Werders wilder Aufreger-Sieg: "Ich VARstehe den Fußball nicht mehr"

Im Spiel gegen Union Berlin wimmelte es von strittigen Szenen. So mancher Fan verlor im Regel-Dschungel die Übersicht – und richtete seinen Frust auf den Videoassistenten.

Werder-Spieler um Nuri Sahin und Davy Klaassen echauffieren sich über die Gelb-Rote Karte durch Schiedsrichter Welz.
Dicker Frust zum Schluss: Werders Nuri Sahin (Mitte) sah von Schiedrichter Welz die Gelb-Rote Karte. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Es gab zwar strahlenden Sonnenschein am Samstagnachmittag im Stadion An der alten Försterei, doch als Schiedsrichter Tobias Welz das Spielfeld verließ, mussten ihn die Ordner trotzdem mit aufgespannten, schwarzen Regenschirmen nach draußen geleiten. Gegen das gellende Pfeifkonzert vermochten aber auch die ihn nicht zu schützen.

Die vergangenen 97 Spielminuten hatten die Gemüter auf beiden Seiten erhitzt und sowohl die Fans von Union Berlin als auch jene von Werder Bremen hatten Welz zu ihrem Objekt des Unmuts auserkoren – gemeinsam mit dessen Videoassistenten Bastian Dankert, der allerdings weit weg vom Schuss im berühmten Kölner Keller hockte.

Jede Menge Frust und Diskussionsstoff

Drei Elfmeter, zwei Platzverweise, jede Menge strittige Szenen – Schiedsrichter Welz und sein Team waren wahrlich nicht zu beneiden. Und inmitten dieses teils chaotischen und am Ende wilden Spiels wurde schnell klar, dass dem Fußballfan im Allgemeinen und Speziellen des Regel-Dschungels schon lange nichts mehr klar ist.

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Davy Klaassen im Flugmodus nach einem möglichen Foul des Union-Keepers.
Der "Fliegende Holländer": Werders Davy Klaassen (links) hebt ab – ob es eine Berührung gab, ist fraglich. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Wann greift der Videoassistent ein? Was liegt im Ermessensspielraum des Schiedsrichters? Wann wird ein Handspiel geahndet und wann nicht? Am Ende der 97 Spielminuten hatten die 22.000 Zuschauer eher mehr Fragezeichen auf der Stirn als weniger – und zudem noch jede Menge Frust und Diskussionsstoff aufgestaut. Die neuen Regeln vereinfachen die Lage nicht, sie verkomplizieren eher. Schon nach zwei Minuten hatte Welz erstmals auf den Elfmeterpunkt gezeigt, es sollten zwei weitere Male folgen. Unions Keeper Rafal Gikiewicz sollte Davy Klaassen im Strafraum zu Fall gebracht haben, zu erkennen war die Berührung auch in Zeitlupeneinstellungen nicht. Es dauert weitere, zähe, zwei Minuten. Der Videoschiedsrichter schaltete sich ein, doch auch Dankert befürwortete die Elfmeterentscheidung.

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Handspiel von Werder wird geahndet – Unions nicht

Klaassen verwandelte zum 1:0 für Werder. Aber keine zehn Minuten später sprintete Welz erneut zum Monitor an der Seitenlinie, um eine Handspielszene zu checken, die im Stadion niemand mitbekommen hatte. Werders Verteidiger Christian Groß hatte nach einem Eckball den Ball an die Hand bekommen – Elfmeter für Union Berlin.

Der Arm geht hoch, aber ich sehe den Ball gar nicht. Der Schiedsrichter hat es so entschieden, da kann man nichts dran ändern.

Werder-Profi Christian Groß bei Sky

Unions Sebastian Andersson verwandelte in der 14. Minute zum 1:1-Ausgleich – nur einmal hatte es zuvor so früh im Spiel zwei Elfmetertore gegeben: 1989 beim 2:3 zwischen Bochum und Waldhof Mannheim. Damals fielen sie bis zur achten Minute. Doch auf diese geschichtsträchtige Anfangsphase hätten viele wohl gerne verzichtet, schließlich setzte sie irgendwie den Ton für eine unruhige und mitunter nervtötende Partie, in der mehr diskutiert und reklamiert als sehenswert gespielt wurde. In der 22. Minute schaltete sich dann erneut der Videoassistent ein: Dieses Mal war einem Union-Spieler der Ball an die Hand gesprungen – aber es gab keinen Elfmeter.

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Gelbe Karte für Trainer Kohfeldt

Theodor Gebre Selassie streckt seinen Fuß nach dem Ball, wird aber von einem Union-Spieler am Trikot gehalten.
Am Trikot gezupft: Theodor Gebre Selassie (2. von links) wird um eine gute Torchance für Werder gebracht. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Da aus dem Spiel heraus wenig passierte, verwunderte es kaum, dass Welz in der 54. Minute erneut auf den Elfmeterpunkt zeigte. Werders Theodor Gebre Selassie wurde von Christopher Trimmel ungeschickt am Trikot gezogen und so am gefährlicheren Torschuss gehindert. "Das war ein klarer Elfmeter. Sonst hätte ich das Tor gemacht", sagte Gebre Selassie. Doch dieses Mal hielt Gikiewicz den Strafstoß von Klaassen und mancher Fan mag das als ausgleichende Gerechtigkeit empfunden haben. Aber der Pfiff war korrekt.

Am Ende wurde es wild, fast schon unübersichtlich im Stadion An der alten Försterei. Erst sah der Berliner Neven Subotic Gelb-Rot, weil er Leonardo Bittencourt gegen die Außenbande gerammt hatte. Im Trubel und Tumult dieser Szene sah auch Werder-Coach Florian Kohfeldt die Gelbe Karte. Am Ende führte Nuri Sahin einen Freistoß zum zweiten Mal aus, ohne dass dieser freigegeben war – auch der Werder-Profi sah Gelb-Rot. "Die erste Gelbe Karte für mich war ganz klar berechtigt", meinte Sahin. "Bei der zweiten Gelben Karte dachte der Schiedsrichter wohl, dass ich das Spiel verzögern wollte. Das wollte ich aber nicht." Es war ein Nachmittag mit Stoff, der für mehrere Spiele gereicht hätte. Zu einem positiveren Image des Videoschiedsrichters verhalf es jedoch sicherlich nicht.

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: ARD, Sportschau, 14. September 2019, 18:45 Uhr