Kommentar

Werder und Europa: große Klappe, viel dahinter

Die Bremer haben ihr Saisonziel verpasst, doch die forschen Ambitionen waren genau richtig, findet unser Kommentator. An der Weser ist ein neuer Spirit entstanden.

Die Werder-Spieler halten nach dem letzten Spieltag ein Banner am Mittelkreis hoch mit der Aufschrift "Was für eine laute Saison. Danke."
Dank am Schluss: Die Werder-Spieler bedanken sich per Transparent für die außergewöhnlich gute Unterstützung der Bremer Fans. Bild: Imago | Oliver Ruhnke

Der ein oder andere mag dabei geschmunzelt haben, als die Bremer zu Beginn der Saison ihr großes Vorhaben erklärten. Auf das branchenübliche Understatement verzichtete Werder, stattdessen bewies der Klub Mut zur eigenen Courage – und haute mit dem Ziel "Europa" mal richtig einen raus.

Keine Frage, diese Nummer hätte Werder auch um die Ohren fliegen können. Große Klappe, nichts dahinter. Tat sie aber nicht, denn aus psychologischer Sicht war dieser Schritt genau richtig. Jahrelang ging es in Bremen nur noch darum, den Abstieg zu verhindern. Die Freude nach der Saison war stets der puren Erleichterung geschuldet. Nach dem Motto: wieder mal dem Tod von der Schippe gesprungen.

Gescheitert ist nur der BVB

Doch die Angst vor dem Verlieren darf nie größer sein als die Lust aufs Gewinnen. Deshalb war der Traum von Europa für Werder ein echter Coup. Endlich galt es mal wieder, nicht etwas Negatives zu verhindern, sondern etwas Positives zu erreichen. Das nahm auch die Fans mit, deren Euphorie sich schnell auf die Mannschaft übertrug. Nur knapp schrammte Werder am Ende am DFB-Pokal-Finale und dem Europapokal vorbei.

Ein Scheitern ist das aber keineswegs. Wer sich ambitionierte Ziele setzt, läuft auch immer Gefahr, diese am Ende zu verpassen. Wer ambitionslos ist, aber noch viel mehr. Da braucht man nur in Dortmund nachzufragen. Wer die ganze Saison sagt, dass er nicht Meister wird, wird es am Ende eben auch nicht. Werder dürfte das auch in der kommenden Saison nicht passieren. Trainer Florian Kohfeldt kündigte bereits an, dass er es wieder genauso handhaben wird: Kader zusammenstellen und dann das Ziel setzen. Ein ambitioniertes werde es sein, aber auch ein realistisches. Kohfeldt hat etwas vor mit Werder, und der Weg, den er eingeschlagen hat, ist richtig. Die Jagd auf das große Ziel Europa wird in Bremen weitergehen, und man darf sicher sein: Kohfeldt wird seinen Worten bald Taten folgen lassen.

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Bild: Facebook/Max Kruse

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  • Karsten Lübben

Dieses Thema im Programm: ARD, Sportschau, 19. Mai 2019, 18 Uhr