Ab in den Süden! Werder macht den Abflug

Nur eine Woche blieb den Spielern von Trainer Florian Kohfeldt, um sich im Kreise ihrer Familien vom Bundesligastress und Abstiegskampf zu erholen. Denn bereits an Neujahr starteten die Bremer in ihre Wintervorbereitung in Spanien.

Max Kruse feiert mit weit ausgebreiteten Armen seinen Treffer.
Max Kruse verleiht Werder Flügel: Der Stürmerstar traf unter Trainer Florian Kohfeldt bereits vier Mal für die Bremer. Bild: Andreas Gumz

Zehn Tage bloß, mehr Zeit zur Entspannung unterm Weihnachtsbaum blieb den Bremer Bundesligaprofis dieses Mal nicht. Dank der Fußball-WM, die im Sommer in Russland stattfindet, wurde die Winterpause in dieser Saison auf ein Minimum eingedampft. Für die Bremer geht es schon am 13. Januar um 15:30 Uhr mit der ersten Bundesligapartie gegen die TSG Hoffenheim und dem Kampf gegen den Abstieg weiter. Also heißt es für Trainer Florian Kohfeldt und seine Mannen: Bloß keine Zeit verlieren!

Hotel La Finca Golf Resort Algorfa
Hier wird Werder absteigen: In diesem Sporthotel in Algorfa trainierte vor einem Jahr auch der 1. FC Nürnberg. Bild: imago | Zink

Und so macht sich der Werder-Tross bereits am Neujahrsabend um 20:10 Uhr im Billigflieger auf nach Alicante. Da der Weihnachtsurlaub so kurz ausfiel, dürfen die Profis auch wahlweise direkt das Trainingslager anfliegen – ohne den Umweg über Bremen. Hauptsache, alle Mann sind spätestens am Montagabend im Sporthotel in Algorfa angekommen, einer Kleinstadt der Provinz Alicante an der spanischen Mittelmeerküste.

Kohfeldt gab Fitness-Hausaufgaben in die Ferien mit

Und dann wird sich zeigen, welche Spieler Kohfeldts Ansage über die Feiertage befolgt und den Schlemmereien und dem Faulenzen widerstanden haben. Denn der Trainer hatte seiner Mannschaft klare Fitness-Hausaufgaben in die Weihnachtsferien mitgegeben.

Es ist keine Pause in dem Sinne, dass sie sich jetzt zehn Tage an den Strand legen oder viel Kaiserschmarrn essen. Ich habe den Spielern gesagt, sie müssen topfit wiederkommen. Ich hoffe, sie haben ihre Laufuhren dabei.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt vor der Weihnachtspause.

Bis zum 8. Januar bleibt Kohfeldt in Spanien nur Zeit, um seine Spieler auf die schwierige Rückrunde einzustellen. Für große Fitnesseinheiten reicht die kurze Trainingswoche dabei gar nicht, Kohfeldt will sich daher lieber um das Defensivverhalten und das Positionsspiel kümmern, sowie um die Spielsicherheit und die Souveränität seiner Mannschaft. Es sei nicht die Zeit für Entspanntheit, kündigte Kohfeldt vor dem Weihnachtsurlaub an.

Den HSV im Nacken, Hoffenheim und Bayern vor der Brust

Im Ryanair-Abflugterminal leuchtet an einer Videowand an der Decke der Werder-Slogan "Man sieht sich".
Im Billigflieger nach Alicante: Werder nutzt Ryanair für die Reise ins Trainingslager. Bild: Andreas Gumz

Der Werder-Coach hält zu Recht die Spannung hoch, denn während der Hamburger SV ebenfalls an Neujahr ins 600 Kilometer entfernte andalusische Jerez de la Frontera jettete, hängt der Erzrivale den Bremern in der Tabelle deutlich dichter im Nacken. Werder ist 16., der HSV 17. – doch beide sind punktgleich mit 15 Zählern. Dennoch herrscht bei Werder nach der schwachen Hinrunde Zuversicht, die Tendenz zeigt nach dem Trainerwechsel wieder nach oben. Zehn seiner 15 Punkte hat Werder unter Bundesliga-Newcomer Kohfeldt geholt. Und dabei hat dieser vor allem mit Werders wieder offensiveren Spielweise und einer klaren Taktik überzeugt.

Doch der Auftakt in die Rückrunde wird hart – genauso hart, wie jener in die Hinrunde. Denn es warten nun dieselben starken Gegner auf Werder: Hoffenheim, Bayern, Hertha, Schalke. Der erneute Fehlstart wäre also durchaus möglich. Zumal die Bremer bis zum Saisonende ohne ihren Stürmer Fin Bartels auskommen müssen (Achillessehnenriss). Und auch die Leistungsträger Max Kruse und Kapitän Zlatko Junuzovic waren in der Hinrunde oft verletzt ausgefallen. Im Pokal gewann Werder zuletzt vor Weihnachten, in der Liga gab es gegen Mainz einen Rückschlag. Verlässliche Stabilität und Konstanz fehlt dem Bremer Spiel noch, auch die zweite Garde bei Ausfällen passt längst nicht perfekt. Viel zu tun also für Florian Kohfeldt und viel zu wenig Zeit. Doch unter der Sonne Spaniens sieht die Werder-Welt vielleicht schon etwas freundlicher aus.

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Hörfunknachrichten, 1. Januar 2018, 14 Uhr