auch richtig viel. Es war immer schnell wieder weg.

Einbruch ins ganz Private

Einbrecher, der Rainer Hartmann genannt wird, hebelt ein Fenster auf
Rainer Hartmann zeigt bei der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle sein Können im Aufhebeln von Fenstern. Bild: Radio Bremen

Das Schlimmste an Wohnungseinbrüchen ist für die Bestohlenen meist nicht, dass zum Beispiel der Laptop, die 350 Euro aus der Nachttischschublade und die von Opa geerbte Taschenuhr weg sind. Das Schlimmste ist auch nicht die kaputte Terrassentür und schon gar nicht der vielleicht rettungslos verdreckte Teppich. Das Schlimmste ist, dass da jemand mit Gewalt ins ganz Private eingebrochen ist. "Das mit der neuen Digitalkamera kann ich verschmerzen," hören Polizisten immer wieder von Einbruchsopfern, "aber wenn ich mir vorstelle, wie die in meiner Unterwäsche rumgewühlt haben, dann wird mir richtig schlecht."

Eine Angst, die für Rainer Hartmann eher irrelevant findet: "Die Intimsphäre nehm' ich gar nicht wahr als Einbrecher. Weil: Ich bin auf 'ne ganz bestimmte Sache aus, das heißt auf Wertgegenstände. Alles andere geht mir, auf gut Deutsch gesagt, am Hintern vorbei."

Rainer Hartmann ist kurz nach Ausstrahlung der Fernseh-Dokumentation "Albtraum Wohnungseinbruch" gestorben.

Autoren

  • Dirk Blumenthal Autor
  • Jochen Grabler Redakteur und Autor