Toprak wird für Werder vom Hoffnungsträger zum Problemfall

Der Innenverteidiger kam vom BVB und sollte mit Niklas Moisander Werders Abwehr-Problemzone stabilisieren. Nun wird Ömer Toprak selbst zum Problem – und zu einem sehr teuren.

Ömer Toprak hält auf dem Trainingsplatz abwehrend die Arme empor.
Noch nicht richtig zum Zug gekommen: Ömer Toprak hat seit seinem Wechsel zu Werder im Sommer erst 279 Minuten gespielt. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Ömer Toprak konnte es selbst nicht glauben. Am vergangenen Sonntag hatte sich Werders 30 Jahre alter Innenverteidiger im Borussia-Park mit seinen Kollegen aufgewärmt. War guten Mutes, dass er die beiden Spiele gut weggesteckt hatte, nachdem er fast zwei Monate ausgefallen war – aber dann plötzlich, kurz vor dem Anpfiff, schmerzte die Wade wieder.

Gegen Gladbach ging für Toprak nichts mehr, der Routinier hatte aber nicht das Gefühl, dass es etwas Schlimmeres sei. Doch es war schlimmer. So viel steht seit Mittwoch fest, die Hinrunde ist für Toprak gelaufen. Er hat eine Muskel-Sehnenverletzung in der Wade. "Er ist sehr enttäuscht, dass wirklich etwas kaputt ist", erklärte Sportchef Frank Baumann: "Ömer hat sich den Start hier ganz anders vorgestellt. Er hat einfach viel Pech."

Nur 279 Minuten für Werder gespielt

Seit Toprak im Sommer an die Weser wechselte, hat er gerade einmal 279 Minuten für Werder in der Liga auf dem Platz stehen können. Die Beziehung der beiden ist bisher gelinde gesagt unglücklich gelaufen. Nach dem Saisonauftakt gegen Fortuna Düsseldorf musste Toprak nach einem Zusammenstoß vorsorglich ins Krankenhaus. Im zweiten Spiel gegen Hoffenheim zog er sich nach einer Viertelstunde einen Muskelfaserriss zu und musste danach sechs Mal zuschauen. Dann endlich das Comeback gegen seinen Ex-Klub Bayer Leverkusen, doch dort unterlief ihm ein bitteres Eigentor und er wurde obendrein von ehemaligen Mitspielern beleidigt, als er verletzt behandelt werden musste. Alles lief schief, nun also der nächste Rückschlag. Toprak, der ultimative Pechvogel.

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Doch ob es Pech allein ist, das Toprak ständig ausbremst, wird zumindest immer fraglicher. Der Routinier war von Werder als Hoffnungsträger geholt worden, sollte mit Niklas Moisander die Problemzone Abwehr stabilisieren. Nun wird Toprak selbst zum Problemfall – und zu einem teuren dazu. Denn Werder soll nach der Ausleihe auch eine Kaufpflicht für Toprak im Sommer haben. Dabei wird eine Gesamtsumme von kolportierten 6,5 Millionen Euro fällig. Viel Geld für einen Dauerpatienten.

Rund 400 Verletzungstage in 9 Jahren

Die Bremer sind mit ihrem schmalen Etat oft gezwungen, schon mal jene Spieler zu verpflichten, die anderswo nicht erste Wahl sind. Toprak ist ein gestandener Spieler, erfahren, Nationalspieler, eine Führungspersönlichkeit – doch er hat eben auch eine lange Verletzungshistorie. Das ist kein Geheimnis. Toprak spielte zwischen 2011 und 2019 bei Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund und fehlte in dieser Zeit insgesamt 183 Tage aufgrund von muskulären Verletzungen. Etliche andere wie Probleme im Sprunggelenk oder Knie kamen hinzu und schraubten seine Ausfalltage auf insgesamt rund 400 hoch.

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Die Frage ist, ob Werder wissentlich das Risiko mit Topraks Verpflichtung eingegangen ist und etwas arglos das Beste gehofft hat oder ob sich der Klub bei Durchsicht der Krankenakte schlicht verschätzt hat. "Natürlich hat Ömer, wie viele 30-Jährige in der Bundesliga, eine Verletzungshistorie", meinte Baumann: "Aber er wird zeigen, dass er fit zurückkommt und über eine lange Zeit gesund spielen kann." Sicher kann Werder aber nicht sein. Denn über die Gründe für Topraks Verletzungen wird in der medizinischen Abteilung der Bremer gerätselt. Baumann will jedenfalls nicht ausschließen, dass der Verteidiger zu ungeduldig in der Reha war und es deshalb zum Rückschlag kam.

Ömer hat versucht, schnell der Mannschaft wieder zu helfen. Gerade bei einer Muskelverletzung muss man vorsichtig sein. Aber da kann es sein, dass man einen Tick zu früh zu viel gemacht hat im Reha-Prozess. Man kann nicht ausschließen, dass da alles perfekt gelaufen ist. Aber grundsätzlich ist es bei Ömer ein stückweit Pech.

Werder-Sportchef Frank Baumann

Pech allein oder vorhersehbare Anfälligkeit? Werder will jedenfalls sichergehen, dass von Seiten des Vereins nichts versäumt wurde und so kündigte Baumann an, dass noch einmal alle Schritte geprüft werden. Die Diagnostik, die Reha, die Wiedereingliederung ins Mannschaftstraining. Das wird bei jedem verletzten Spieler so gehandhabt und von denen hatte Werder teilweise so viele, dass es für eine ganze Mannschaft reichen würde. Erklärungen haben die Bremer jedoch bisher nicht gefunden. Nichts Greifbares. Nichts, was ihnen bei der Prävention helfen würde. Nur das eine – Pech. Doch es bleibt fraglich, ob es beim Problemfall Toprak wirklich reines Pech gewesen ist oder doch ein Spiel mit dem Feuer.

Baumann zu Toprak: "Vielleicht einen Tick zu früh zu viel gemacht"

Frank Baumann sitzt auf der Ersatzbank und hat sich den Jackenkragen vor den Mund gezogen.
Bild: Imago | Nordphoto

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Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 13. November 2019, 18:06 Uhr