5 steile Thesen zu Werders Saisonstart

Der Traum von Europa, kaum neue Spieler und eine latente Auswärtsschwäche – was ist von Werder in dieser Saison zu erwarten? Eine neue Ära oder doch Tristesse?

Florian Kohfeldt schaut während einer Pressekonferenz hoch an die Decke.
Wohin geht Werders Weg in dieser Saison? Für Trainer Florian Kohfeldt ist die Antwort klar: in die internationalen Ränge. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

1 Werder wird die Europa League erreichen – mindestens!

Vor einem Jahr kam der forsche Vorstoß der Bremer noch überraschend, als sie Europa als Ziel ausgaben. Am Ende blieb unterm Strich, dass Werder zum neunten Mal in Folge den Europacup verfehlt hatte – erfolgreich war die Saison dennoch. In der Rückrunde verlor die Elf von Florian Kohfeldt nur zwei von 17 Bundesliga-Spielen, erreichte Platz acht und scheiterte erst im Pokal-Halbfinale an den Bayern.

Dieses Mal können die Bremer natürlich keinen Rückzieher machen und nur vom Klassenerhalt sprechen. Also heißt das Ziel erneut Europa, zweiter Anlauf. Die Philosophie ist geblieben, fast alle Spieler auch. Kohfeldt hat also die Chance, an den Schwachstellen, die es in der vergangenen Saison noch gab, zu arbeiten und so bestenfalls einen ähnlich starken Lauf hinzulegen.

Fazit: Europa könnte klappen – doch gleich gar von der Champions League zu träumen, scheint dann doch etwas vermessen.

2 Kohfeldt ist der neue Spielerflüsterer

Davy Klaassen hatte es betont, Ömer Toprak auch – sie waren nur seinetwegen an die Weser gewechselt: Florian Kohfeldt. Der Werder-Coach hat sich in kürzester Zeit das Image des Spielerflüsterers erarbeitet: authentisch, smart, mit der richtigen Balance zwischen Strenge und Zugänglichkeit. Mit einem Händchen für die Spieler. Und einem Plan. Kohfeldt hat eine klare Vorstellung davon, wo Werders Weg in Zukunft hinführen soll und kann diesen den Spielern auch vermitteln. Er kann sie begeistern, und das können nur wenige.

Fazit: Dank Kohfeldt steht Werder wieder für etwas, für den Aufbruch. Und er macht so den Verein wieder zu einer attraktiven Adresse für gute Spieler – die Erfolge dürfen allerdings auch nicht ewig auf sich warten lassen.

3 Werders Kader hat sich längst gefunden

Kohfeldt selbst war es erst mitten in der Vorbereitung aufgefallen – erstmals in seiner Trainerkarriere geht er mit derselben Mannschaft in eine neue Saison. Ein großer Vorteil, denn die Automatismen und Absprachen sind bereits verinnerlicht. Man kennt sich, man ist eingespielt. Vieles ist dann Feinjustierung. Im Pokalspiel gegen Delmenhorst konnte man bereits sehen, dass Kohfeldt nun taktisch flexibler spielen lassen kann. Dass Max Kruse eigentlich nicht vermisst wird. Zudem sind Spieler im Kader wie die Eggesteins oder Milot Rashica, die weiteres Entwicklungspotenzial haben.

Fazit: Die Frage nach weiteren Neuzugängen bleibt – auch wenn das Mannschaftsgerüst steht, wird Werder für seine Ziele weitere Verstärkungen brauchen. Der zweite Anzug sitzt noch nicht.

4 Werder ist nur im Weser-Stadion eine Macht

Ob Green-White-Wonderwall oder Spalierstehen bei der Einfahrt des Mannschaftsbusses – die gute Stimmung der Fans im Weser-Stadion beflügelte Werder zu so manchem Sieg. Platz vier belegten die Bremer mit 30 Punkten in der Heimtabelle der vergangenen Saison, das hätte für die Champions League gereicht. Doch es gibt da eben die Kehrseite, die leidigen Auswärtsspiele. Und dort ließ Werder viele Punkte liegen, die bei der Abrechnung für Europa dann fehlten.

Fazit: Werder darf sich nicht nur auf die Festung Weser-Stadion verlassen und muss auch auf fremden Rasen eine verlässliche Strategie entwickeln, wenn es mit Europa klappen soll.

5 Kohfeldt und Baumann sind die neuen Schaaf und Allofs

Der eine lobt den anderen und umgekehrt, nur wenig bis gar nichts dringt nach außen – da scheinen zwei auf der gleichen Wellenlänge zu liegen. Zwischen Kohfeldt und Baumann stimmt offenbar die Chemie, man vertraut sich. Und gemeinsam schmieden sie an Werder Bremen 2.0, dem Plan für eine erfolgreiche Zukunft. Die Grundlagen für eine lange, fruchtbare Zusammenarbeit sind gelegt, doch Kohfeldt ist noch keine zwei Jahre Cheftrainer. Und ob er den frisch verlängerten Vertrag wirklich bis zum Ende erfüllen wird, bleibt abzuwarten. Je erfolgreicher er ist, desto schwerer wird der Trainer des Jahres 2018 zu halten sein. Baumann hat noch einen Vertrag für die nächsten zwei Jahre, auch dort ist die nahe Zukunft noch nicht final geklärt.

Fazit: Um es wirklich den Beginn einer neuen Ära zu nennen, ist es definitiv noch zu früh. Der Start ist vielversprechend, aber Kohfeldt und Baumann müssen erst einmal in den nächsten Jahren nachlegen.

"Nur 'ne Nummer": So klingt der Song für Evergreen Pizarro

Claudio Pizarro mit verschmitztem Grinsen bei einer Pressekonferenz.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: ARD, Sportschau, 17. August 2019, 18:45 Uhr