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Ein Werder-Ultra erklärt den Boykott des Montagspiels

Am Montagabend wird Werder die Unterstützung seiner Fans in Teilen fehlen: Mehrere Ultra-Gruppen haben den Boykott angekündigt, aus Protest gegen die Ansetzung.

Blick auf die leeren Stehplätze der Ostkurve des Weser-Stadions.
Mögliches Szenario beim Heimspiel gegen Köln? Große Teile der Ostkurve könnten leer bleiben. Bild: Andreas Gumz

Werder Bremen muss am Montagabend um 20:30 Uhr zuhause gegen den 1. FC Köln ran, erstmals seit die Spielansetzungen in der Bundesliga offiziell bis zum Montag ausgeweitet wurden. Die Hanseaten haben sich noch nicht vor dem Abstiegsstrudel gerettet, daher brauchen sie eigentlich die bewährte Unterstützung ihrer Fans im Weser-Stadion. Doch mehrere Ultra-Gruppen haben angekündigt, der Partie fernzubleiben.

Warum die organisierte Fanszene Montagsspiele boykottiert und warum der Protest für sie schon jetzt ein Erfolg ist, erklärt ein Mitglied einer Bremer Ultra-Gruppe, das anonym bleiben möchte, im Interview mit Radio Bremen.

Wieso boykottieren die Werder-Ultras am Montag das Spiel?
Wir wollen ein Zeichen gegen die Kommerzialisierung des Fußballs setzen. Insbesondere gegen die Zerstückelung des Spieltages.
Ist es nicht kontraproduktiv, die Mannschaft im Abstiegskampf nicht zu unterstützen?
Natürlich fällt es uns in der aktuellen Situation verdammt schwer, unsere Mannschaft nicht zu unterstützen. Die Entwicklung im Profifußball hat aber einen Punkt erreicht, der für die Fans nicht mehr hinnehmbar ist. Wir müssen jetzt klare Kante zeigen und sagen: So geht es nicht weiter.
Blick auf die Choreographie der Werder-Fans in der Ostkurve des Weser-Stadions.
Unterstützung in Grün und Weiß: Oftmals zeigen die Ultras in der Ostkurve aufwendige Choreografien. Bild: Andreas Gumz
Warum haben die Ultras diese Form des Protests gewählt?
Unserer Meinung nach ist der Montag als Spieltag nur ausgewählt worden, um mehr Geld über TV-Verträge zu generieren. Die Belange der Fans wurden dabei komplett außer Acht gelassen.  Wir wollen dem Event der Fernsehübertragung keine Bühne geben. Deshalb wird es keine organisierte Stimmung geben. Das fällt uns natürlich schwer. Gerade im Abstiegskampf ist das nicht schön. Aber wir wollen, dass jeder Fußballfan ins Stadion gehen kann, ohne dafür extra einen Tag Urlaub nehmen zu müssen.
Wie wird denn das Bild im Stadion sein? Bleibt die Ostkurve leer?
Das kann man schwer voraussagen. Wir zwingen ja niemanden, das Spiel ebenfalls zu boykottieren. Wir haben uns dazu entschieden, um ein klares Zeichen zu setzen. Ich würde mir natürlich wünschen, dass sich viele anschließen. Gleichzeitig wünsche ich mir natürlich, dass Werder Bremen gewinnt und durch den Protest keine Nachteile hat.
Werders Präsident Hubertus Hess-Grunewald hat gesagt:  "Wenn es eine Möglichkeit gibt, über eine Abschaffung der Montagsspiele zu sprechen, dann sollte man die nutzen." Das müsste den Ultras doch eigentlich entgegen kommen...
Natürlich freut es mich, dass die Proteste der aktiven Fanszene Früchte tragen und dass auch die Fußball-Funktionäre langsam einsehen, dass sie zu weit gegangen sind. Beim Thema Montagsspiele muss man aber auch sagen: Das war keine alleinige Entscheidung der DFL. Alle 36 Profi-Vereine haben einstimmig dafür gestimmt. Dementsprechend finde ich es scheinheilig, im Nachhinein zu sagen: Damit konnte ja keiner rechnen.
Hat der Protest der Fans Aussichten auf Erfolg?
In meinen Augen ist der Protest schon jetzt erfolgreich. In der breiten Öffentlichkeit wird diskutiert. Funktionäre äußern sich, Fans äußern sich. Es wird nicht mehr nur in Hinterzimmern gesprochen, sondern es wird öffentlich gemacht. Wir als Fans des Bundesligisten Werder Bremen haben den Luxus, diese Aufmerksamkeit zu bekommen. In der zweiten Liga sind Montagsspiele schon länger Alltag. Bei denen war es nicht so einfach, das Thema in die Öffentlichkeit zu bekommen.
  • Jan Oppel

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 10. März 2018, 15 Uhr