Endlich erstes Werder-Tor von Schmid: "Ich bin ein sensibler Mensch"

Die Teamkollegen in Bremen machten schon Witze über Romano Schmid, weil dieser nie traf. Unter Markus Anfang schoss er zwar häufig, aber Ole Werners Stil liegt ihm mehr.

Der übliche Schnack in einer Fußballerkabine ist auch an Romano Schmid nicht vorbei gegangen. Der erst 21 Jahre alte Österreicher hat sich in dieser Saison bei Werder gut entwickelt und einen Stammplatz ergattert. Eines fehlte ihm aber noch zu seinem fußballerischen Glück: sein erster Treffer in einem Pflichtspiel für die Bremer.

Deshalb musste er sich auch den ein oder anderen Spruch anhören. Weil seine Schüsse nie im Tor landeten, wurde er in der Kabine gerne mal aufgezogen. Sprüche wie "Willst du nicht endlich mal treffen?!" habe es gehagelt, erzählte Schmid am Dienstag in einer Medienrunde. Natürlich waren die Sprüche der Kollegen scherzhaft gemeint, doch ganz kalt ließen sie ihn nicht. "Ich bin ja auch ein sensibler Mensch", räumte er ein. "Es war nicht einfach, wenn man nicht trifft."

"Jetzt kannst du mal einen ausgeben"

Mit seinem tollen Treffer aus der Distanz am Freitag gegen Aue brachte Schmid seine Kollegen erst einmal zum Schweigen. Wobei diese ihn auch unmittelbar nach seinem erstem Tor für Werder noch ein wenig aufzogen. "Jetzt kannst du mal einen ausgeben", wurde in der Kabine im Anschluss gescherzt. Doch eine Kiste Bier in selbige hat Schmid noch nicht gestellt. Auch anderweitig hat er am Freitagabend nicht mehr gefeiert. Der besondere Moment wurde stattdessen in aller Ruhe genossen. Nach dem Spiel, berichtete Schmid, sei er direkt zu seiner Freundin und seinem kleinen Sohn gefahren. "Und dann bin ich gleich schlafen gegangen."

Hellwach zeigt Schmid sich ansonsten auch für die U21-Nationalmannchaft Österreichs vor dem Tor, für die er in 13 Spielen schon viermal traf. Eine starke Quote für einen offensiv orientierten Mittelfeldspieler. Weshalb es für Werder erst im 42. Spiel mit dem ersten Tor klappte, kann er sich auch nicht so recht erklären. "Im Nationalteam treffe ich eigentlich immer", sagte er. Und nun hat es endlich nicht nur mit dem österreichischen Adler, sondern auch mit dem W auf dem Trikot geklappt.

Es war ein sehr schönes Tor. Man hat gesehen, dass ich schießen kann. Natürlich bin ich überglücklich.

Romano Schmid sitzt auf dem Podium.
Romano Schmid in einer Medienrunde am Dienstag

Lieber mehr kicken als zweite Bälle

Versucht hat Schmid es dabei in dieser Saison schon häufiger. Ein paar Mal, so der gebürtige Grazer, habe er Pech gehabt. Ein paar Mal habe es aber auch durchaus unglücklich ausgesehen. Dass er so häufig aus der Distanz sein Glück probiert, sei noch eine Anweisung von Ex-Coach Markus Anfang gewesen. Ihm ist er dankbar, dass er ihm so häufig das Vertrauen geschenkt und in die Mannschaft gestellt hat. Seine Position hat ihm aber nicht immer gepasst.

Wenn wir 5-3-2 spielen, gibt es außer der Acht nicht wirklich eine Position für mich. Vielleicht als Doppelspitze, ein bisschen hängend. So wie ich die letzten vier oder fünf Spiele zuvor links auf der Außenverteidigerposition gespielt habe, hat jeder gesehen, dass es nicht meine Position ist. Da fühle ich mich auch nicht wohl.

Romano Schmid sitzt auf dem Podium.
Romano Schmid am Dienstag in einer Medienrunde

Auch der Spielstil zuletzt hat ihm nicht immer gepasst. Für Schmids Geschmack haben die Bremer zuletzt zu sehr "auf zweite Bälle" gesetzt. Zu häufig sei also der Ball einmal nach vorne geschlagen worden, um diesen dann bestenfalls in der Nähe des gegnerischen Tores zu gewinnen und schnell zu Chancen zu kommen. Ole Werners Ansatz gegen die Auer hat ihm da besser gefallen. "Wir haben mehr versucht zu kicken. Das hat uns gut getan." Vor allem ihm, der zum ersten Mal traf – und den Scherzbolden damit ihr Futter nahm.

Rückblick: Schmid will bei Werder den Neustart schaffen

Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

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  • Karsten Lübben Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 7. Dezember 2021, 18:06 Uhr