Moderator Jörg Wontorra wird 70: "Sportschau war Glücksfall"

Zehn Jahre lang war "Wonti" Sportchef bei Radio Bremen, er moderierte die Sportschau und ist bekannt für legendäre Sportkommentare. Bei Werder hatte er mal Stadionverbot.

Bild: Radio Bremen | Ulrike Blitzner, rtn

Er ist beinahe überall auf der Welt gewesen, mit einem Bein sogar schon mal im Knast. Als Sportjournalist sorgte Jörg Wontorra schon immer für Schlagzeilen. Unvergessen ist seine Live-Reportage 1984 bei den Olympischen Spielen in Los Angeles. Das Schwimm-Finale über 200 Meter Schmetterling mit Michael Groß kommentierte er mit dem inzwischen legendären Satz: "Ich glaube, er wird gewinnen. Flieg, Albatross, flieg!"

Ein Jahr Interview-Verbot von Otto Rehhagel

Geboren wurde Jörg Peter Wontorra am 29. November 1948 in Lübeck. Die Laufbahn des Sportreporters beginnt Wontorra nach dem Jura-Studium und einem Volontariat beim NDR. Schon mit 34 Jahren wird er Fernseh-Sportchef bei Radio Bremen. Seine lockere Art ist beliebt bei den Zuschauern – bei Werder nicht so sehr. Im Weser-Stadion bekommt er zeitweilig sogar ein Interview-Verbot, weil er nach einem 0:1 gegen den norwegischen Uefa-Cup-Vertreter aus Mjöndahlen von "Arbeitsverweigerung und Betrug am Zuschauer" gesprochen hatte. Erst ein handgeschriebener Brief an Otto Rehhagel öffnet Wontorra nach einem Jahr wieder das Presse-Tor zum Weser-Stadion – für ihn das Tor zur "Sport"-Welt und zur Sportschau.

Dass ich die Sportschau moderieren durfte, war ein riesengroßer Glücksfall. Und da bin ich denen, die das zugelassen haben, bis heute unheimlich dankbar.

Jörg Wontorra
Moderator Jörg Wontorra - hier lächelnd am 10.02.1991vor dem Logo der ARD-Sportschau.
Jörg Wontorra: "Die Sportschau hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin." Bild: DPA | Wöstmann

Während seines rasanten Aufstiegs droht "Wonti" – wie er heute noch genannt wird – beinahe der Absturz. Wegen Steuerhinterziehung wird er 1995 zu einer Haftstrafe von elf Monaten und drei Wochen verurteilt. In seiner Zeit bei Radio Bremen hat er Nebeneinkünfte nicht versteuert. Hier eine Gala, da ein Buch, da kommen schnell mal ein paar 100.000 Mark zusammen. Aber am Fiskus vorbei? Das habe er nicht gewollt, sagt er. Vor Gericht erklärt er, das Sammeln von Belegen einfach vergessen zu haben. Er kommt mit einer Bewährungsstrafe davon.

Jahre später ist das längst vergessen. So scherzt er als Gast in einer 3nach9-Sendung darüber, dass er schon immer darauf geschaut habe, wie er nebenbei ein bisschen Geld verdienen konnte. Denn bei den Öffentlich-Rechtlichen sei damals weniger bezahlt worden als heute.

Wechsel ins Privatfernsehen

Als das Privat-Fernsehen den Fußball neu erfindet, ist Wontorra mittendrin. Ob bei "Ran" oder später im "Doppelpass", wo sich bei ihm die Fußball-Prominenz trifft. Davor, danach und daneben gönnt er sich diverse Ausflüge in die Unterhaltung mit Sendungen wie etwa "Bitte melde dich".

Seinen ersten Wohnsitz hat er aus dem spanischen Marbella wieder nach Bremen verlegt, und nach zwei Jahren Pause ist der rüstige Rentner wieder zurück auf der Mattscheibe – und moderiert bei Sky einen Fußball-Talk, der seinen Namen trägt. Immer noch "part of the scene" zu sein, möchte er nicht missen. Bremens wohl einziger prominenter Sportreporter sorgt auch im Alter von 70 Jahren für Schlagzeilen.

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Blitztipps: Wontorra macht den Bremer Sport unsicher

Bild: Radio Bremen

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  • Jan-Dirk Bruns Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 29. November 2018, 7:20 Uhr

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