Kohfeldts Mallorca-Bilanz: Es ist noch nicht alles toll

Werders Trainingslager auf Mallorca ist beendet, doch das Fazit von Trainer Kohfeldt fällt durchwachsen und sehr realistisch aus: Wunder kann Werder nicht bieten.

Video vom 10. Januar 2020
Florian Kohfeldt umringt von Kameras und Mikrofonen beim Interview.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Acht Tage hat Werder Bremen auf der sonnigen Insel Mallorca verbracht, doch für Florian Kohfeldt war es beim Abschluss am Freitag sehr wichtig, noch einmal zu betonen: "Wir und die Mannschaft haben hier an jedem Tag alles probiert, um besser zu werden. Wir sind nicht hergefahren, um Urlaub zu machen, definitiv nicht." Überhaupt war sein Ton in diesen Tagen etwas strenger, auch mal lauter. Auf dem Platz und in den vielen Besprechungen mit seinen Spielern. Einzeln und in der Gruppe.

Florian Kohfeldt legt nachdenklich den Zeigefinger ans Kinn bei einem Pressegespräch.
Nachdenklich: Florian Kohfeldt nannte das Trainingslager das "komplexeste", das er bisher erlebt hatte. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

"Bei jedem ist jetzt im Kopf, dass es nur um den Klassenerhalt geht", betonte Kohfeldt. Doch es ging im Trainingslager auch darum, die Verunsicherung zu beseitigen, die Verkrampfung zu lösen, aus der Negativspirale irgendwie herauszukommen.

Doch von "Euphorie und Aufbruchsstimmung" wollte Kohfeldt nichts wissen, das sei unangemessen, meinte er. "Es ist ein ständiger Umgang mit Rückschlägen." Schließlich könne nach einer Woche nicht plötzlich alles wieder gut sein – und so manches war es tatsächlich auch nicht auf Mallorca.

Es war nicht alles toll. Es gab Widrigkeiten, es gab Probleme, es gab unerwartete Sachen in diesem Trainingslager. Aber mein Glaube und dass ich einen klaren Weg habe, wie wir da rauskommen und dass die Mannschaft dahinter steht, der ist ungebrochen. Aber das wird nicht einfach werden. Es wird Rückschläge geben, definitiv. Wir haben uns in eine Situation gebracht, die alle unsere Energie fordern wird.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Hohe Frustrationstoleranz war gefordert

Florian Kohfeldt gestikuliert mit ernstem Gesichtsausdruck bei einem Pressegespräch.
Florian Kohfeldt hatte auf Mallorca auf einen Neuzugang gehofft – doch der blieb bisher aus. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Es sei das komplexeste und anstrengendste Trainingslager gewesen, das er je hatte, erzählte Kohfeldt. Bis in die tiefe Nacht habe der Coach mit seinen Mitarbeitern zusammengesessen, ausgetüftelt, wie die unterschiedlichen Fitnesseinstiege, Gesundheitszustände und sonstigen Bedürfnisse der einzelnen Spieler unter einen Hut zu bringen seien. Enorm viel "Frustrationstoleranz" sei von allen gefordert gewesen. Aber am Freitag habe Kohfeldt dann zum ersten Mal seit Langem einen körperlichen Zustand seiner Mannschaft gesehen, "der mich zufrieden vom Trainingsplatz gehen lässt – ich bin mit dem Stand heute sehr zufrieden."

Am Donnerstag hatte es danach nicht ausgesehen – da fehlten schon wieder sieben Spieler im Training mit den unterschiedlichsten Blessuren. Dabei stand Dienstag nur Regeneration auf dem Plan und am Mittwoch hatten alle einen freien Tag. Ein heikler Moment für Kohfeldt nach der Verletzungsmisere der vergangenen Monate.

Dass nach einem ganz bewusst geplanten Regenerationstag direkt danach etwas passiert. Das waren so Dinge, wo man denkt: 'Nicht schon wieder.' Diesen kleinen Moment hatte ich auch.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Zwei mögliche Szenarien für die Rückrunde

Kohfeldt sitzt mit verschränkten Armen beim Pressegespräch und schaut nach oben.
Florian Kohfeldt dämpft Euphorie ein: "Es ist ein ständiger Umgang mit Rückschlägen." Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Stichwort Frustrationserlebnisse. Jenes löste sich noch recht schnell über Nacht bei den meisten wieder. Doch Kohfeldt bereitete seine Mannschaft auf Mallorca darauf vor, was sie zum Rückrundenstart erwarten wird. Dafür zeichnete er ihnen zwei mögliche Szenarien auf. "Erstens: Wir starten in die Rückrunde, gewinnen ein, zwei Spiele. Man hat das Gefühl, es kommt was ins Laufen", meinte Kohfeldt und fuhr fort: "Wichtig ist, dass dann alle wissen: 'Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist.' Nicht, dass wir in so eine Scheinsicherheit kommen." Das zweite Szenario ist dagegen das unangenehmere. "Wir verlieren in Düsseldorf. Kann passieren, das ist nicht aus der Welt. Dann ist wichtig, dass trotzdem keiner Panik kriegt. Dass wir weiter an den Weg glauben, weitermachen – und mit dem Rückschlag umgehen."

Idealerweise hätte ein neuer Spieler zudem neue Impulse gegeben, doch "die Dinge haben sich nicht so schnell entwickelt, wie wir gehofft haben". So muss Kohfeldt erstmal mit dem leben, was er hat. Und nach dem Testspiel am Sonntag gegen Zweitligist Hannover 96 wird er wohl endgültig wissen, was das Trainingslager wert war. Doch entscheidend ist für Kohfeldt vor allem eines: "Ich mache mir auch Sorgen. Aber ich bin komplett fokussiert, die Situation zu lösen." Und die ersten Fortschritte hatte er auf Mallorca zumindest gesehen.

Es gibt keine Gewinner, keine Verlierer. Es gibt nur uns.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt mit dem Fazit des Trainingslagers

Werder-Trainingslager: Aufsichtsratsboss Bode fordert mehr Risiko

Video vom 9. Januar 2020
Werder Bremens Aufsichtsratsvorsitzender Marco Bode mit Sonnenbrille.
Bild: Gumzmedia

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Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 10. Januar 2020, 18:06 Uhr