Werder und die Ausfälle: Wer will nochmal, wer kann denn noch?

Werders Mannschaft pfeift auf dem letzten Loch. Nach dem Spiel in Berlin ist neben den ohnehin zehn Verletzten auch noch Osako angeschlagen und Sahin Gelb-Rot gesperrt.

Florian Kohfeldt hält sich am Spielfeldrand verzweifelt die Hände an beide Wangen.
So sieht Verzweiflung aus: Werder-Trainer Florian Kohfeldt muss einen Ausfall nach dem anderen hinnehmen. Bild: DPA | Soeren Stache

Manchmal, wenn eine Situation so abstrus und vertrakt ist, so sehr zum Verzweifeln, dass man eigentlich heulen möchte, ist irgendwann aber das Maß voll. Dann kann man einfach nur noch schallend lachen über die Absurdität der eigenen Lage. An diesem Punkt ist Werder Bremen nach dem Spiel bei Union Berlin angelangt. Ausfälle, Ausfälle, Ausfälle. Verletzte, Gesperrte, Rekonvaleszente wohin man sieht. Es ist so tragisch, dass es schon wieder komisch ist. Werder ist zu einem Treppenwitz geworden.

Und so macht Trainer Florian Kohfeldt das Beste, was er im Moment tun kann: Werders unglaublich bittere Personalsituation mit trockenem Humor zu nehmen. Was hätte er auch sonst machen können, schließlich steht er mit einem Lazarett da, das bereits zehn seiner Spieler beherbergt. Als ihm dann auch noch Yuya Osako in der 68. Minute Zeichen gab, dass es nicht mehr weiter ginge. Die Wade, schade. Wie sollte er da sonst reagieren als mit Galgenhumor?

Yuya selbst sagt, dass es nur ein Krampf war. Jetzt hoffe ich nur, dass das nicht das japanische Wort für Muskelfaserriss ist.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Osako hat Wade, Sahin zu viel Zeit

Ein Werder-Betreuer legt dem angeschlagenen Yuya Osako die Hand um die Schulter und führt ihn vom Spielfeld.
Trost vom Betreuer: Für Yuya Osako war die Partie mit Wadenproblemen nach weniger als 70 Minuten beendet. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Osako steckte ohnehin noch seine erfolgreiche Länderspielreise mit Japan, aber auch der Jetlag noch in den Knochen. Ein Krampf wäre also nicht unwahrscheinlich und bei Werder klammert man sich derzeit an jeden Strohhalm. "Wir hoffen, dass es nichts Schlimmeres ist. Das wäre extrem bitter", meinte Sportchef Frank Baumann: "Es ist im Moment wie verhext. Uns fällt ein Spieler nach dem anderen aus."

Und mit Nuri Sahin kam in Berlin definitiv ein weiterer Streichkandidat für die nächste Partie gegen RB Leipzig hinzu. Denn Werders Routinier sah in der wilden und hektischen Nachspielzeit die Gelb-Rote Karte. Er habe das Spiel verzögert, da er einen Freistoß ausgeführt hatte, der noch nicht freigeben war, so der Vorwurf von Schiedsrichter Tobias Welz. Sahin reagierte mit Unverständnis.

Meinen Platzverweis kann ich nicht verstehen. Ich dachte, der Freistoß wäre freigegeben gewesen. Ich schieße den Ball ja nicht irgendwohin, sondern halte ihn im Spiel. Union hätte ja sogar die Möglichkeit gehabt, den Ball zu erobern. Wie gesagt: Ich verstehe es nicht.

Werder-Profi Nuri Sahin

Hoffen auf Rashica und Moisander

Nuri Sahin greift sich fassungslos an den Kopf, als ihm der Schiedsrichter die Gelb-Rote Karte zeigt.
Nicht zu fassen: Nuri Sahin sah gegen Union Berlin in der Schlussphase die Gelb-Rote Karte und wird gegen Leipzig fehlen. Bild: Imago | Nordphoto

Kohfeldt wusste auch schon nicht mehr, was er dazu sagen sollte. War aber froh, dass Sahin zumindest nicht verletzt war. Immerhin. "Es ist natürlich extrem bitter, dass durch die Gelb-Rote jetzt auch noch Nuri ausfällt", meinte der Werder-Coach und hatte dafür aber zwei weitere Strohhalme parat. "Bei Milot Rashica bin ich mir sicher, dass er gegen Leipzig zurückkommt, bei Niklas Moisander müsste es auch funktionieren", sagte Kohfeldt. Bei Maximilian Eggestein lässt sich dagegen noch nicht absehen, wie lange die Rückenverletzung braucht. Auch hinter Ömer Toprak stehen weiter Fragezeichen für Leipzig.

Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt, genau wie guter Humor. "Tim Borowski, Clemens Fritz und Frank Baumann trainieren schon seit Wochen im Hintergrund", schob Kohfeldt lachend hinterher. Und wenn Werders Pech anhält, dann wäre die Variante Spielertrainer ja auch noch eine Option. Schließlich ist Kohfeldt fünf Jahre jünger als Claudio Pizarro. Da geht noch was.

Werder vor Union Berlin: So geschwächt ist die Mannschaft wirklich

Werder-Spieler stehen beim Training um Florian Kohfeldt herum, der etwas erklärt.
Bild: Imago | Nordphoto

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: ARD, Sportschau, 14. September 2019, 18:45 Uhr