Werders beinharter Bittencourt ist ein echter Kracher

Sein Debüt für die Grün-Weißen gegen Union schlug ein – und das in doppelter Hinsicht. Werder hat mit Leonardo Bittencourt offenbar einen ziemlich guten Griff gemacht.

Leonardo Bittencourt schreit nach einem Tor gegen Union seinen Jubel heraus.
Auf Anhieb überzeugend: Leonardo Bittencourt gelangen viele Flanken, er nahm die Zweikämpfe an und hatte wenig Ballverluste. Bild: Imago | Nordphoto

Manche Beziehungen beginnen mit einem Paukenschlag, aber Leonardo Bittencourt hätte sich wohl gewünscht, sein Einstand bei Werder wäre in einem weniger metaphorischen Sinne passiert. Denn eingeschlagen war der 27-jährige Wirbelwind sogar buchstäblich – in der Außenbande im Stadion An der alten Försterei.

Sein Gegenspieler Neven Subotic hatte ihn im Zweikampf mit einem Bodycheck recht rustikal abgedrängt und Bittencourt war auf die Pflastersteine neben dem Spielfeldrand gestürzt und dann mit Wucht an der Bande eingeschlagen. Ein Schreckmoment in der Partie gegen Union Berlin. Aber dieser Leonardo Bittencourt ist beinhart und wurde nicht zum nächsten Patienten in Werders Großraum-Lazarett.

Ich konnte mich gut schützen, meine Schulter und der Po haben ein wenig abbekommen, aber das gehört dazu. Die Werbebanden sind hier in Berlin wohl etwas dichter dran als sonst.

Werder-Neuzugang Leonardo Bittencourt zu seinem Einschlag an der Bande

Bittencourt ist nicht nachtragend

Leonardo Bittencourt prallt nach einem Zweikampf mit Neven Subotic hart gegen die Außenbande.
Schreck in der Schlussphase: Bittencourt prallte mit Wucht in die Außenbande. Bild: Imago | Nordphoto

Bei seinen Bremer Mitspielern waren nach dem Einschlag die Emotionen hochgekocht und selbst als Subotic mit Gelb-Rot bestraft worden war, beruhigten sich die Gemüter nur langsam. Bittencourt wurde behandelt, die Schlussminuten zu Ende spielen konnte er aber nicht mehr. Nachtragend war er trotzdem nicht: "Er wollte zum Ball, ich wollte zum Ball. Dann trifft er mich halt. Ich unterstelle ihm da nichts."

Man kennt sich eben aus gemeinsamen Dortmunder Zeiten, kein Grund zur Aufregung. Und diese Art passt zu Bittencourt, er hat schon viel gesehen in seiner Fußball-Karriere. Mit dem Spiel in Berlin ist er nun der jüngste Profi der Bundesliga-Geschichte, der bereits in fünf Vereinen gespielt hat. Den 30 Jahre alten Rekord hatte Bittencourt geknackt.

30 Jahre alten Rekord geknackt

Leonardo Bittencourt liegt nach dem Aufprall an der Bande mit den Händen vor seinem Gesicht auf dem Rasen.
Musste nah dem Einschlag an der Bande länger behandelt werden: Leonardo Bittencourt. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Aber ein Söldner ist die Leihgabe der TSG Hoffenheim deshalb sicherlich nicht. Bittencourt spielte in seiner ersten Partie für Werder, als hätte er nie woanders gespielt. Mit Yuya Osako verstand er sich ohnehin blind, aus gemeinsamen Zeiten mit Claudio Pizarro in Köln. Bittencourt nahm jeden noch so harten Zweikampf an und sorgte mit seinen Flanken immer wieder für Gefahr – gleich in der zweiten Minute war er über links durchgeprescht und hatte auf Davy Klaassen gepasst. Dann kam der Elfmeterpfiff für Werder und Bittencourt hatte sich sofort perfekt eingeführt.

Es war ein starker erster Auftritt des 1,70 Meter großen Mittelfeld-Wirblers, Bittencourt schlug auf Anhieb ein. "Man hat gesehen, warum ich von ihm in den letzten Wochen so geschwärmt habe", meinte Werder-Trainer Florian Kohfeldt. Da haben sich die Bremer wohl einen Kracher gesichert. Und mit "einem dreitägigen Eisbad", so glaubt Kohfeldt augenzwinkernd, ist der beinharte Bittencourt auch gegen Leipzig wieder bereit für vollen Körpereinsatz.

Werder-Neuzugang Bittencourt will gegen Berlin erstmals ran

Werder Spieler Leonardo Bittencourt während einer Pressekonferenz.

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: ARD, Sportschau, 14. September 2019, 19 Uhr