Werders Wiedergutmachung: Erzwungenes Glück

Die Durststrecke ist beendet, doch einfach war der Sieg gegen Tabellenschlusslicht Düsseldorf nicht. Aber das 3:1 hat Werder die Hinrunden-Bilanz gerettet.

Werder-Spieler jubeln in einer Traube zusammen über ein Tor, Friedl springt ihnen auf den Rücken.
Geballter Jubel: Josh Sargent (Mitte vorne) wird von seinen Mitspielern für seinen ersten Bundesligatreffer zum 3:1 gefeiert. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Florian Kohfeldt brauchte nicht zu überlegen, sofort platzte ein beherztes "Ja!" aus ihm heraus. Keine Zweifel, keine Fragen, es gab nur diese eine Antwort. Um kurz vor Mitternacht, eine Stunde war seit dem Abpfiff draußen im Weser-Stadion vergangen, und immer noch konnte man das Adrenalin förmlich sehen, das durch Kohfeldts Körper pumpte. Ja, hieß seine unumstößliche Antwort: Werder war die Wiedergutmachung gelungen.

Nach fünf Spielen in Folge ohne Sieg hatte seine Mannschaft endlich den Bann gebrochen, mit dem 3:1-Triumph über Fortuna Düsseldorf. "Ich bin super-glücklich. Der Sieg war so wichtig", sagte Kohfeldt und atmete tief durch. Es hatte viel auf dem Spiel gestanden an diesem Freitagabend. Für seine Mannschaft und für ihn selbst. Die erste kleine Krise seiner Amtszeit hätte sich empfindlich verschärft, wäre die Partie gegen das Tabellenschlusslicht schief gegangen.

"Es kann keine schlechte Hinrunde werden"

Werder wäre ins Mittelfeld durchgereicht worden, mit dem harten Restprogramm bis Weihnachten vielleicht sogar tiefer als nur ins Niemandsland der Tabelle geschlittert. An Europa brauchte man dann nicht mehr zu denken. So aber steht Werder mit 21 Punkten ganz anständig da, nach Jahren voller Abstiegssorgen. "Es kann keine schlechte Hinrunde mehr werden", betonte Kohfeldt. Selbst wenn gegen Dortmund, Hoffenheim und Leipzig nichts Zählbares mehr herumkommen sollte.

Alles hatte sicherlich noch nicht funktioniert gegen Düsseldorf und Werder wirkte in vielen Situationen anfällig. "Ich habe den Jungs heute gesagt, dass es nicht so sehr um Taktik geht, sondern die Emotionen ganz wichtig sind", sagte Kohfeldt: "Man hat gemerkt, dass alle unbedingt wollten. Diese letzte Leichtigkeit, die uns zuletzt gefehlt hatte, kriegt man nur über Siege." Und dieser wichtige Sieg hatte geklappt, weil seine drei Joker stachen: Kevin Möhwald, der erstmals in der Startelf stand, traf zum 1:0 (20. Minute) durch einen satten Distanzschuss. Martin Harnik kam in der 60. Minute, erzielte das wichtige 2:1 (72. Minute). Dann machte der junge Josh Sargent sein Bundesliga-Debüt in der 76. Minute, schoss sein erstes Tor nur zwei Minuten später mit seinem zweiten Ballkontakt. "Großes Kompliment an die Jungs, die reingekommen sind", lobte Kohfeldt.

"Da war Druck auf dem Kessel"

Der Werder-Coach hatte mit seiner Aufstellung überrascht, doch das Ergebnis gab ihm recht. Die vielen nicklichen Szenen während des Spiels samt Rudelbildungen zeigten, wie angespannt die Nerven der Bremer waren. "Man hat gemerkt, dass Druck auf dem Kessel war bei jedem Einzelnen", sagte Vertretungs-Abwehrchef Sebastian Langkamp. Es war kein existenzieller Druck, als ginge es um den Abstieg. Aber einer, der zeigen würde, in welche Richtung es für Werder in den kommenden Wochen gehen wird. "Nach dem 1:1 zurückzukommen, war eine starke Reaktion und eine große Charakterstärke der Mannschaft", fügte Langkamp hinzu, "heute haben wir den Sieg erzwungen." Ob es nur Wiedergutmachung oder doch die Wende war, muss sich bis Weihnachten zeigen.

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: ARD, Sportschau, 8. Dezember 2018, 18:45 Uhr