Sonntagsschuss ins Werder-Glück

Oft sah Werder in der jüngsten Vergangenheit blass aus im Pokal – gegen Würzburg erzwangen die Bremer mit einem kuriosen Tor das Einbiegen auf die Siegerstraße.

Würzburgs Keeper Wolfgang Hesl kann der Bogenlampe von Veljkovic nur noch hinterher schauen bis ins Tor.
Er kam, er sah, er senkte sich – gegen diese Bogenlampe von Milos Veljkovic war Würzburgs Keeper Wolfgang Hesl machtlos. Bild: Imago | Nordphoto

Eine gewisse Erleichterung konnten die Grün-Weißen nach dem Abpfiff nicht verhehlen – weder die Akteure auf dem Rasen, noch die nach Offenbach mitgereisten Fans. Endlich mal wieder eine erste Runde im DFB-Pokal überstanden. Und endlich dabei mal nicht bis zum Ende gezittert. Denn so langsam hatte sich Werders Pokalbilanz zu einem kleinen Trauma entwickelt. Seit 2011 waren die Bremer viermal in der ersten Runde ausgeschieden. Und zudem fünfmal in den vergangenen sechs Jahren an einem Drittligisten gescheitert.

"Das war als Flanke gedacht"

Doch dann kam Milos Veljkovic in der 50. Minute daher und beendete die schwarze Serie der Bremer mit einem kuriosen Sonntagsschuss. Fast von der linken Außenlinie hob sich die Bogenlampe des 21 Jahre alten Serben an – eigentlich war es überhaupt kein Torschuss, und so fühlte sich Würzburgs Keeper Wolfgang Hesl auch völlig überrumpelt – denn diese scheinbar ewig segelnde Flanke senkte sich schließlich doch ins rechte Toreck. Werder jubelte, und von da an lief die etwas zähe Partie plötzlich runder für die Bremer. "Das war als Flanke gedacht", gab Veljkovic zu, "ich war überrascht, dass der reinging. Ich dachte: Der fliegt klar drüber."

Werder besiegt den Erstrunden-Fluch

Der Werder-Spieler um Florian Kaimz und Max Kruse beim Torjubel im Pokalspiel.
Bild: Andreas Gumz

Der am Ende lockere 3:0-Sieg gegen Würzburg soll nun der Beginn einer deutlich erfolgreicheren Saison für Werder gewesen sein. Abstiegskampf ade, nach oben hatten sich zumindest die Bremer Fans am Samstagabend keine Grenzen gesetzt. Sie sangen nach dem Schlusspfiff: "Europapokal!" Aus Sicht der Werderaner kann die Bundesliga also losgehen, am Samstag in Hoffenheim.

Vorgestellt, dass es hinten raus recht locker wird, haben wir uns das sicher nicht. Wir wussten, dass eine Mannschaft wie Würzburg, die schon einige Wochen im Spielbetrieb ist, auch dagegenhalten kann. Das haben wir vor einem Jahr am eigenen Leib erfahren. Neue Saison, neues Glück – und so haben wir gerade in der zweiten Halbzeit unsere Überlegenheit ausgespielt.

Mit einem 1:0 waren wir nicht zufrieden, wir wollten unbedingt das zweite Tor machen. Wir wussten, dass Würzburg mit vielen, langen Bällen agiert, und da wollten wir so früh wie möglich stören. Damit die Bälle nicht direkt vor unserem Sechzehner runterkommen. Und das haben wir am Ende so ausgespielt.

Normalerweise kann Milos die Bälle gar nicht so spielen – der Ball sollte, glaube ich, am Elfmeterpunkt runter. Passiert ihm häufiger, dieser Ball – aber dieses Mal ging er ins Tor.

Max Kruse, Werder-Stürmer
Die Werder-Spieler jubeln ausgelassen nach dem Sieg gegen Würzburg vor der Fankurve.
Endlich wieder ein Grund zum Jubeln: Die Werder-Spieler feiern nach dem Sieg ausgelassen vor der Fankurve. Bild: Imago | Nordphoto

Es war das erwartet schwierige Spiel. Der Gegner hat sehr tief gestanden, die Räume eng gemacht und auf unsere Fehler gelauert. Da darfst du dir natürlich keinen Fehler erlauben. Ich fand, dass wir das Spiel von der ersten Minute an gut kontrolliert haben und schon in der ersten Halbzeit die ein oder andere gute Möglichkeit herausgespielt hatten. Das Tor von Milos hat das Spiel dann geöffnet – ich bin einfach froh, dass der Ball reingegangen ist. Wir haben es gut gemacht gegen einen starken Gegner, haben die Geduld bewahrt und zu null gespielt – das war wichtig.

Alexander Nouri, Werder-Trainer

In den letzten Jahren hat es nicht immer geklappt mit der ersten Runde, aber heute war es ein verdientes Weiterkommen. Wir haben eine sehr konzentrierte Leistung abgeliefert. Und wenn man dann das 1:0 und 2:0 macht, dann wird es hinten raus auch mal etwas leichter, und das haben wir heute erlebt. Das erste Tor an sich war etwas glücklich – das war sicher als Flanke gedacht – aber wir haben das gerne angenommen, und die Führung war trotzdem verdient. Defensiv haben wir auch wenig zugelassen und sind so völlig verdient in die nächste Runde eingezogen.

Frank Baumann, Werder-Sportchef

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 13. August 2017, 19:30 Uhr