Bei Werder beginnt das große Zillertal-Casting

Audio vom 1. Juli 2021
Werder-Trainer Markus Anfang erklärt an der Taktiktafel am Spielfeldrand seinen Spielern etwas, die ihn umringen.
Bild: Nordphoto / Stöver / Gumzmedia
Bild: Nordphoto / Stöver / Gumzmedia

Für die Grün-Weißen geht es nun ins einwöchige Kurz-Trainingslager. Wenig Zeit für Trainer Markus Anfang, der weiter mit einem ungewissen Kader arbeiten muss.

Am Mittwochabend im Oldenburger Marschwegstadion machte Markus Anfang schnell klar, dass er es ernst meint. Und dass er bei aller positiven Energie, die der neue Werder-Trainer auch abseits des Rasens vermittelt, ehrgeizige Pläne und keine endlose Geduld hat.

Denn diese erste Halbzeit im Testspiel gegen den Regionalligisten hatte Anfang nicht zugesagt. Ein eher zäher Auftritt seiner Elf, bei der erst kurz vor der Pause Niclas Füllkrug ein Treffer für die Bremer gelang. So gab es die Halbzeitansprache nicht in der Kabine hinter verschlossenen Türen, sondern öffentlich an der Seitenlinie mit Flipchart und zwischen Bierbänken.

Anfang erhöht den Druck

Wer sich von den knapp 5.000 Zuschauern in Oldenburg nicht gerade Getränk und Bratwurst holte, konnte miterleben, wie Anfang vor seinen Spielern vehement gestikulierte und monierte. Wie er auf sie einredete. Zufriedenheit wirkt anders.

Der Werder-Coach schickte sie nach der Ansprache direkt wieder auf den Rasen für einige Steigerungsläufe. Es war wohl ein erstes Indiz dafür, dass Anfang das Anspannungslevel weiter anzieht. Jeder Tag zählt.

Wer kommt? Wer geht? Wer bleibt?

"Es kann nicht alles auf Anhieb klappen. Viele Dinge waren im Ansatz schon gut", meinte Anfang nach dem 4:0-Sieg, "es gab aber auch individuelle Fehler." Fehler, die er nun, wo sich der Werder-Tross am Donnerstag auf den Weg ins österreichische Zillertal macht, schnellstmöglich abstellen muss. Doch bei welchen Spielern soll er sie eigentlich abstellen und wie kann das in so kurzer Zeit überhaupt klappen?

Wir können nicht beeinflussen, wie sich der Kader verändert. Aber er wird sich definitiv verändern, das wissen wir ja alle. Es wird ein Wiederaufbau und das braucht seine Zeit.

Werder-Trainer Markus Anfang am Mittwoch

Welche Spieler bleiben, wer noch wechselt oder wer vielleicht sogar ins Zillertal als Neuzugang noch nachreist – das alles ist unklar und macht eine sinnvolle Vorbereitung eigentlich unmöglich.

Eine Woche, zwei Testspiele

Zudem ist das Trainingslager extrem knapp bemessen, viel lässt sich da nicht einstudieren. Auch die beiden Testspiele am Sonntag und Mittwoch kosten wieder Regenerationszeit.

Es ist schon eine recht kurze Woche. Wir werden da ein bisschen mehr den Fokus auf das Defensive legen. Wir haben zwei gute Testspielgegner. Und wir werden dann überprüfen, wie das funktioniert hat.

Werder-Trainer Markus Anfang am Mittwoch

Anfang ist im Dauer-Casting

Ein wenig wirkt Anfangs Mission wie ein Dauer-Casting, das wohl erst Ende August mit dem Ende der Transferperiode wirklich zu Ende ist. Die Liste der Spielernamen, die noch gehen sollen oder wollen, ist lang. Doch gehen sie auch alle? Der Transfermarkt kommt weiter nicht in Schwung, das ist ein Problem für Werder. Auch, was den Einkauf betrifft.

So muss Anfang nun weiterhin Spielern seine Philosophie beibringen, die eigentlich auf dem Sprung sind. Er weiß nicht, auf wen er seine neue Achse stützen kann, und welcher Wunschspieler vielleicht doch nicht kommt. Derzeit ist Werders Neuaufbau so fragil wie ein Kartenhaus und die steife Brise ist schon im Anmarsch. Am 24. Juli startet die 2. Liga und Anfang muss bei seinem Casting hoffen, dass dann zumindest ein Großteil seiner Spieler sicher im Recall ist.

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau, 1. Juli 2021, 8 Uhr