Rashica: "Der Trainer sagte mir: 'Du triffst!'"

Werder Bremen ist mit dem 3:1-Sieg gegen Köln der nächste Schritt Richtung Klassenerhalt geglückt – auch dank des furiosen Milot Rashica. Dabei sollte der gar nicht spielen.

Milot Rashica schreit seine Freude über sein erstes Tor heraus.
Freudentaumel bei Milot Rashica: Ihm gelingt mit dem 2:1 sein erster Bundesligatreffer in seinem dritten Spiel für Werder Bremen. Bild: Imago | Nordphoto

Und dann gab es kein Halten mehr. Milot Rashica sauste quer über das Spielfeld, keiner seiner Mitspieler vermochte ihn einzuholen. Er preschte in Richtung Werders Ersatzbank und schrie dabei seine Freude aus tiefstem Herzen hinaus. Das so wichtige 2:1 war ihm gelungen und damit sein erster Bundesligatreffer. Rashica erreichte die Ersatzbank und fiel erst einmal Florian Kohfeldt in die Arme, seinem Trainer und offenbar auch Hobby-Hellseher. "Der Trainer hat zu mir gesagt: 'Heute triffst du.' Und er hatte Recht", erzählte Rashica später: "Ich war so glücklich und wollte ihm nach dem Tor einfach danken. Auch für die Chance, die er mir heute gegeben hat."

Denn eigentlich hätte Rashica gestern Abend gar nicht spielen sollen. Knapp habe der 21 Jahre alte Stürmer, der erst Ende Januar von Vitesse Arnheim zu den Bremern gekommen war, die Startelf laut Kohfeldt verpasst. Der Werder-Coach wollte gegen Köln lieber "etwas defensiver" spielen, mit Philipp Bargfrede in der Zentrale. Doch der übergab sich kurz vor Spielbeginn, klagte über Magen-Darm-Probleme.

Johannsson war nur für 20-Minuten-Einsatz fit

Kohfeldt umarmt Rashica nach dessen Treffer gegen Köln.
Lass dich drücken, Milot! Trainer Kohfeldt (links) umarmt seinen Torschützen Rashica. Bild: Imago | DeFodi

Alternativ hätte sich Stürmer Aron Johannsson nach seinem gutem Auftritt gegen Mönchengladbach als Ersatzmann angeboten, doch der Amerikaner eröffnete Kohfeldt, er könne wegen seiner muskulären Probleme nur 20 oder 30 Minuten spielen. Damit fiel diese Variante also flach. "Aron kam selbst damit zu mir", sagte Kohfeldt, "das ist die Mentalität, die wir brauchen und eine Ehrlichkeit, die ich schätze. Ich weiß nicht, wie meine Entscheidung ausgefallen wäre, hätte ich diese Information nicht gehabt." So aber fiel Kohfeldts Wahl auf den jungen Rashica, der bisher nur zu zwei Kurzeinsätzen für Werder gekommen war.

Manchmal wird man zu seinem Glück gezwungen. Ich hoffe, man hat heute gesehen, welche Fähigkeiten Milot hat.

Florian Kohfeldt, Werder-Trainer

Für Kohfeldt war der Kosovare an diesem Abend jedoch keine Notlösung. Er ist von Rashica überzeugt. "Ich hatte absolut keine Sorge, als ich ihm vier Minuten vor dem Anpfiff sagte: 'Los geht's!", betonte der Werder-Coach. Für Rashica war der spontane Einsatz allerdings fast zu spontan, denn "ich hatte mich gar nicht aufgewärmt". Doch Rashica sauste auf dem rechten Flügel wie ein Wirbelwind und brachte die Kölner Defensive immer wieder in die Bredouille. "Milot muss noch viel mehr für sich selber verstehen, welche Waffe er mit seiner Schnelligkeit hat", sagte Kohfeldt.

"Milot ist eine Verstärkung und wird es auch in Zukunft sein"

Rashica schaut dem Ball nach, der an Torhüter Horn vorbei ins Tor rollt.
Mit Auge: Milot Rashica (rechts) versenkt an Keeper Timo Horn vorbei den Ball zum 2:1 für Werder. Bild: Imago | Nordphoto

In der 44. Minute war der Kosovare schon nicht zu halten gewesen, doch er vergab seine riesige Chance von der linken Seite und verzog den Schuss über das Tor. "Ich weiß auch nicht, was los war", sagte Rashica und schüttelte den Kopf: "Es war eigentlich so einfach, das Tor zu treffen, aber ich schoss vorbei." In der Pause ärgerte sich Rashica mächtig, dass ihm der wichtige Führungstreffer für die Bremer nicht gelungen war. "Das war der Moment, in dem wir das Spiel hätten entscheiden können und Köln wäre dann auch nicht mehr zurückgekommen", war sich Kohfeldt sicher: "Das wusste Milot natürlich auch, Fußballer spüren so etwas. Da habe ich ihn ein bisschen in den Arm genommen und gesagt: 'Ruhig bleiben, das wird.'" Und es wurde.

Werder hatte weitere wichtige drei Punkte für den Klassenerhalt eingefahren und Rashica jede Menge Selbstvertrauen. Und dieses Erfolgserlebnis ist wichtig für die kommenden Wochen, in denen er immer mal wieder auf der Bank sitzen wird. Denn Rashica ist noch mittendrin, sich von der holländischen Liga auf das Tempo und die Intensität der Bundesliga umzustellen. Das braucht noch Zeit. Doch seit zwei Wochen stellt Kohfeldt fest, dass Rashica auch im Training lockerer geworden ist, mal ein bisschen mit den Kollegen flachst, sich noch weiter eingewöhnt hat. "Milot ist aktuell eine Verstärkung und wird es in auch Zukunft sein", betonte Kohfeldt.

Gestern Abend hat Rashica erstmals bewiesen, dass er kein sieben Millionen Euro teurer Perspektivspieler ist, sondern tatsächlich bereits jetzt hilfreich eingreifen kann. Als er in der 67. Minute nach einem Schlag aufs Knie ausgewechselt werden musste, bekam Rashica tosenden Beifall von den Fans. Es war sein Spiel, ganz ohne aufwärmen.

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Die Bundesligashow, 12. März 2018, 20 Uhr