Mit Vogt hat Werder endlich einen Unbequemen

Kohfeldt suchte für den Abstiegskampf einen Spieler mit "positiver Arroganz", mit Kevin Vogt hat er ihn gefunden – der Verteidiger hatte sich mit Hoffenheim zerstritten.

Video vom 13. Januar 2020
Kevin Vogt hält lächelnd vor dem Werder-Spielertunnel sein Trikot mit der Nummer drei hoch.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Kevin Vogt lächelt viel, als er am Montagvormittag zum ersten Mal auf dem Podium im Pressekonferenzraum des Weser-Stadions sitzt. Vor kurzem war der 28-Jährige noch Kapitän bei der TSG Hoffenheim. Und natürlich weiß er genau, wie man sich gut verkauft. Werders Neuer, der bis zum Saisonende ausgeliehen ist, kommt sympathisch rüber, doch in vielen seiner Antworten schwingt zwischen den Zeilen unmissverständlich mit: Man sollte sich besser nicht mit ihm anlegen.

Ich habe Ecken und Kanten und scheue mich nicht, meine Meinung zu sagen. Und ich scheue mich auch nicht, auf dem Platz ins Risiko zu gehen. Das könnte man mir ein Stück weit als Arroganz auslegen. Aber ich bringe sehr viel Optimismus und positive Energie mit, und mit meiner Art will ich die anderen anstecken.

Werders Neuzugang Kevin Vogt bei seiner Vorstellung in Bremen

Vogt hat die "positive Arroganz", die Kohfeldt wollte

Kevin Vogt sitzt neben seinem Berater Thomas Strunz auf der leeren Tribüne des Trainingslelände auf Marbella.
In Hoffenheim nicht mehr erwünscht: Kevin Vogt (rechts) im Trainingslager in Marbella mit seinem Berater Thomas Strunz. Bild: Imago | Kirchner-Media

Mit eben dieser Art hatte sich Vogt in Hoffenheim allerdings gerade ins Abseits manövriert. Was genau vorgefallen war, das das Verhältnis zwischen dem Defensivallrounder und der TSG plötzlich zerrüttete, wollte Vogt am Montag nicht erklären. Doch dankbar sei er dem Verein, "dass er mir keine Steine in den Weg gelegt" hatte und so das Leihgeschäft mit Werder überhaupt erst zustande gekommen war. Denn Vogt ist genau der Spieler, den Trainer Florian Kohfeldt haben wollte.

Einen mit einer "positiven Arroganz" hatte sich Kohfeldt gewünscht. Einen, der robust und auf eine Art auch unbequem ist. Kein Netter, der sich beim Mitspieler entschuldigt, wenn er ihn gefoult hat. Einer, der klare Kante auf und neben dem Platz zeigt. "Irgendwo bin ich das schon", meinte Vogt über das Anforderungsprofil.

Ich mag mutigen Fußball, denn der wird am Ende immer belohnt. Ich spiele immer den schwierigen Pass, auch wenn ich oft letzter Mann bin. Und geht der daneben, versuche ich es trotzdem wieder. Ich gehe ins Risiko, das ist meine Art. Und da ist es egal, ob man auf Platz 17 oder sieben steht.

Werders Neuzugang Kevin Vogt bei seiner Vorstellung in Bremen

Kohfeldts Idee von Fußball überzeugte Vogt

Kevin Vogt lehnt mit verschränkten Armen an einer Wand im Spielertunnel, auf der die Werder-Raute aufgemalt ist.
Erst einmal ausgeliehen: Für Kevin Vogt hat Werder keine Kaufoption und keine Kaufverpflichtung. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Werder hatte während Hoffenheims Trainingslager in Marbella Kontakt mit dem in Ungnade Gefallenen aufgenommen. Und offenbar traf Kohfeldt im Gespräch die richtigen Töne. "Die Idee, die Flo von Fußball hat und wie er darüber redet, ist wie meine. Wir haben uns beim Telefonat gut verstanden, auch menschlich. Und dann ging alles recht schnell, dass ich mich entschieden habe."

Weg vom Klub mit Champions-League-Ambitionen, hin zum Klub mitten im Abstiegskampf. "Ich weiß genau, wo wir uns befinden", wiegelt Vogt ab. Und er ist überzeugt von der Qualität seiner neuen Mitspieler, sonst hätte er sich auf den Wechsel gar nicht eingelassen. Mit Leonardo Bittencourt ist er befreundet und hatte sich ein paar Insider-Informationen für seine Entscheidung geholt. "Ich war in der Hinrunde schon bei vielen Spielen verwundert, warum Werder die nicht gewonnen hat", meint Vogt: "Aber ich kenne den Abstiegskampf noch aus Augsburg – man kommt manchmal einfach in eine Negativspirale. Wichtig ist, dass wir uns jetzt vom ersten Tag dagegen stemmen."

Eingeplant im Zentrum einer Dreierkette

Kevin Vogt im beherzten Zweikampf mit Düsseldorfs Bernard Tekpetey, den er zu Boden drückt.
Immer voller Einsatz: Kevin Vogt (links) ist auf dem Spielfeld wenig zimperlich mit seinen Gegnern. Bild: Imago | Foto2press

Einsteigen wird Vogt am Mittwoch erstmals ins Mannschaftstraining. Nicht viel Zeit, um sich auf die neuen Kollegen einzustellen, denn Kohfeldt plant fest mit ihm für den Rückrundenauftakt am Samstag in Düsseldorf. "Ich stehe total im Saft und bin topfit", betont er. Vermutlich wird Vogt zentral in einer Dreierkette neben Niklas Moisander und Ömer Toprak spielen, doch der Neue ist flexibel in der Defensive. "Ich bin kein statischer Spieler, man muss sich ohnehin ständig anpassen bei den Positionen", sagt Vogt gelassen.

Eines ist für ihn jedoch jetzt schon ganz klar: Wenn Werder im ersten Heimspiel der Rückrunde gegen Hoffenheim spielt, wird Vogt auf dem Rasen dabeisein. Die Kraichgauer schreiben normalerweise bei verliehenen Spielern eine Klausel in den Vertrag, dass diese nicht mit dem neuen Klub gegen Hoffenheim auflaufen dürfen – Vogt aber hat sich das verbeten. Es war "mein ausdrücklicher Wunsch", so nennt er es, und damit der erfüllt wurde, hatte er so lange darauf gepocht, bis Hoffenheim nachgab. "Für mich war ganz klar, das ich gegen Hoffenheim spiele und es keine Klausel geben wird", betont Vogt. Anlegen wollte sich die TSG offenbar nicht mehr mit Vogt – doch schwer vorstellbar, dass es für Vogt noch einen Weg zurück gibt. Kohfeldt hatte sich einen Unbequemen gewünscht. Ob er ihn auch behalten möchte, werden die kommenden Wochen zeigen.

Deshalb kann Kevin Vogt Werder helfen

Video vom 12. Januar 2020
Kevin Vogt auf der Tribüne bei Werder Bremen sitzend.
Bild: Radio Bremen

Mehr zum Thema:

Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 13. Januar 2020, 18:06 Uhr