Werder-Trainer Kohfeldt sucht die Tiefe

Nach dem Abgang von Kapitän Max Kruse stellt Werder sein Offensivspiel um. Für das Spiel mit einem Mittelstürmer muss die Mannschaft "Tief" gehen. 

Werderspieler beim Training im Zillertal.

"Tiefe! Tiefe Läufe! Tiefe!", hallt es zwischen den Bergen im Zillertal. Immer wieder: "Tiefe!" In fast jeder Trainingseinheit in Österreich brüllt Florian Kohfeldt sein Team an und fordert seine Mannschaft auf, in die Tiefe zu laufen. "Es ist schwer, das in die Köpfe reinzubekommen", sagt Kohfeldt, "weil die Spieler häufig laufen, ohne den Ball zu bekommen. Das ist aber extrem wichtig, um Räume zu ziehen."  

Werder stellt sein Offensivspiel um

In der vergangenen Saison war Max Kruse der Mittelpunkt in Werders Offensivspiel. Nach seinem Abgang will Werder künftig mit einem Mittelstürmer auflaufen. Nicht mit einem kreativen Freigeist wie Kruse im Zentrum, der sich auch mal an die Mittellinie zurückfallen lässt.

Deshalb müssen die Angreifer lernen, immer wieder hinter die gegnerische Viererkette zu sprinten, um beim Gegner Unordnung zu stiften. "Tiefe Läufe", winkt Milot Rashica ab. Es sind zwei der wenigen Worte, die der Flügelstürmer auf Deutsch kann. "Das müssen wir hier sehr oft tun."  

Kader-Tiefe im Sturm

Rashica ist einer von acht Angreifern in Werders Kader. Bis auf Johannes Eggestein, der nach der U21-EM verlängerten Urlaub bekommen hat, waren im ersten Trainingslager alle Stürmer dabei. Deshalb hat der Schwerpunkt aufs Angriffsspiel ohne Kruse und mit vielen Sprints in die Tiefe Sinn ergeben. "Wir haben einen guten Schritt gemacht, aber ich finde schon noch Dinge, die da besser gehen", bilanziert Kohfeldt.

Tiefe ist ganz weit oben bei meinem Coaching-Vokabular.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Abwehr nicht optimal 

Was ebenfalls hätte besser laufen können: Die Trainingsarbeit mit der Abwehr. Werder hat vergangene Saison in der Liga 47 Gegentreffer kassiert. Das ist Kohfeldt zu viel. Schon vor dem Trainingslager war allerdings klar, dass es nach den Verletzungen von den Innenverteidigern Milos Veljkovic und Sebastian Langkamp hinten etwas eng wird.

Aber nach der Verletzung von Theodor Gebre Selassie im ersten Testspiel, ein paar Wehwehchen von Niklas Moisander und der geplanten, verspäteten Anreise von Marco Friedl hat die potenzielle Viererkette nicht ein gemeinsames Training absolviert. "Das war nicht der Optimalfall", gibt Kohfeldt zu, "aber die Viererkette muss sich grundsätzlich nicht neu finden." Die Arbeit mit der Abwehr verschiebt der Trainer aufs zweite Trainingslager in Grassau. 

Nicht tief in die Tasche greifen

Dann vielleicht ja auch schon mit einem Neuzugang. Tagelang geisterte der Name Michael Gregoritsch durchs Zillertal. Sowohl Sportchef Frank Baumann als auch Werder-Boss Klaus Filbry schlossen einen Transfer des Angreifers bei den geforderten 15 Millionen Euro Ablöse allerdings aus. Werder kann so tief nicht in die Tasche greifen.

"Ich kann den Wunsch von den Fans nach Neuzugängen verstehen", sagt Kohfeldt, "wir hätten schon ein paar Spieler holen können, aber wir brauchen Geduld und machen nur das, was uns wirklich hilft." Immerhin haben die Bremer mit Niklas Füllkrug (6,5 Millionen Euro) und Marco Friedl (3,5 Millionen Euro) schon zwei potenzielle Stammspieler für insgesamt fast 10 Millionen Euro geholt. 

Alles nach Plan

Insgesamt ist der Coach mit dem ersten Trainingslager im Zillertal "grundsätzlich sehr zufrieden." Die Trainingsbedingungen in Österreich werden von Jahr zu Jahr besser, die Mannschaft ist von größeren Verletzungen verschont geblieben und die Testspiele waren für diese Phase der Saison ganz ordentlich (ein Sieg, eine Niederlage und ein Unentschieden). Das Einzige, was Kohfeldt unruhig macht, ist, dass "eigentlich alles nach Plan läuft." Wie bitte? "Wir dürfen uns nicht in Zufriedenheit wiegen, wir müssen kritisch bleiben – darauf werde ich in den nächsten Wochen sehr achten." 

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  • Dino Bernabeo

Dieses Thema im Programm: buten und binnen mit Sportblitz, 14. Juli 2019, 19:30 Uhr