Werder-Coach Werner: "Bremen kenne ich bisher nicht im Hellen"

Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Für Ole Werner ging es vor zwei Wochen von null auf hundert, der 33-Jährige hat sich voll in die Arbeit gekniet. Mit ihm und Werder scheint es direkt zu passen.

Seit zwei Wochen ist Ole Werner nun in Bremen, verlaufen würde er sich aber vermutlich immer noch. Das liegt nicht daran, dass der 33-jährige Norddeutsche einen schlecht ausgeprägten Orientierungssinn hätte, sondern weil er bisher schlicht überhaupt keine Zeit hatte, sich seine neue Heimat genauer anzuschauen.

"Ich fahre morgens vom Hotel ins Stadion, da sind die Tage lang, es wird gearbeitet und dann geht es wieder zurück", erzählt Werner am Montag im Gespräch mit dem Sportblitz und gibt zu: "Ich kenne Bremen bisher nicht im Hellen."

Zwei Mal Weihnachtsmarkt, mehr nicht

Im Dunkeln hat die Hansestadt natürlich auch so manches für sich, besonders zur Adventszeit. Den Weihnachtsmarkt kennt Werner zumindest schon, denn "zwei Mal war ich dort, einmal mit meiner Freundin und einmal mit Patrick Kohlmann", erzählt er.

Da habe ich mich ein bisschen orientiert, wo was ist. Aber das wird sicher noch etwas Zeit brauchen. Und wenn sich die Abläufe bei Werder komplett eingespielt haben, dann werde ich sicher die Möglichkeit haben, mir genauer anzuschauen, wo ich gerade bin, wenn ich in Bremen unterwegs bin.

Werder-Trainer Ole Werner im Sportblitz

Das mit dem Wohnen im Hotel, das soll sich spätestens nach dem Trainingslager im Januar geändert haben, hofft Werner. Schließlich ist er gekommen, um zu bleiben, daran hat er vom ersten Moment an keinen Zweifel gelassen.

Werner steht auf Deutschrap

Akribisch, analytisch und unermüdlich hat sich Werner in die Arbeit bei Werder geworfen und so sind die Tage eben lang und die Freizeit bleibt überschaubar. Werner hat gerne über alles die Kontrolle, Aktionismus gefällt ihm nicht. Sogar am Spielfeldrand macht er sich Notizen, schreibt direkt auf, was er in der Halbzeitpause ansprechen möchte.

Und von Beginn an scheint Werner bei Werder den richtigen Ton zu treffen. Mit 33 Jahren ist er der jüngste unter den Trainern und er weiß auch, dass "ich vom Alter natürlich näher dran an den Spielern bin". Die Lebensrealität ist also eine ähnliche und offenbar auch der Musikgeschmack: Deutschrap.

Über Deutschrap habe ich mich mit den Jungs noch nicht allzu oft unterhalten. Die legen in der Kabine selber auf, das ist auch gut, dass das nicht von mir kommt.

Werder-Trainer Ole Werner im Sportblitz

In der Kabine kann er emotionalisieren

Bisher scheint alles, was er macht, zu funktionieren. Werder rangiert zum Ende der Hinrunde auf Platz neun der 2. Liga, das klingt für Bremer Fans wenig sexy. Doch mit den zwei Siegen in den ersten beiden Spielen hat Werner Hoffnung auf baldige Besserung und gar den möglichen Aufstieg geweckt. Werner bremst da mit seiner nordisch-nüchternen Art zumindest medial die Erwartungen ein. In der Kabine aber, so erzählen es Weggefährten, könne Werner sehr gut emotionalisieren und aus sich herausgehen.

Dort wird er sicherlich nicht den aufkeimenden Glauben an den Wiederaufstieg abbügeln, sondern im Gegenteil, seine Spieler bestärken. Obwohl Werner selbst keine Karriere als Profi-Fußballer vorweisen kann, sind sich alle in der Mannschaft einig, dass er trotzdem genau weiß, wovon er spricht. Und dass er ganz klar in seiner Ansprache ist. Den verunsicherten Werderanern hat er mit seiner Art Stabilität und Vertrauen zurückgegeben.

"Gelernt, wie man sich mit wenig Geld durchschlägt"

Und vielleicht gelingt ihm das deshalb, weil Werner trotz seines jungen Traineralters schon sehr viel Lebenserfahrung mitbringt. Banklehre, Abitur nachgeholt und sich ein Jahr in Australien durchgeschlagen und ohne grünen Daumen als Gärtner gearbeitet. Das sei die beste und wichtigste Zeit für ihn gewesen, sagt Werner heute. Und sicher etwas, mit dem sich gerade seine jungen Spieler identifizieren können.

Es ist damals ein bisschen aus der Not geboren und ich habe gelernt, wie man sich mit wenig Geld durchschlägt. In einem Land, wo man niemanden kennt und wo man sich selbst alles erarbeiten muss.

Werder-Trainer Ole Werner im Sportblitz über sein Jahr in Australien

Seit 2 Wochen bei Werder: Wie tickt Trainer Werner?

Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Mehr zum Thema:

Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 13. Dezember 2021, 18:06 Uhr