Kommentar

Erstklassige Vorbereitung von Werder Bremen

Das war doch ganz ordentlich. Unser Reporter Heiko Neugebauer ist fast schon begeistert vom Werder-Trainingslager im spanischen Algorfa.

Ein Werderspieler beim Lauftraining in einem Trainingslager in Spanien

Werder hat im Trainingslager im spanischen Algorfa versucht, den mit Florian Kohfeldt bereits eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen. Die Grundidee, mehr Ballbesitz und damit mehr Kontrolle über das Spiel zu haben, wurde in fast jeder Einheit geübt und geübt und geübt! Vielfach unterbrach der Werder-Trainer den Ablauf, korrigierte mal verbal, mal auch mit "Körpereinsatz", wenn er Akteure, die sich falsch positioniert hatten, einfach auf den richtigen Platz schob. Schon bei der ersten Einheit wurde klar, warum der immer noch recht neue Trainer, bei seiner ersten Vorbereitung überhaupt, dieses Trainingslager gewollt hatte: So kann man in Bremen im Winter eben nicht trainieren, bei 20 Grad und strahlendem Sonnenschein schon.

Werder Trainingslager Algarfe
Aaron Johannsson, Thomas Delaney und Ishak Belfodil konnten aufgrund von Verletzungen nicht am Testspiel gegen Twente Entschede teilnehmen. Bild: gumzmedia

Das ist anstrengend und fordernd, körperlich sowieso, aber auch mental. Und für das Gelingen ist eine hohe Bereitschaft der Spieler unabdingbar. Diese war allem Anschein nach vorhanden. Zlatko Junuzovic etwa betonte, wie wichtig es sei, künftig mutiger aufzutreten, und Florian Kohfeldt selbst lobte die Mannschaft für ihren unermüdlichen Einsatzwillen und ihre Wissbegierigkeit. Das war wirklich erstklassig.

Auch der 4:0 Testspielerfolg gegen Twente Enschede war wichtig, sorgte er doch dafür, dass der gesamte Tross mit einem guten Gefühl wieder abreisen konnte. Auch wenn es nur gegen den Tabellensechzehnten der niederländischen Ehrendevisie ging und Twente schon am Vortag gespielt hatte, war doch schon einiges von dem zu sehen, was in der Woche zuvor einstudiert wurde: Mehr Ballbesitz, durch kompaktes Anlaufen den Gegner zu langen Bällen zu zwingen und diese möglichst gleich wieder zu gewinnen. Auch der Zug zum Tor war da, die Chancen wurden genutzt, und defensiv gewährte Werder den Niederländern nicht eine einzige Torchance.

Es könnte eine erfolgreiche Rückrunde werden

So weit, so gut, könnte man fast denken, wäre da nicht die personelle Situation. Den idealen Zeitpunkt für einen Bartels-Ersatz hat Werder bereits verpasst, ein etwaig neuer Spieler wäre am besten gleich mit nach Spanien gekommen, um die Abläufe und die Mannschaft kennenzulernen.

Und auch das ist eine Erkenntnis der Woche in Algorfa: mit Bordmitteln ist der Bartels-Ersatz nicht zu stemmen. Aron Johannsson ist schon wieder verletzt, so wie in der Hinrunde auch. Florian Kainz ist ein anderer Spielertyp – und wird das auch bleiben. Izet Hajrovic glänzt mitunter im Training, kann das aber im Wettkampf zu selten bestätigen.

Wenn keine personellen Probleme dazu kommen, könnte das aber was werden mit einer erfolgreicheren Rückrunde. Kommt aber noch ein Ausfall dazu (über die maximale Wichtigkeit von Max Kruse brauchen wir an dieser Stelle nicht zu sprechen), könnte es eng werden. Auch wenn Aufsichtsrat-Chef Marco Bode davon sprach, auf dem Transfermarkt noch aktiv werden zu können. Das müsste dann aber schon ein Spieler sein, der sofort in die erste Elf gehört, und von denen gibt es bekanntlich ja eher wenige, die sich Werder auch leisten kann.

Insgesamt macht die Mannschaft einen guten Eindruck, das Team mit Trainer Florian Kohfeld sowieso. Kommt noch etwas Glück dazu und ein erfolgreicher Start in die Rückrunde, spricht nichts dagegen, dass auch die nächste Saisonvorbereitung eine für die erste Liga sein wird.

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  • Heiko Neugebauer

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 8. Januar 2018, 18:06 Uhr