So startete Werder in den letzten 5 Jahren – und das kam am Ende raus

Mit sieben Punkten aus den ersten vier Spielen sind die Bremer gut gestartet. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass die Sicherheit zu Beginn auch trügerisch sein kann.

Florian Kohfeldt schlägt am Spielfeldrand verzweifelt die Hände vors Gesicht und legt den Kopf in den Nacken.
Nicht nur unter Trainer Florian Kohfeldt taumelte Werder in den letzten Jahren meist zwischen hoffen und bangen. Bild: Imago | Jan Huebner

Mit dem Start in die Saison sind die Bremer zufrieden. Sieben Punkte holten sie aus den ersten vier Spielen. Eine gute Ausbeute, die Hoffnung auf eine sorgenfreie Sorgen macht. Der Blick zurück zeigt allerdings, dass ein guter Auftakt für den Verlauf der Saison wenig Aussagekraft besitzt. Auch im vergangenen Jahr punkteten die Bremer zu Beginn ordentlich – und stiegen am Ende beinahe ab. In anderen Jahren wiederum landeten sie nach einem Fehlstart fast noch im Europapokal.

1 Saison 2015/16: Der böse Absturz nach dem 4. Spieltag

Auch nach den ersten vier Spielen der Saison 2015/16 hatte Werder wie jetzt sieben Punkte auf dem Konto. Nach einer 0:3-Pleite zum Auftakt im Weser-Stadion gegen Schalke 04 holten die Bremer zunächst einen Punkt bei Hertha BSC (1:1), ehe sie die beiden Partien gegen Borussia Mönchengladbach (2:1) und die TSG Hoffenheim (3:1) gewannen. Die Partie gegen die Hoffenheimer war damals die erste von Claudio Pizarro im Werder-Trikot nach seiner Rückkehr aus München. Prompt bereitete er Anthony Ujahs Treffer zum 2:1 vor. Die großen Hoffnungen nach dem guten Start erfüllten sich allerdings nicht. Stattdessen stürzte Werder nach dem vierten Spieltag rapide ab. In den 13 weiteren Spielen bis zur Winterpause kamen nur noch zwei Siege und zwei Unentschieden hinzu. Mit 15 Punkten auf dem Konto verbrachten die Bremer damals Weihnachten auf Relegationsrang 16.

Werder-Spieler feiern 2016 mit den Fans den Klassenerhalt.
Nach dem Klassenerhalt 2016 feierten die Werder-Spieler gemeinsam mit den Fans. Bild: Imago | Nordphoto

Letztlich musste Werder bis zum bitteren Ende um den Klassenverbleib bibbern. Am letzten Spieltag kam es im Weser-Stadion zum Showdown mit Eintracht Frankfurt. Ein Punkt hätte den Frankfurtern schon gereicht, um an der Weser den Nichtabstieg feiern zu dürfen und stattdessen Werder in die Relegation zu schicken. Doch durch ein spätes Tor von Papy Djilobodji in der 88. Minute schoben die Bremer sich an der Eintracht noch vorbei. Zumindest den Abstieg hatte Werder somit nach dem guten Start auf den letzten Metern noch abgewendet.

2 Saison 2016/17: Aufholjagd nach Horror-Start

Schlechter hätten die Bremer nicht in die Saison starten können. In den ersten vier Spielen hagelte es direkt vier Niederlagen. Direkt zum Auftakt setzte es bei den Bayern eine 0:6-Klatsche. Nach einer Heim-Niederlage gegen den FC Augsburg (1:2) und einer 1:4-Pleite bei Borussia Mönchengladbach musste schließlich Coach Viktor Skripnik seinen Hut nehmen. Auch sein Nachfolger Alexander Nouri verlor bei seinem Auftakt 1:2 gegen Mainz 05. Mit null Punkten und einer Tordifferenz von 3:14 lagen die Bremer nach vier Spieltagen am Tabellenende.

Max Kruse und Serge Gnabry bejubeln ein Werder-Tor.
Mit Max Kruse und Serge Gnabry wirbelten in der Saison 2016/17 zwei Ausnahmespieler in der Bremer Offensive. Bild: Imago | Nordphoto

Danach lief es allerdings besser. Am 5. Spieltag holte Werder beim 2:1 gegen Wolfsburg den ersten Saisonsieg. Nach einem Unentschieden in Darmstadt (2:2) gewannen sie im Anschluss 2:1 gegen Bayer Leverkusen. Bis zur Winterpause holte Werder zumindest noch 16 Punkte. Damit lagen die Bremer am Ende der Hinrunde auf Rang 15 und befanden sich somit tief im Abstiegskampf. Doch in der Rückrunde drehte Werder mit Max Kruse und Serge Gnabry in der Offensive mächtig auf. Nach den Bayern, Borussia Dortmund und der TSG Hoffenheim waren sie die viertbeste Mannschaft der Rückserie. Nur knapp verpassten sie am Ende als Tabellenachter noch die Qualifikation für den Europapokal.

3 Saison 2017/18: Die Rückrunde war erneut "Werder-Time"

Fast so desolat wie im Jahr zuvor startete Werder erneut in die Saison. Zum Auftakt verloren die Bremer 0:1 in Hoffenheim, danach im Weser-Stadion 0:2 gegen die Bayern. Bei Hertha BSC holten sie zumindest einen Punkt (1:1), ehe es eine 1:2-Pleite gegen Schalke 04 setzte. Mit nur einem Punkt nach vier Spieltagen lagen die Bremer auf Platz 17.

Florian Kohfeldt jubelt.
Unter Florian Kohfeldt schaffte Werder in der Saison 2017/18 den Turnaround. Bild: Imago | Eibner

Selbst nach zehn Spieltagen waren die Hanseaten noch sieglos – und Nouri nach einem 0:3 zu Hause gegen den FC Augsburg seinen Job los. Florian Kohfeldt übernahm und sorgte für Besserung. Bis zum Ende der Rückrunde lagen die Bremer mit 15 Punkten zumindest auf Relegationsrang 16. Die Rückrunde war dann erneut "Werder-Time". Dieses Mal waren die Bremer das fünftbeste Team der Rückserie und holten 27 Punkte aus 17 Spielen. Damit landeten sie am Ende souverän als Tabellenelfter im gesicherten Mittelfeld.

4 Saison 2018/19: Toller Start und langer Kampf um Europa

Nürnbergs Misidjan feiert ein Tor gegen Werder.
Der Start in die Saison 2018/19 gelang den Bremern, doch beim 1:1 gegen den 1. FC Nürnberg ließen sie zwei Punkte liegen. Virgil Misidjan (links) glich kurz vor Schluss aus. Bild: Imago | MIS

Werder gab vor dem Saisonstart die Qualifikation für die Europa League als Saisonziel aus und ließ den forschen Worten auf dem Platz Taten folgen. Nach den ersten vier Spielen waren die Bremer gar noch ungeschlagen. Gegen Eintracht Frankfurt (2:1) und den FC Augsburg (3:2) gewannen sie, gegen Hannover 96 (1:1) und den 1. FC Nürnberg (1:1) spielten sie Unentschieden. Acht Punkte aus den ersten vier Partien waren ein toller Start. Dabei wäre gar noch mehr möglich gewesen. Den Ausgleich gegen die Nürnberger kassierte Werder beispielsweise erst in der Nachspielzeit.

Nachdem Werder in den Spieljahren zuvor nie ganz ohne Abstiegssorgen auskamen, spielte Werder dieses Mal eine stabile Saison. Auf das Fundament des guten Starts aufbauend mischten die Bremer bis zum letzten Spieltag um den Europapokal mit. Am Ende fehlte nur ein einziger Punkt, um das große Ziel zu erreichen.

5 Saison 2019/20: Stabiler Beginn – und dann fast das Desaster...

Der Start in die Saison gelang den Bremern im vergangenen Jahr durchaus. Zwar hatten sie bereits zu Beginn mit vielen Verletzten zu kämpfen, doch vom Punkten hielt sie dies zunächst nicht ab. Überraschend ging allerdings der Auftakt beim 1:3 gegen Fortuna Düsseldorf daneben. Auch gegen die TSG Hoffenheim (2:3) konnten sie keine Punkte einfahren. Besser lief es danach beim 3:2 gegen den FC Augsburg und dem 2:1 gegen Union Berlin. Sechs Punkte aus den ersten vier Spielen waren eine stabile Ausbeute. Noch war nicht zu erahnen, wie stark das Bremer Nervenkostüm in den kommenden Monaten noch belastet werden würde.

Füllkrug trifft per Kopf gegen Union Berlin.
Niclas Füllkrug erzielte gegen Union Berlin per Kopf das 2:1-Siegtor. Am Ende der Saison mussten die Bremer trotzdem bis zur letzten Sekunde um den Klassenerhalt bangen. Bild: Imago | Jan Huebner

Doch Werder stürzte anschließend krachend ab. In den 13 Spielen bis Weihnachten sollte nur ein einziger Sieg – ein 3:2 in Wolfsburg – noch hinzukommen. Im Dezember setzte es gegen die Bayern (1:6) und Mainz 05 (0:5) zudem bittere Klatschen. In das neue Jahr starteten die Bremer auf Rang 17 liegend. Besserung war dabei auch in der Rückrunde zunächst nicht in Sicht, doch die Corona-Pause von Mitte März bis Mitte Mai half den Bremern. Anschließend punkten sie regelmäßig und schoben sich in letzter Sekunde noch auf Rang 16. Durch zwei Unentschieden (0:0, 2,2) in der Relegation gegen den 1. FC Heidenheim gelang schließlich dank der Auswärtstorregel doch noch der Klassenerhalt.

"Freiburg ist ein Brett": Kohfeldt stellt sein Team auf den SC ein

Video vom 16. Oktober 2020
Werder-Trainer Florian Kohfeldt lächelt.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

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Autor

  • Karsten Lübben Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit sportblitz, 18. Oktober 2020, 19:30 Uhr