Neuland für Anfang: Werder puzzelt weiter vor sich hin

Video vom 8. Juli 2021
Werder-Trainer Markus Anfang steht auf dem Trainingsplatz im Zillertal umringt von seinen Spielern und erklärt etwas.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Das Trainingslager ist vorbei, doch viel schlauer ist man nicht. Wer geht, wer bleibt – alles offen. Anfang muss jeden Spieler mitnehmen, aber eingespielt ist man nicht.

Werder hatte eine Woche lang wirklich alles gegeben. Postkarten-Ambiente, Radtouren, Rafting und einen launigen Mannschaftsabend mit Gesangseinlagen – alles, um den Geist bei einem Team zu beschwören, das gar keins sein kann.

Der Kader für die neue Saison bleibt die große Unbekannte, auch nach dem Trainingslager. Und von den 28 Spielern, die Coach Markus Anfang mit ins Zillertal genommen hatte, kann er eigentlich nur von dreien sicher sagen, dass sie zur Verfügung stehen werden: die Neuzugänge Nicolai Rapp, Anthony Jung und Kyu-Hyun Park.

Es gibt keine eingespielte Mannschaft

"Das ist eine außergewöhnliche Situation in Bremen, die habe ich in dieser Form natürlich auch noch nicht erlebt", bekannte Anfang. Völliges Neuland für ihn, bei aller Erfahrung, über die der 47-jährige Trainer verfügt. Eine "schöne Herausforderung" nennt er es und macht gute Miene. Beschwört das Positive und die "große Chance", als die man die Situation sehen müsse.

Doch die Erkenntnisse, die das kurze Trainingslager gebracht hatte, sind dünn. Anfang wollte "seine Spielidee transportieren" und "die Spieler mitnehmen, ihnen viel erklären". Das hat er mit seinem Trainerteam auch gemacht. Er gab jedem Profi Spielzeit in den beiden Testspielen, bei dem sich seine Vorliebe für das 4-3-3-System herauskristallisierte, doch daraus ergibt sich ein Problem.

Das geht natürlich zulasten dessen, dass wir uns nicht einspielen können, wenn wir allen versuchen, die gleiche Spielzeit zu geben. Aber das ist ganz wichtig für uns, weil wir ja nicht wissen, wie die Fluktuation im Kader ist.

Werder-Trainer Markus Anfang

Anfang braucht Plan A, B, C und D

Werder-Spieler und Trainer Markus Anfang sitzen mit Helmen und blauen Schwimmwesten in einem Rafting-Boot.
Teambuilding im Zillertal: Ein Tag war Rafting angesagt. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Jeder Spieler, egal, ob aus der zweiten oder dritten Reihe, muss das Anfang-System beherrschen, damit jeder einspringen kann, wenn ein Profi zu einem anderen Klub abspringt. Also vermutlich demnächst Johannes Eggestein, für den Anfang keinen Platz hat.

Wer geht, wer bleibt? Alles ist offen. Für Anfang geht das Personal-Puzzle für gut sieben lange Wochen noch so weiter, bis das Transferfenster sich endlich schließt. Bis dahin läuft die Saison längst, auch der Pokal-Wettbewerb. Aber Anfang will diese besondere Herausforderung ja annehmen, braucht Plan A, B, C und am besten noch D.

Unruhige Monate liegen vor Werder

Wenn der Transfermarkt nach der Europameisterschaft anzieht, könnte es sein, dass Werder ein halbes Dutzend Leistungsträger verliert. Wobei das Geld ja dringend gebraucht wird. Doch sollte Sportchef Frank Baumann dann weitere Verstärkung einkaufen, müsste diese erst eingearbeitet und integriert werden. Das braucht Zeit.

Es liegen unruhige Monate vor Werder. In der Hinrunde mit einem lange Zeit provisorischen Team Stabilität hinzubekommen, wird Anfangs größte Herausforderung werden. Und schön ist die wirklich nicht.

Mehr zum Thema:

Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 8. Juli 2021, 18:06 Uhr