Klimawandel und Investitionsstau: Halten unsere Straßen das aus?

Eine Großbaustelle an der A27, unter der eine Röhre verlegt wird, aus der Vogelperspektive

Klimawandel und Investitionsstau: Halten unsere Straßen das aus?

Bild: Radio Bremen

An der A27 zeigt sich deutlich, wie marode die Infrastruktur ist. Und in Zukunft könnte die Lage für Autobahnen und Brücken in Deutschland noch schwieriger werden.

Ob Straßen, Schienen oder Häfen – die Infrastruktur in Deutschland bröckelt und ist an vielen Stellen marode. Bund, Länder und Kommunen versuchen gegenzusteuern, aber aufgrund knapper Kassen wird das immer schwieriger. Hinzu kommt, dass zum Beispiel Brücken und Kanalisation dem Extremwetter in Folge des Klimawandels oft gar nicht mehr standhalten können. So wird es immer mehr zur Herausforderung, den Verkehr und die Wirtschaft überhaupt am Laufen zu halten.

Wie ernst die Lage ist, zeigt sich an der A27 zwischen Bremen und Bremerhaven. Der Tunnel aus Wellstahl rostete vor sich hin. Schließlich brach so viel Sand durch, dass die Sicherheit auf der Autobahn nicht mehr gewährleistet war. Die starken Regenfälle Anfang des Jahres taten ihr Übriges, bestätigt Michael Wendt, Sprecher der Autobahn GmbH: "Die Hochwasserlage hat dazu beigetragen, dass dieser Durchlass in relativ kurzer Zeit marode geworden ist."

Video zeigt Löcher und Rost in maroder Röhre unter gesperrter A27

Bild: Radio Bremen | privat

A27 ist Nadelöhr für Schwertransporte nach Bremerhaven

Die Konsequenz: eine wochenlange Vollsperrung. Leidtragende sind auch Unternehmen wie die Atlantik Hafenbetriebe in Bremerhaven, die die schnelle Straßenverbindungen zu den Häfen dringend brauchen. Manche Transporte können gar nicht mehr fahren, andere müssen sich über umstrittene Umleitungen quälen, erklärt Geschäftsführer Stefan Nousch.

Die A27 kann man für den Weg nach Bremerhaven als Nadelöhr bezeichnen.

Stefan Nousch, Geschäftsführer Atlantik Hafenbetriebe

Alle Groß- und Schwertransporte in Richtung Bremerhaven gingen über die A27. Für das Institut der deutschen Wirtschaft ist der Zustand der Infrastruktur in Deutschland besorgniserregend. Bereichsleiter Hanno Kempermann sieht einen gewaltigen Sanierungsstau.

Viele Brücken und Straßen aus den 60er Jahren mittlerweile marode

Ein erschreckendes Beispiel ist die Brücke Rahmende in Nordrhein-Westfalen. Dort ist die A45 durch die Bauarbeiten seit drei Jahren gesperrt. Die meisten größeren Bauwerke in Deutschland seien in den 60er Jahren gebaut. Dadurch, dass die Lkw seitdem immer schwerer geworden seien und durch Witterung werden die Bauten laut Kempermann immer maroder. Irgendwann helfe dann auch keine Sanierung mehr – und Brücken oder Straßen müssen komplett neu gebaut werden.

Aus Sicht des Wirtschaftsexperten bleibt da nur, Prioritäten zu setzen – gerade bei den Straßen, die wesentlich für eine florierende Wirtschaft sind.

Man muss Geld bereitstellen. Was sind die dringendsten Straßen und Brücken? Ich würde sagen, das ist einmalig aktuell. Es türmen sich in einer unfassbaren Gleichzeitigkeit ganz viele Aufgaben aufeinander.

Hanno Kempermann, Institut der deutschen Wirtschaft

Angesichts des Klimawandels stellt sich die Frage, ob die Gesellschaft weiterhin so stark auf die Straße setzen soll. Für Hanno Kempermann vom Institut der deutschen Wirtschaft ist klar, dass an den Autobahnen kein Weg vorbeiführt: "Gerade wir als Industrieland Deutschland müssen Dinge in die Welt verschiffen. Wir haben einen Riesenvorteil dadurch, dass wir international eingebunden sind." Dort sollten dann laut Kempermann in Zukunft mehr elektrifizierte Autos und Lkw fahren. Autos und Autobahnen würden immer noch gebraucht, um das Wohlstandsniveau halten zu können.

Straßen und Brücken werden wetterfest geplant

Für die Zukunft sind die Klima-Spezialisten vom Deutschen Wetterdienst (DWD) allerdings unsicher, ob die deutsche Infrastruktur immer extremeren Wetterlagen noch standhält. Der Straßenbelag, die Kanalisation und die Fundamente müssten angepasst werden bei immer mehr Sturm, Überflutungen, Hitze und Starkregen.

Darüber haben Experten bei der Deutschen Klimatagung in Potsdam beraten. Die Daten zu Extremwetter werden in einem Expertennetzwerk, darunter verschiedene Bundesinstitute, ausgewertet, um zum Beispiel Rückschlüsse auf den Straßenbau zu ziehen.

Glasfaser-Rohr für A27 nur Zwischenlösung

Arbeiter verlegen ein neues Rohr unter der A27 zwischen Bremen und Bremerhaven.
Arbeiter verlegen ein neues Rohr unter der A27 zwischen Bremen und Bremerhaven. Bild: Radio Bremen

Statt eines Tunnels aus Wellstahlplatten sind auf der A27 für den Graben nun Kunststoff-Glasfaser-Rohre eingebaut worden, die auch größeren Wassermassen standhalten, sagt der Sprecher der Autobahn-GmbH Michael Wendt. Trotzdem werde das Rohr auf absehbare Zeit aber noch einmal durch eine Stahlbeton-Bauweise ersetzt, da diese inzwischen überall gängig sei.

Wenn alles gut läuft, soll die A27 spätestens Ende März wieder frei sein – allerdings gibt es entlang der Autobahn noch sechs weitere Gräben unter der Straße. Auch die müssen jetzt überprüft werden.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Tag, 15. März 2024, 15:10 Uhr