Werder-Neuzugang Toprak sprang dem Tod zweimal von der Schippe

Mit dem Transfer von Ömer Toprak will Werder die Abwehr stärken. Was viele nicht wissen: Im Leben des 30-Jährigen gab es schon sehr dramatische Momente.

Ömer Toprak läuft auf dem Trainingsplatz von Werder Bremen
Schnell unterwegs: Ömer Toprak beim Werder-Training Bild: Imago | Nordphoto

Er habe sich ganz bewusst für Werder Bremen entschieden, sagte Ömer Toprak in den Presseräumen Werder Bremens zu seinem Wechsel an die Weser. Bei vielen anderen Spielern wäre das vielleicht eine dieser Standardaussagen, die Spieler so sagen, wenn sie zum ersten Mal bei einem neuen Verein im Rampenlicht stehen. Aber Ömer Toprak darf man glauben, dass er das auch so meint.

Denn der mittlerweile 30 Jahre alte Toprak hat früh lernen müssen, dass ein Leben als Fußball-Profi ein großes Privileg ist. Und, dass dieses auch schnell und unerwartet vorbei sein kann. Ein Mann mit seiner Geschichte, weiß worauf es ihm ankommt.

Beinahe Karriereende mit 19 Jahren

Toprak war 19 Jahre alt, da spielte er bei Freiburg in der zweiten Liga. Er war voll auf der Erfolgsspur, wurde vom Magazin "kicker" zum besten Abwehrspieler der Liga gekürt. Sehr gute Übersicht, hohes Tempo, beidfüßig. "Seine Ruhe am Ball ist auffällig", sagte damals der Coach der Freiburger U19-Coach, Christian Streich, über seinen ehemaligen Jugendspieler. Toprak galt als das größte Abwehrtalent im deutschen Fußball, gewann gerade mit der U19 in Tschechien die Europameisterschaft unter Horst Hrubesch. Dann ging er Anfang Juni 2009 mit Freunden Kart fahren.

Toprak hatte einen Unfall. Benzin lief aus und entzündete sich. Der junge Fußballprofi brannte, bis jemand mit einem Feuerlöscher die Flammen ersticken konnte. Toprak blieb bei Bewusstsein bis der Krankenwagen eintraf. Dann bekam er Medikamente und wachte erst auf der Intensivstation einer Tübingen Spezialklinik wieder auf.

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Es folgten sieben Operationen. Die Ärzte transplantierten Haut auf die verbrannten Stellen. Seine Beine und sein Rücken waren am schwersten betroffen. Mehrere Monate musste er im Krankenhaus bleiben. Fußball könne er nie mehr spielen, sagten die Ärzte. Sie lagen falsch.

Solider Verteidiger ohne Torgefahr

227-mal lief Toprak nach dem Unfall in der Bundesliga auf. Für Freiburg, Leverkusen und zuletzt Dortmund. Mit Werder werden noch einige Male dazukommen. Und wenn sich die Ziele von Werder-Keeper Jiri Pavlenka für die kommende Saison erfüllen sollten, dann könnten auch noch einige Einsätze in der Champions League folgen. 39 Einsätze hatte der Deutsch-Türke bereits auf der ganz großen Bühne. Sogar zwei Tore hat er dort geschossen. Eines bei Manchester United, eines beim Heimspiel von Bayer Leverkusen gegen Real Sociedad. Aber das ist lange her.

Tore sind ohnehin nicht seins. Ganz so schlecht wie die Bilanz des legendären Everton-Spielers Tony "Hibbo" Hibbert, dem in seiner gesamten Karriere nur ein einziges Tor gelang, ist seine Bilanz nicht. Aber Toprak traf auch nur fünfmal in zehn Jahren Bundesliga. Immerhin legte er auch fünfmal für seine Mitspieler auf. Aber für die Offensive sind bei Werder ohnehin andere zuständig.

Schnellster Verteidiger der Liga

Für Werder sind Topraks Defensivqualitäten ohnehin wichtiger. Laut "kicker" war Toprak noch in der Hinrunde der Saison 2017/2018 der schnellste Dortmunder Spieler. Topspeed 35 Km/h. Schneller als Mannschaftskollege Pierre-Emerick Aubameyang. Toprak war zudem laut dem Internetportal spox.de seinerzeit der schnellste Verteidiger und der viertschnellste Spieler der Liga. Natürlich ist er nun zwei Jahre älter, aber rasend schnell ist er immer noch. Und diese Geschwindigkeit habe Werder bisher so nicht in der Abwehr gehabt, meinte Werder-Trainer Florian Kohfeldt gegenüber dem "Weser-Kurier".

Beim Ligaauftakt gegen Düsseldorf soll der Neuzugang schon in der Abwehrzentrale auf dem Feld stehen. Toprak dürfte es freuen, endlich wieder spielen zu dürfen. Allzu oft war das bei ihm in der vergangenen Saison nämlich nicht der Fall. Nur neunmal setzte Borussias Trainer Lucien Favre ihn ein. Viermal davon aber lediglich in der letzten Minute, um mit seiner Einwechslung Zeit von der Uhr zu nehmen. Ein einziges Mal waren seine Qualitäten als Spieler für 90 Minuten gefragt. Sonst kam er nur als Ersatz von der Bank. Jedenfalls wenn es gut lief für ihn. Fast die Hälfte aller Partien der vergangenen Saison musste sich Toprak ohne Spielzeit von der Bank ansehen. Zu wenig für einen Spieler seiner Klasse und mit seinen Ansprüchen.

Überfall mit Pistole

Ömer Toprak im Zweikampf mit dem Finnen Robin Lod
Ömer Toprak bei seinem letzten Spiel für die Türkei. Mit im Bild ist der Finne Robin Lod. Bild: Imago | Jaakko Stenroos

Schließlich bringt Toprak auch die Erfahrung als türkischer Nationalspieler mit. 2016 feierte er sein Comeback unter Nationaltrainer Fatih Terim. Zuvor hatte Toprak einige Jahre im Nationalteam ausgesetzt. Hintergrund war ein Vorfall in einem Istanbuler Hotel im Jahr 2013. Damals bedrohte ein Freund des Nationalmannschafts-Kollegen Gökhan Töre die beiden Spieler Toprak und Hakan Canhanoglu mit einer Waffe, drohte sie zu erschießen. Toprak spricht nicht mehr über den Vorfall, mit Töre spielte er aber nie wieder zusammen.

Der Überfall mit der Pistole war nach dem Kart-Unfall das zweite Mal, dass Ömer Toprak wenigstens seine Karriere bedroht sah. Im schlimmsten Fall sogar sein Leben. Wenn also ein Mann mit seiner Geschichte davon spricht, dass er seine Entscheidung für Werder bewusst getroffen hat, dann kann man ihm das getrost glauben.

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Autor

  • Bastian Mojen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 11. August 2019, 19:30 Uhr