Kommentar

Werder verhaut das Auftaktspiel – überzeugt aber trotzdem

Zunächst war die Enttäuschung riesig bei Werder. Mit zwei Tagen Abstand kann man aus der Niederlage gegen Düsseldorf aber auch viel Gutes ziehen, findet unser Autor.

Die Werder-Mannschaft steht in einem Kreis zusammen mit geduckten Köpfen.
Nach dem Abgang von Kruse fehlt der Top-Star bei Werder. Die Mannschaft kann nur mit Zusammenhalt gewinnen. Bild: Imago | Nordphoto

Das erste Bundesligawochenende der Saison 2019/2020 ist beendet. Und die beiden größten Überraschungen des Spieltages gab es im Norden und im Süden: Bayern hat das Auftaktspiel am Freitag im heimischen Stadion gegen Hertha mit einem Unentschieden versemmelt. Und Werder hat sein Saisondebüt im Weser-Stadion ebenfalls vergeigt. Aber nur vom Ergebnis her.

25 Torschüsse, 67 Prozent Ballbesitz, mehr als doppelt (639) so viele gespielte Pässe wie der Gegner (307) – Werder machte eindeutig das Spiel gegen Düsseldorf. Nur, die Tore fehlten. Die schossen die Gäste. Natürlich war das enttäuschend für alle, die es mit Werder halten. Aber: Werder ist gegen einen tief stehenden Gegner eben auch 25-mal vor das Tor gekommen. Und das ist Grund genug, ohne Trübsal aus dem Spiel zu gehen. Enttäuscht sein muss man bei Werder über das Ergebnis. Das ist klar. Aber blamiert hat sich der Klub nicht.

Auch Florian Kohfeldt wollte nach dem Spiel – bei aller Enttäuschung über dessen Ausgang – nicht alles schlecht reden.

Ich glaube, wenn man die Fortunaspieler fragt, war es insgesamt sehr unangenehm gegen uns zu spielen. Nur, da können wir uns nichts für kaufen.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Vielmehr strahlte Werder über weite Strecken der Partie enorme Dominanz aus. Es war offensichtlich, dass sich die Spieler viel vorgenommen hatten. Die Bremer liefen trotz des deutlich höheren Anteils am Ballbesitz fast genauso viel wie die Düsseldorfer. Werders Akteure wollten spielen, wollten gewinnen. Dass sie Mittel dazu haben, zeigten sie am Samstag. Jedenfalls bis vor die Torlinie mit dem glänzend haltenden Zackery Steffen.

Es gibt eben diese Spiele, da will der Ball einfach nicht rein. Unter Fußballern heißt es dann: "Wir hätten auch noch eine Stunden spielen können und nicht getroffen." Und der Gegner kommt dann dreimal vor das Tor und macht jede Bude. Bei Werder war das so ein Spiel am Samstag. Das Ergebnis passte nicht. Aber die Art und Weise, wie sich die Mannschaft präsentierte, machte mehr Mut für die vielen zukünftigen Partien, als die eine enttäuschende Niederlage.

Kruse-Lücke noch nicht geschlossen

Denn trotz des Misserfolgs steht die Erkenntnis, dass sich die Mannschaft im Spielaufbau und beim Erarbeiten von Chancen weiterentwickelt hat. Yuya Osako, Nuri Sahin, Davy Klaassen, Milot Rashica und die Eggestein-Brüder – was da bei Werder zusammenwächst könnte richtig gut werden.

Und so sehr der Abgang von Max Kruse auch eine Lücke bei Werder hinterlassen hat, sein Wechsel gibt den anderen mehr Verantwortung und Freiheiten. Das Spiel gegen Düsseldorf hat gezeigt, dass alle den Ehrgeiz haben, die Lücke von Kruse zu füllen. Auch wenn überraschende Momente gegen Düsseldorf eher selten waren.

Aber man darf nicht vergessen, dass Kruse erst ein paar Monate weg ist und Werder mit Düsseldorf den ersten ernstzunehmenden Gegner in einem Pflichtspiel bespielte. Es braucht wohl noch etwas Zeit, bis sich die Kreativität wieder in Werders Spiel etabliert. Ein ganz heißer Kandidat als Lieferant für die genialen Werder-Momente dürfte dann Nuri Sahin sein. Seine Klasse blitzte im Trainingslager immer wieder auf, wenn es um die Zuspiele in die Tiefe ging.

Zum Champions-League-Team fehlt einiges

Jiri Pavlenka und Davy Klaassen sprachen vor der Saison davon, die Champions League erreichen zu wollen. Das wird natürlich nicht gelingen, wenn man gegen eine "kleine" Bundesliga-Mannschaft wie Düsseldorf verliert. Und das auch noch im heimischen Stadion. Aber es ist eben das Wie gegen Düsseldorf, dass den Betrachter des Spiels beim Erinnern an die Aussagen von Pavlenka und Klaassen nicht völlig verständnislos mit dem Kopf schütteln lässt.

Denn der Bundesliga-Auftakt war ein gutes Spiel von Werder. Will der Klub aber am Ende tatsächlich zu den Spitzenteams der Liga gehören, dann braucht es mehr. Das Wettrennen um die europäischen Plätze wird nicht durch Ballbesitz oder Torschüsse entschieden. Sondern durch Cleverness in entscheidenden Situation. Die hatte am Samstag Düsseldorf mehr als Werder. Wenn Werder es aber dauerhaft schafft, so viel Druck auf den Gegner auszuüben, wie gegen Düsseldorf, und dann in den entscheidenden Situationen ebenfalls wach ist, stellt sich der Erfolg ein. Vielleicht sogar am nächsten Spieltag. Dann könnte Werder wieder für eine der Spieltags-Überraschungen sorgen: Mit einem Sieg in Hoffenheim (24. August, 15:30 Uhr).

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Autor

  • Bastian Mojen

Dieses Thema im Programm: ARD, Sportschau, 17. August 2019, 19:30 Uhr