Standard

Werder Bremen hofft auf eine Rückrunde wie im letzten Jahr

Es ist Winter und Werder steckt mal wieder im Tabellenkeller. Im letzten Jahr schafften die Bremer nach einer Superserie Rang acht. Darauf setzen sie auch jetzt.

Werder Bremen
Max Kruse ist bei Werder Bremen nicht zu ersetzen. Sollte sich der Stürmer in der Rückrunde verletzen, dann wird der Klassenerhalt sehr schwierig. Bild: Imago | Jan Huebner

So lief die Hinrunde

Die Pokal-Hürde beim Drittligisten Würzburg übersprang Werder zum Saisonstart, wenn auch glanzlos. In der Liga wartete mit Hoffenheim, Bayern und Hertha ein schweres Auftaktprogramm. Doch das war nicht der einzige Grund, warum die Bremer bis zum 12. Spieltag sieglos blieben. Zwar hatte Trainer Alexander Nouri die Defensive verbessert, in den vergangenen Jahren war diese oft Werders größter Schwachpunkt. Doch offensiv ging nun auch nichts mehr. Bis zur Entlassung von Nouri Ende Oktober hatten die Bremer gerade einmal drei Tore erzielt. Neben fehlender Balance schwächte der rund vierwöchige Ausfall von Topscorer Max Kruse die Mannschaft zusätzlich.

Fin Bartels liegt mit schmerzverzerrtem Gesicht am Spielfeldrand und wird an seiner Achillessehne behandelt.
Die Verletzung von Stürmer Fin Bartels am Ende der Hinrunde hat die Bremer deutlich geschwächt. Bild: Imago | DeFodi

Nach zehn Spielen ohne Sieg und nur fünf Punkten zog der Verein die Reißleine. Nouri musste gehen. Für ihn kam der dritte U23-Trainer in Folge: Florian Kohfeldt (nach Skripnik und Nouri). Während die halbe Fußball-Nation über seinen Namen stolperte, hauchte der 35-Jährige dem verunsicherten Team wieder neues Leben – und den Mut zur Offensive ein. Sein Debüt als Interims-Trainer der Profis ging verloren, doch am 12. Spieltag gelang der Mannschaft der Befreiungsschlag: Das 4:0 gegen Hannover war der erste Liga-Sieg der Bremer seit über einem halben Jahr. Zehn Punkte aus sieben Spielen holte Werder mit neuem Trainer-Gespann noch bis zur Pause, überwintern müssen die Bremer trotzdem auf dem Relegationsplatz.

Wer kommt, wer geht? Was ist sonst noch passiert in der Winterpause?

Werder sucht noch einen Ersatz für Stürmer Fin Bartels, der sich im Spiel gegen Borussia Dortmund einen Achillessehnenriss im linken Fuß zugezogen hat. Noch ist der Verein aber nicht aktiv geworden. "Wir halten die Augen offen", sagte Trainer Florian Kohfeldt. "Wenn sich Qualität anbietet, die uns dauerhaft weiterhilft, werden wir es machen. Wenn nicht, dann habe ich hohes Vertrauen, mit dieser Mannschaft die Klasse zu halten." Zum jetzigen Zeitpunkt gehen die Bremer also ohne Neuzugang in die Rückrunde. Ein Spieler hat den Verein dagegen vorübergehend verlassen. Abwehrspieler Ulisses Garcia wurde an den 1. FC Nürnberg ausgeliehen. Die Vorbereitung auf die Rückrunde der Fußball-Bundesliga haben die Bremer im spanischen Algorfa bestritten. Nach Ansicht aller Beteiligten war es ein sehr gelungenes Trainingslager.

Der Trainer

Schon als Co-Trainer von Viktor Skripnik galt Florian Kohfeldt als der Taktik-Experte im Team. 2015 hatte Kohfeldt seine Trainer-Ausbildung beim DFB als Jahrgangsbester abgeschlossen. Doch als er nach der Nouri-Entlassung zum Interims-Coach berufen wurde, gab es auch kritische Stimmen. Schließlich war er als Cheftrainer der U23 zu diesem Zeitpunkt auch seit zehn Spielen sieglos. Aber er verlieh Werders Profi-Team neuen Schwung. Er führte die Vierer-Abwehrkette wieder ein, ließ das Team höher stehend verteidigen und offensiver auftreten.

Aus dem Interims-Coach wurde der Hinrunden-Trainer. Kurz vor Weihnachten gab Werder schließlich bekannt, mit Kohfeldt auch 2018 weitermachen zu wollen. Im Auftreten ist der 35-Jährige ruhig und selbstbewusst:

"Ich muss sagen, dass mich nichts überfordert. Deshalb fühle ich mich auch wohl und fühle mich grundsätzlich sicher in dem, was ich tue."

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Erwartungen an die Rückrunde

Und täglich grüßt das Murmeltier: Wie in den vergangenen drei Jahren zuvor verbrachte Werder die Winterpause tief unten im Tabellenkeller. Im Vorjahr standen die Bremer um diese Zeit auf Rang 15. Im Frühjahr kamen sie durch ihre Super-Serie dann kurzzeitig verblüffend nah an die Europa-Pokal-Ränge heran, bevor sie die Saison als Tabellenachter beendeten. Davon sollten sie vorerst allerdings nicht träumen. Zwar ist ein Aufwärtstrend seit der Amtsübernahme von Florian Kohfeldt deutlich erkennbar. Doch der Klassenerhalt ist wieder einmal das Saisonziel. Krönen könnten sich die Bremer diese bislang schwierige Spielzeit mit weiteren Erfolgen im DFB-Pokal. Vielleicht entpuppt sich der Cup in diesem Jahr als grün-weiße Abkürzung nach Europa.

Mehr zu Werder Bremen:

  • Silke Boos

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, der Tag, 10. Januar 2018, 23:20 Uhr