Für dieses Projekt bekam eine Bremerin das Bundesverdienstkreuz

Damit mehr Kinder zu Fuß zur Schule gehen, hat Verena Nölle vor 15 Jahren den "Schulexpress" gegründet. Jetzt wurde sie dafür vom Bundespräsidenten ausgezeichnet.

Erstklässler einer Grundschule gehen gemeinsam auf ihrem Weg zur Schule.
Eltern lassen ihre Kinder immer häufiger nicht zur Schule laufen, sondern fahren sie. Bild: DPA | Jens Büttner

Vor allem im Winter ist es an vielen Grundschulen ein alltägliches Bild: Besorgte Eltern stehen mit ihren Autos Schlange, halten direkt vor dem Schulhof und rangieren auf jeder freien Fläche – und dazwischen wuseln die Kinder herum. Dass das gefährlich werden kann, ist offensichtlich. Und doch werden immer mehr Kinder mit dem "Elterntaxi" zur Schule gebracht.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verleiht im Schloss Bellevue den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland an Verena Nölle aus Bremen
Frank-Walter Steinmeier hat die Auszeichnung persönlich an Verena Nölle übergeben. Bild: DPA | Wolfgang Kumm

Um dagegen etwas zu tun, hat Verena Nölle vor 15 Jahren zusammen mit anderen Müttern den "Schulexpress" gegründet. Die Idee: Haltestellen einrichten, an denen Kinder sich treffen können, um dann gemeinsam zur Schule zu laufen. Denn schon damals, im Jahr 2004, fiel ihr auf, dass viele Kinder von ihren Eltern mit dem Auto zur Schule gebracht werden.

Auch die Eltern profitieren

Ein gutes Beispiel dafür, was ihr Projekt verändern kann, ist die Grundschule am Baumschulenweg im Bremer Stadtteil Schwachhausen. Diese Schule war eine der ersten, die beim "Schulexpress" mitgemacht hat. Hier muss seitdem keiner alleine laufen. Rund um die Schule gibt es mehrere blaue Schilder, an denen sich die Kinder treffen können. Davon profitieren nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern, so Verena Nölle.

Die Kinder lernen selbstständig zu werden, groß zu werden. Das wollen wir ja alle. Und die Eltern lernen loszulassen und die Kinder zu bestärken.

Verena Nölle, Gründerin der Initiative "Schulexpress"
Schild des Schul-Express zur Grundschule Karl-Lerbs-Straße in der Bremer Neustadt.
An solchen Schildern können sich die Kinder treffen.

Mittlerweile gibt es den "Schulexpress" an mehr als 150 Schulen in Bremen, Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Brandenburg und Berlin. An diesen Schulen sind deutlich weniger Elterntaxis als früher unterwegs, sagt Verena Nölle.

Elterntaxis sind ungesund

Auch Gerd Glaeske von der Universität Bremen ist sich sicher, dass das Herumgefahre im Auto nicht nur für Gefahren im Straßenverkehr sorgt, sondern auch ernsthafte Auswirkungen auf Körper und Geist der Kinder hat. Die unzureichende Bewegung birgt Gefahren für Herz und Kreislauf, sagt der Gesundheitswissenschaftler.

Tatsache ist, dass die Menschen, wenn sie sich schon morgens weniger bewegen, relativ schlecht in den Tag starten. Für viele Schüler ist das natürlich etwas sehr Missliches, wenn sie schon morgens sehr müde oder unentspannt in der Schule sitzen.

Gerd Glaeske, Universität Bremen

Auch für einen guten Start in den Tag sei es bedeutsam, sich an der frischen Luft zu bewegen. Gerade für Kinder sei das überaus wichtig, meint Glaeske. Eine Tatsachen, die Eltern bei aller sonstigen Sorgen nicht vernachlässigen sollten.

Autoren

  • Claudia Scholz
  • Rebecca Küsters

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 4. Dezember 2019, 19:30 Uhr