Vogts Gehirnerschütterung: Darauf muss Werder jetzt achten

Kann Kevin Vogt schon am Sonntag gegen Hoffenheim spielen? Werder will weitere Untersuchungen abwarten. Wir haben mit einem Experten über den Fall gesprochen.

Abwehrspieler von Werder Bremen Kevin Vogt

Matthias Spranger kennt sich bestens aus mit Gehirnerschütterungen. Er ist Neurologe und weiß um die Gefahren von leichten Schädel-Hirn-Verletzungen im Alltag und insbesondere bei Profi-Fußballern.

Matthias Spranger, was ist die größte Gefahr, wenn man Fußballer zu schnell nach einer Gehirnerschütterung wieder auf das Feld schickt?
Bei Fußballern ist das Schwierige, dass nach einer Gehirnerschütterung neben Übelkeit und Schwindel auch eine vermehrte Irritabilität auftritt. Das heißt, dass man nicht mehr so aufmerksam ist. Fußballer müssen auf den Ball gucken, auf den Gegner gucken, gucken wo sie den Ball hinspielen wollen. Das Ganze findet unter einem enormen Zeitdruck statt. Diese Abläufe funktionieren nach einer Gehirnerschütterung nicht mehr so gut. Wenn die Spieler zu früh wieder auf den Platz gehen, dann sind sie gefährdet. Sie spielen nicht nur schlecht, sondern sie können sich dann auch leichter verletzen. Dann wird der Gegenspieler an der Seite einfach zu spät wahrgenommen und der Spieler kann sich nicht mehr rechtzeitig in Sicherheit bringen, wenn dieser reingrätscht. Das ist die akute Gefahr.

Die akute Gefahr ist, dass sich der Spieler verletzt, weil er auf dem Spielfeld nicht mehr aufmerksam genug ist.

Matthias Spranger, Neurologe
Wie kann man feststellen, dass ein Spieler noch nicht wieder einsatzbereit ist?
Man muss sehr genau hingucken, ob die Konzentration, die Aufmerksamkeit und die visuelle Wahrnehmung wieder funktionieren, weil durch eine Gehirnerschütterung alles langsamer sein kann. Deswegen werden neuropsychologische Test durchgeführt. Dazu zählen Aufmerksamkeits- und Reaktionstests. Wenn diese Test normale Ergebnisse zeigen, dann kann der Spieler wieder spielen. Wir können aber nicht vorher sagen, dass die Pause immer eine Woche oder immer drei Wochen dauert. Das ist bei jeder Gehirnerschütterung anders.

Viele Gehirnerschütterungen können zu einer Demenz führen.

Matthias Spranger, Neurologe
Für Kevin Vogt ist es bereits die zweite Gehirnerschütterung. Muss man in einem solchen Fall noch sensibler mit dem Spieler umgehen?
Jede weitere Gehirnerschütterung ist eine zu viel. Wenn man immer wieder Gehirnerschütterungen hat, dann kann so etwas am Ende zu einer Demenz führen. Man sieht dann die gleichen anatomischen Veränderungen im Gehirn, wie bei einer Demenz. Das ist allerdings noch nicht bei der zweiten Gehirnerschütterung gegeben. Bei Kevin Vogt macht es aber durchaus Sinn, bei den Tests noch genauer hinzuschauen.

Autoren

  • Claus Wilkens
  • Yannick Lowin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 22. Januar 2020, 18:06 Uhr