Sahin ist wohl gekommen, um zu bleiben

Im Sommer läuft Nuri Sahins Vertrag aus, aber Trainer Florian Kohfeldt möchte ihn gerne behalten. Und Sahin selbst hat inzwischen seinen Platz bei Werder gefunden.

Nuir Sahin mit Philipp Bargfrede im Vordergrund auf dem Weg zum Platz
Nuri Sahin wechselte erst kurz vor Transferschluss im Spätsommer 2018 von Dortmund nach Bremen und verpasste damals die gemeinsame Saisonvorbereitung bei Werder. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Nuri Sahin fühlte sich geschmeichelt. Dass sowohl Trainer Florian Kohfeldt als auch Sportchef Frank Baumann öffentlich betonten, sie würden mit ihrem erfahrenen Mittelfeld-Regisseur gerne über den Sommer hinaus weitermachen, hörte Sahin gerne. Ganz konkret wollte der 31 Jahre alte Routinier natürlich noch nicht sagen, wie seine unmittelbaren Zukunftspläne aussehen. Aber es war am Mittwoch deutlich herauszuhören, dass er sich vorstellen kann, länger in Bremen zu bleiben.

Ich fühle mich hier sehr wohl und gehe davon aus, dass die Gespräche irgendwann geführt werden. Es gibt noch keinen festen Zeitpunkt.

Werder-Profi Nuri Sahin

Sahin bereut das Abenteuer Werder nicht

Ein kleines Abenteuer war der Wechsel an die Weser schon für Sahin, dessen Spieler-DNA eigentlich der BVB ist. Für einen, der auf den großen Bühnen gespielt hat, der den Erfolg kennt und hohe Ansprüche an sich selbst stellt, war Bremen eine Option mit vielen Unbekannten. Sahin aber ließ sich darauf ein – und bereut die Entscheidung nicht.

Es ist alles so aufgegangen, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich habe einen Traditionsverein vorgefunden mit einem tollen Stadion, mit Fans, die das Spiel verstehen, und einem Trainer, von dem ich viel lernen kann.

Werder-Profi Nuri Sahin

Zu lernen, darum geht es Sahin immer. Einer wie er ist eher die Ausnahme im Profigeschäft, ein so wissbegieriger Profi, der schon immer den Blick auf später gerichtet hatte. "Ich habe mit 25 Jahren angefangen, mir immer Notizen zu machen, Trainingseinheiten aufzuschreiben", erzählte Sahin: "Mit Leo Bittencourt habe ich auch über die Arbeit von Julian Nagelsmann in Hoffenheim geredet. Oder mit Tim Borowski darüber, wie es es, als Ex-Profi Trainer zu werden." Dass Sahin irgendwann auch mal an der Seitenlinie stehen will, ist kein Geheimnis. Bis zu seinem Wechsel nach Bremen hat er den westfälischen Oberligisten RSV Meinerzhagen mitbetreut. Frühe Übung kann nie schaden.

Als Hospitant bei der U17 unterwegs

Florian Kohfeldt bespricht während des Spiels mit Nuri Sahin etwas an der Seitenlinie ab.
Enger Austausch: Für Trainer Florian Kohfeldt (links) ist Nuris Sahin als einer der Führungsspieler ein wichtiger Ansprechpartner. Bild: Imago | Eu-Images

An Kohfeldt gefällt Sahin dessen sachliche Art, auch in dieser prekären Situation für Werder. Als so junger Trainer, bei dem es in den ersten beiden Jahren eigentlich nur bergauf gegangen ist, sei das erstaunlich. Sie reden viel miteinander, Sahin zählt zu Kohfeldts Vertrauten und gibt dem Coach auch von seiner Erfahrung Anregungen mit. Sahin schaut sich überall etwas ab, hospitiert derzeit auch zweimal im Monat im Nachwuchsleistungszentrum bei der U17 von Ex-Profi Christian Brand. "Ich bin dankbar für die Chance, da reinschnuppern zu können", meinte Sahin: "Vieles hat sich ja im Vergleich zu meiner Anfangszeit verändert."

Auch bei Werder hat sich seine Rolle inzwischen ein wenig verändert. In der Kabine hatte Sahin von Beginn an sein Standing, aber auf dem Rasen lief es anfangs noch nicht optimal. In dieser Saison nun ist er aus der Startelf kaum wegzudenken, obwohl Philipp Bargfrede wieder fit ist. Entscheidend war für Sahin, dass er dieses Mal die Saisonvorbereitung bei Werder mitgemacht hat.

Bei mir ist jetzt in Fleisch und Blut übergegangen, was der Trainer will. Florian Kohfeldt arbeitet sehr viel taktisch, das war neu für mich. Die Vorbereitung im Sommer mitmachen zu können, hat mir gutgetan.

Werder-Profi Nuri Sahin

Sahin ist bei Werder angekommen und offenbar ist er gekommen, um noch ein bisschen zu bleiben. "Im Fußball ist alles so schnelllebig", sinnierte er, "man weiß nicht, was in zwei Jahren ist. Nicht mal, was in sechs Monaten ist." Dennoch hat Sahin seine Zukunft immer klar vor Augen und mittelfristig dürfte Bremen für ihn die beste Wahl sein. "Ich habe hier meine Identität als Spieler wiedergefunden", sagte Sahin, "die war mir in meinem letzten Jahr in Dortmund abhanden gekommen."

Nuri Sahin: Werders Denker und Lenker

Nuri Sahin am Rande des Trainings im Gespräch mit Florian Kohfeldt.
Bild: Imago | Nordphoto

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Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 20. November 2019, 18:06 Uhr