Werder-Talent Sargent trifft und schweigt

Er kam, sah und traf gleich bei seinem Bundesliga-Debüt: Der 18-jährige Josh Sargent. Doch Trainer Florian Kohfeldt geht der Hype um das US-Talent viel zu schnell.

Sargent nach dem Abpfiff bei seinem ersten Bundesligaspiel glücklich mit dem Ball in der Hand.
Vielversprechendes Kurz-Debüt: Josh Sargent spielte bisher in Werders U23-Mannschaft in der Regionalliga. Bild: DPA | Thomas Eisenhuth

Bei Florian Kohfeldt brach sofort der Beschützerinstinkt durch. Der Werder-Trainer warb nach dem Abpfiff im Bremer Weser-Stadion bei den Journalisten für Verständnis, dass einer seiner Spieler an diesem Abend und auch in nächster Zeit schweigen würde: Josh Sargent. "Ich möchte ihm das noch nicht zumuten, das ist zuviel. Es gibt schon genug Aufregung um ihn", erklärte Kohfeldt.

Der 18-Jährige aus Missouri, er steht noch unter Welpenschutz beim Werder-Coach. Doch am Freitagabend gegen Düsseldorf stand Sargent eben im Fokus – erstmals im Bundesligakader, Bundesliga-Debüt und kaum zwei Minuten eingewechselt, da köpfte der Youngster mit seinem zweiten Ballkontakt sein erstes Bundesliga-Tor. Was für ein Abend.

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Zu viel Hype um junge Talente

Doch der Bremer Trainer weiß genau, warum er den talentierten Teenager beschützt. Kohfeldt, der so gerne Parallelen zum Tennis zieht, könnte womöglich eines dieser abschreckenden Karriere-Beispiele dabei im Hinterkopf haben. Der Franzose Richard Gasquet landete im Alter von zehn Jahren auf der Titelseite des französischen Tennis-Magazins mit der Schlagzeile "Der Mozart des Tennis". Heute ist das einstige Wunderkind Gasquet 32 Jahre alt und diese tonnenschwere Bürde nie losgeworden. Die übertriebenen Erwartungen konnte er nicht erfüllen.

Kohfeldt geht auch bei Johannes Eggestein alles viel zu schnell, der mit seinen 20 Jahren schon extrem gehypt wird. Seine jungen Spieler sollen sich in Ruhe entwickeln, wünscht sich Kohfeldt, ohne unrealistische Erwartungen erfüllen zu müssen. "Josh ist ein guter Junge", betonte er. Noch unverbraucht, und ein Junge eben, der auch mal Quatsch macht.

Er hat ein gutes Selbstvertrauen, aber ein positives. Er dreht nicht durch. Er hat extrem an sich gearbeitet. Wir wollten ihn in den Rhythmus bringen, weil er fast ein Jahr nicht gespielt hat. Für die Rückrunde ist er bei mir relativ fest eingeplant für mehr Einsatzzeiten.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Der Welpenschutz gilt allerdings nur für die Medienarbeit, ansonsten erdet Kohfeldt Sargent mit berechtigter Kritik. "Das Tor freut mich für ihn", sagte er, "aber so schön war es nun auch nicht, und er muss da noch mit Martin Harnik reden, das Tor hat er ihm eigentlich weggenommen. Und nach dem Tor hatte er auch ein paar nicht so gelungene Aktionen. Da gibt es einiges, das er noch verbessern kann." Verhätscheln klingt anders. Kohfeldt hält die Erwartungen an das US-Talent erst einmal klein. Wirklich gelingen kann ihm das nicht, der Hype um Sargent ist längst im Gange. Der 18-Jährige der seit einem Jahr in Bremen ist, scheint derzeit aber noch mit beiden Beinen auf dem Boden zu stehen. Nach dem Spiel twitterte er nur ein Jubelbild von sich mit der schlichten Feststellung: "Anfängerglück".

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: ARD, Sportschau, 8. Dezember 2018, 18:45 Uhr