Nüchtern, verlässlich, erfolgreich – Werner ist Werders neuer Anker

Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Kaum vier Trainingseinheiten hatte Ole Werner bis zum Aue-Spiel Zeit, doch der neue Coach brachte den Grün-Weißen nach den Chaos-Tagen Sicherheit und Vertrauen zurück.

Als Danijel Zenkovic gegen Schalke zum ersten und dann auch einzigen Mal als Werder-Chefcoach an der Seitenlinie des Weser-Stadions stehen durfte, da sprudelten hinterher die Freude und das Adrenalin nach diesem "geilen" Erlebnis nur so aus ihm heraus.

Ole Werner ist da ganz anders gestrickt als der österreichische Co-Trainer. Der 33 Jahre alte Norddeutsche freut sich mehr so nach innen, ein Miesepeter ist Werner trotzdem keineswegs. Mehr nüchtern, analytisch eben als überschwänglich.

Grimmig wie Thomas Schaaf?

Sogar nach der 4:0-Gala gegen Aue und einem Spiel, "das nach den letzten Wochen so nicht erwartbar war", huschte kaum Mal ein Lächeln über Werners Gesicht. Dass sich ein User darüber freute, die Thomas Schaafsche "Grimmigkeit" in Werner wiederentdeckt zu haben, war dann aber doch etwas zu viel.

Ich bin der Letzte, der den Jungs einreden wird, dass das Spiel heute schlecht war. Es waren sehr viele gute Dinge dabei, da gibt es nichts kleinzureden. Aber ich werde auch Themen benennen, in denen wir uns verbessern können.

Werder-Trainer Ole Werner

So gut die vier furiosen Tore der Werder-Seele auch taten, so wollte Werner den Tabellen-15. aus Aue nach mäßiger Leistung lieber nicht als Maßstab ansetzen und die Botschaft aussenden, dass nun mit einem Schlag alle Bremer Sorgen passé sind.

"Jemand, auf den man sich verlassen kann"

Aber Werner war sehr zufrieden, dass er es in kaum vier Tagen geschafft hatte, die richtigen "Stellschrauben" zu finden, sodass "wir als Einheit, als Mannschaft aufgetreten" sind. Das Wir ist Werner wichtig, obwohl er derjenige ist, der final die Entscheidungen trifft. "Es gehören am Ende alle dazu, wenn man ein Spiel gewinnt", betonte Werner, der zugeben musste, dass "die Woche echt intensiv" gewesen war.

Die Werder-Profis hatten, wie Werner es nannte, einen "mentalen Kraftakt" bewältigt gegen Aue, nach den chaotischen Ereignissen um den Rücktritt von Trainer Markus Anfang und den Übergangstagen mit zwei Interimscoaches. Doch dass der Auftakt geglückt war, lag wohl in großen Teilen am neuen Mann an der Seitenlinie. Mit Werner hat Werder offenbar einen Anker gefunden, der für Stabilität auf und neben dem Platz sorgen kann.

Er hat uns eine gewisse Sicherheit wiedergegeben, weil jemand da ist, auf den man sich verlassen kann. Und der erst mal länger bleiben soll und keine Zwischenlösung ist. Das tat der Mannschaft sehr gut und hat uns Halt gegeben.

Werder-Stürmer Niclas Füllkrug

Werner schafft Vertrauen

Niclas Füllkrug lobte zudem, dass Werner eine "ziemlich klare Struktur" und Ahnung habe von dem, was er macht. So krempelte der neue Trainer auch nicht direkt alles um, sondern setzte auf das, was den Bremer Spielern bereits vertraut war und mit dem sie sich wohlfühlten. "Wir haben auf Dinge zurückgegriffen, die gut funktionieren für die Mannschaft und haben unsere Dinge vom Trainerteam mit eingebracht", beschrieb es Werner.

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Spätestens in der Winterpause hätte er dann etwas mehr Zeit, um seine eigene Idee mehr durchzusetzen. Doch es scheint, als brauche Werner gar nicht die großen Gesten, um Veränderung zu demonstrieren. Seine Handschrift bringt er längst ein, schafft vor allem erst mal über seine verbindliche, unaufgeregte Art eine wichtige Vertrauensbasis mit seinen Spielern.

Mir geht es darum, dass man verlässlich bleibt, in der Art wie man arbeitet und wie man spielt.

Werder-Trainer Ole Werner

Analyse immer "nordisch-nüchtern"

Als sich am späten Freitagabend das Weser-Stadion längst geleert hatte, durften die Werder-Profis den Sieg "heute genießen", so Werner: "Morgen geht die Arbeit weiter." Für ihn selbst ging sie direkt weiter, er wollte sich das Spiel noch einmal anschauen für die Analyse am Samstagmorgen um 10 Uhr mit der Mannschaft.

"Die Analyse fällt bei uns immer norddeutsch-nüchtern aus", sagte Werner: "In guten wie in schlechten Zeiten." Die besseren Zeiten können mit ihm bei Werder nun angebrochen sein.

Füllkrug nach der Werder-Gala: "Es ist alles aufgegangen"

Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: One, Sportschau, 3. Dezember 2021, 22:30 Uhr