Werners ruhige Hand bringt Werder auf Kurs

Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Mit seiner nüchternen, klaren Art hat Ole Werner die Bremer nach den Chaos-Tagen schnell stabilisiert. Der neue Coach scheint ein Glücksgriff für Werder zu sein.

Am Ende ging Ole Werner dann doch aus sich heraus. Als der erlösende Abpfiff endlich durch die leeren Ränge im Regensburger Stadion echote, ging der neue Werder-Coach an der Seitenlinie in die Hocke, die Hände zu Siegerfäusten geballt und schrie seine Freude und die Erleichterung hinaus.

Dieser Moment des Loslassens war jedoch schnell vorbei. Dann hatte sich der 33-Jährige wieder gefasst und ging direkt in den konzentrierten, nüchternen Analysemodus über. So kennt man Werner bisher bei Werder.

"Ich werde nicht auf die Bremse treten"

Werder-Trainer Ole Werner schreit an der Seitenlinie in der Hocke mit Siegerfäusten seine Freude im leichten Schneeregen heruas.
Kurzer Moment, an dem Werder-Trainer Ole Werner der Freude über das 3:2 in Regensburg freien Lauf ließ. Bild: Imago | Nordphoto

Lächeln tut er selten, aber ohne unfreundlich zu wirken. Er möchte wohl nicht den Eindruck erwecken, als sei nach den beiden Siegen gegen Aue und Regensburg schon irgendetwas gewonnen.

Dabei hat Werder dank ihm einen großen Schritt gemacht.

Ich lasse Freude zu, ich freue mich ja jetzt auch. Ich werde jetzt nicht auf die Bremse treten. Aber wichtig ist, dass wir konzentriert arbeiten. Tun wir das nicht, werde ich etwas sagen. Aber bislang habe ich da keinen Grund zur Sorge.

Werder-Trainer Ole Werner

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3 Punkte zu den Aufstiegsplätzen

Mit Werner haben die Bremer erstmals seit September wieder zwei Ligasiege in Folge eingefahren, sind bis auf drei Punkte an die Aufstiegsränge herangerückt. Werner ist als erster Werder-Coach seit Viktor Skripnik 2014 mit zwei Pflichtspielsiegen gestartet. Kaum zwei Wochen ist Werner an der Weser und scheint auf Anhieb den richtigen Ton bei der Mannschaft getroffen zu haben.

Ich hatte in keiner Sekunde Angst, dass wir das Spiel verlieren. Das ist die Ruhe, die der Trainer vermittelt. Er ist sehr entspannt, sehr ruhig, sehr klar in seinen Aussagen. Er weiß genau, was er will. Es ist gerade total angenehm.

Werder-Torschütze Leonardo Bittencourt in der ARD

Klare und ruhige Ansprache, das ist nach den turbulenten Wochen seit dem Skandal um Vorgänger Markus Anfang wohl genau das, was die Bremer Spieler gebraucht haben. Die tiefe Verunsicherung, die Anfang hinterlassen hat, scheint überwunden. Werner überfordert seine Spieler nicht, sondern hat sie in der kurzen Kennenlernphase ersteinmal in ihrer Wohlfühlzone gelassen, um ihnen das Vertrauen in sich wiederzugeben.

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Schwachstellen klar erkannt

Doch Werner lullt seine Mannschaft nach den beiden Siegen nicht ein, im Gegenteil. Der Trainer hat genau erkannt, wo Werders Schwachstellen liegen und benennt sie auch. Gegentore im falschen Moment, die nicht optimale Chancenverwertung und der Hang, Spiele hintenraus spannender zu machen als nötig.

Die Winterpause wird Werner sicherlich für intensive Arbeit nutzen und dann auch noch mehr seine eigene Handschrift einbringen können als bisher. Obwohl er besonders bei den Einwechslungen schon ein gutes Händchen bewies. Romano Schmid und Milos Veljkovic trafen direkt und sehenswert gegen Aue und dass er Ilia Gruev und den 16-jährigen Fabio Chiarioda in Regensburg noch brachte, setzte ein deutliches Zeichen.

Das Unaufgeregte, Zurückgenommene, aber trotzdem Bestimmende, das Werner ausstrahlt, es passt zu Werder. Als "nordisch-nüchtern" beschreibt er sich selbst, doch es scheint, als hätte er die meisten Werder-Fans schon für sich eingenommen.

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Dieses Thema im Programm: One, Sportschau, 10. Dezember 2021, 22:30 Uhr