Kleiner Warnschuss für Werder

Für die Bremer soll es nach jahrelangem Abstiegskampf wieder um die internationalen Plätze gehen. Zum Abschluss der Vorbereitung gab es aber einen kleinen Dämpfer.

Werder-Spieler um Gebre Selassie lassen nach einem Gegentor die Köpfe hängen.
Defensiv zu anfällig: Werders Abwehr um Theodor Gebre Selassie (Mitte) sah besonders bei den ersten beiden Gegentoren schlecht aus. Bild: Imago | Foto2press

Otto Rehhagel tänzelte am Samstag wie in besten Zeiten in Richtung Bühne und ließ sich mit der Meistermannschaft von 1993 von den Werder-Anhängern feiern. Auch Sänger und Edelfan Jan Delay, der für den Videodreh zu seiner Werder-Hymne "Grün weiße Liebe" zum Weser-Stadion gekommen war, tanzte erst mit den Fans Polonaise und spielte sich dann unauffällig in die Mitte des Gruppenbildes von Florian Kohfeldts Mannschaft – und war ganz in seinem Element.

Das ist eine super Truppe und ich bin sehr, sehr guter Dinge. Das bin ich jedes Jahr am Anfang der Saison, aber dieses Mal denke ich: 'Da könnte was gehen.'

Sänger Jan Delay über Werders Chancen bei buten un binnen

"Wir können was – das lassen wir uns nicht wegreden"

Die Stimmung rund um das Weser-Stadion war beim "Tag der Fans" am Samstag bestens, fast schon euphorisch. Daran änderte auch die 2:3 (1:0)-Niederlage der Bremer gegen den FC Villarreal aus Spanien wenig. Die Hoffnung, an die alten Erfolge anzuknüpfen, war lange nicht mehr so groß, wie vor der neuen Saison. Das weiß auch Kohfeldt, und der aktuelle Bremer Trainer will dem Umfeld das Träumen nicht verbieten.

Doch der Hoffnungsträger weiß genau, dass die kommende Spielzeit kein Selbstläufer wird – auch wenn die Voraussetzungen so gut sind wie lange nicht mehr. "Wir können was, das müssen wir uns auch nicht wegreden lassen. Aber wir müssen es auch bestätigen", sagte Kohfeldt, der froh ist, dass die sechs Wochen Vorbereitung jetzt endlich ein Ende haben: "Jetzt zählt es." Gegen Villarrel offenbarten die Bremer vor allem in der Defensive noch einige Schwächen. Die beiden Treffer von Villarreals Stürmer Toko Ekambi leitete die Werder-Abwehr praktisch selbst ein.

Kohfeldt sieht Positives in der Überzahl

Kruse im Zweikampf mit einem Spieler von Villarreal.
Max Kruse (rechts) brachte Werder in der 25. Minute zunächst in Führung. Bild: Imago | Foto2press

"Das sind Nachlässigkeiten und die dürfen wir uns nicht erlauben", sagte Kohfeldt. "Das ärgert mich", sagte er und mahnte: "Es gibt viele Dinge, die mich positiv stimmen, aber niemand darf jemals vergessen, dass wir hart arbeiten müssen." Komplett infrage stellen werden die Hanseaten ihre Ausrichtung nach der Niederlage im Härtetest aber nicht. "Die positiven Dinge waren in der Summe sogar in der Überzahl", sagte Kohfeldt. "Das war ein super Spiel für einen Trainer. Du siehst, was die Jungs können, du merkst, dass du auch gegen einen solchen Gegner mithalten kannst, aber du siehst auch genau, dass du noch ein paar Worte finden kannst."

Eine Woche vor dem ersten Pflichtspiel im DFB-Pokal bei Wormatia Worms bot Kohfeldt vor 24.781 Zuschauern jene Elf auf, die auch am kommenden Samstag und eine Woche später beim Liga-Start gegen Hannover 96 beginnen dürfte. Auf den Flügeln gab der Werder-Coach Florian Kainz (links) und Milot Rashica (rechts) den Vorzug. Vor allem Kainz konnte weitere Pluspunkte sammeln und geht deshalb mit viel Zuversicht in die neue Runde.

"Wir wollen schon die internationalen Plätze angreifen. Das ist kein einfaches Ziel, aber ein realistisches", sagte der Österreicher. "Die Mischung stimmt, wir haben eine gute Truppe", sagte Rückkehrer Claudio Pizarro, der von den Fans am meisten gefeiert wurde. Nur Jiri Pavlenka bekam am Ende des Tages ähnlich lauten Applaus, als die Vertragsverlängerung des Torwarts bekanntgegeben wurde. Der 26 Jahre alte Tscheche unterstrich mit einigen Paraden gegen Villarreal erneut seine Klasse. Auch deshalb glaubt Geschäftsführer Frank Baumann ebenfalls an eine erfolgreiche Saison: "Wir können sportlich mithalten."

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 11. August 2018, 19:30 Uhr