Werner hat Werder gezeigt, wo das Gaspedal ist

Bild: Imago | Nordphoto

Schon vor Ole Werner hatte der Bremer Kader Qualität. Doch mit seiner ganz eigenen Art hat der Trainer die Spieler dazu gebracht, ihre Stärken auszuspielen.

Es ist eine schöne Analogie, die Anthony Jung unter der Woche im Interview mit dem Sportblitz entwarf, um zu erklären, wie es Trainer Ole Werner geschafft hatte, Werder wieder in die Spur zu bringen.

Wir haben eine enorme Qualität im Kader. Aber wenn man in einem schnellen Auto sitzt, muss man auch wissen, wo das Gaspedal ist und wann man schalten muss. Das hat uns der Trainer vermittelt.

Werder-Profi Anthony Jung im Sportblitz

Die Handbremse hat Werner also gelockert und das Betriebshandbuch verständlich in Fußballersprache übersetzt. Nun läuft der grün-weiße Sportwagen seit vielen Wochen fast durchweg wie geschmiert und die Profis geben Vollgas Richtung Wiederaufstieg.

Nichts bringt Werner aus der Ruhe

Dabei ist der 33-jährige Werner doch eigentlich gar kein Vollgas-Typ. Vollblut-Trainer, das natürlich, aber verbal hat er mit seiner unaufgeregten, norddeutsch-nüchternen Art doch eher etwas sehr Beruhigendes.

In aller Regel ist das so. Sowohl im Privaten als auch im Beruflichen ist es so, dass es nicht viele Momente gibt, in der es mich aus der Ruhe bringt.

Werder-Trainer Ole Werner im Talk mit Felix Krömer

Mit seiner Besonnenheit hat er Werder sieben Spieltage vor Saisonende auf Rang zwei geführt, punktgleich mit Spitzenreiter FC St. Pauli. Und er lässt sich auch nicht von der Aussicht aus der Ruhe bringen, dass nach der Länderspielpause in einer Woche die heiße Phase der Saison beginnt und der Reihe nach die besonders schwergewichtigen Gegner St. Pauli, Nürnberg und Schalke warten.

"Als Team unheimlich gestärkt"

Denn Werder ist gewappnet, Ausfälle hin oder her, und das scheint daran zu liegen, dass die Mannschaft Werner vertraut. Seit der Trainer den Job Ende November von Markus Anfang übernahm, hat er den Spielern nicht nur gezeigt, wo das Gaspedal ist.

Der Trainer hat mehr Struktur und Klarheit reinbekommen. Wir wissen besser, was wir in bestimmten Situationen machen müssen. Das hat er uns vermittelt. Die Harmonie ist da und die Mechanismen haben danach immer mehr gegriffen. Das hat uns als Team unheimlich gestärkt.

Werder-Profi Anthony Jung im Sportblitz

Dass der Teamgeist bei den Bremern unter Werner stimmt, zeigt sich auch daran, dass niemand herummosert. Der Trainer setzte lange auf dieselbe Stammformation, besonders die jungen Spieler mussten meistens auf der Bank sitzen. Doch zu hören ist nichts, niemand meutert.

"Habe immer Erklärungen von ihm bekommen"

Niklas Schmidt ist einer von denen, die es getroffen hat. Unter Anfang war er einer der Gewinner des Saisonstarts, nun ist der 24-Jährige nur noch selten im Einsatz. Doch er erklärt, warum er trotzdem nicht sauer auf Werner ist. Im Gegenteil.

Der Trainer kam nach den Spielen auch zu mir und hat mir erklärt, warum ich eingewechselt wurde oder warum nicht. Da waren wir immer klar. Ich habe immer die Erklärungen von ihm bekommen – auch, wenn er das gar nicht hätte tun müssen. Aber er hat es gemacht, das fand ich cool.

Werder-Profi Niklas Schmidt

Wenn einen Spieler cool finden, die auf der Bank hocken müssen, dann hat man vor allem Zwischenmenschlich sehr viel richtig gemacht. Werner bezieht jeden Spieler mit ein. Alle bekommen das Gefühl, dass sie ein wichtiger Teil dieses Projekts sind.

"Auch mal auf die Zunge beißen"

"Wir haben alle das große Ziel aufzusteigen", fügt Schmidt hinzu: "Da muss man sich manchmal hintenanstellen, auch wenn es wehtut und auf die Zunge beißen und sagen: 'Hey, die anderen machen das gut. Und wenn ich reinkomme, versuche ich mich genauso reinzuhängen.'"

Vertrauen schafft Sicherheit, manchmal sind die Dinge auch im Fußball ganz simpel. Die Spieler vertrauen auf Werner, auf seine Methoden und Spielphilosophie. Das hat sich der Trainer mit seiner nüchternen, aber sehr zugewandten Art erarbeitet. Sieben Spieltage noch Vollgas, dann wäre Werder auf der Überholspur Richtung Aufstieg angekommen. Bleibt zu hoffen, dass unterwegs keine Pannen mehr passieren.

Sind Sie ein erstklassiger Trainer, Herr Werner?

Bild: Radio Bremen

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Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 23. März 2022, 18:06 Uhr