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Pyrotechnik im Bremer Block: Was die roten Fackeln Werder kosten

Wegen des Pyro-Einsatzes der Werder-Anhänger begann die zweite Halbzeit in Düsseldorf vergangenen Samstag mit Verzögerung. Werder Bremen wird wohl Tausende Euro dafür zahlen müssen.

 Pyrotechnik im Bremer Gästeblock zu Beginn der zweiten Halbzeit beim Spiel Fortuna Düsseldorf gegen Werder Bremen
Mindestens 15 Pyro-Leuchten flammten vor dem Beginn der zweiten Spielhälfte im Werder-Block auf. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Schiedsrichter Felix Brych musste die Halbzeitpause der Bundesliga-Begegnung zwischen Fortuna Düsseldorf und Werder Bremen am Samstag notgedrungen um einige Minuten ausdehnen. Denn in vorderster Reihe des Gästeblocks schwenkten mehrere Anhänger von Werder Bremen rote Pyrofackeln auf und nieder. Rauch umhüllte weite Teile des Blocks – und zog auch über den Platz.

Das wird teuer für die Bremer. Denn lodern Fackeln im Block, müssen die Vereine blechen. Egal, ob Pyro-Einsatz, Becherwurf oder ein Flitzer auf dem Platz: Der DFB bestraft die Vergehen der Zuschauer von Fußballspielen. Seit der Saison 2018/2019 hat der Verband dafür einen eigenen Strafenkatalog eingeführt. Die brennenden Fackeln und die Verzögerung vor dem Anpfiff in Düsseldorf dürften Werder demnach vermutlich mehr als 20.000 Euro kosten. Der Verein will sich auf Nachfrage nicht zu der Thematik äußern.

Kosten für Fanvergehen

Art des VergehensBundesliga2. Bundesliga3. LigaJunioren-Bundesliga
Abbrennen von pyrotechnischen Gegenständen
(je Gegenstand)
1.000 €600 €350 €200 €
Abschießen / Werfen von pyrotechnischen Gegenständen
(je Gegenstand)
3.000 €1.500 €750 €350 €
Eindringen auf das Spielfeld
(je Person)
3.000 €2.000 €1.000 €300 €
Werfen von Gegenständen
(je Gegenstand)
1.000 €500 €300 €150 €
Verwendung von Laserpointern
(je Verwendung)
4.000 €2.000 €1.000 €300 €
Unsportliche Botschaften
(je Banner, Transparent, o ä.) bis 3m²
2.000 €1.000 €500 €150 €
Unsportliche Botschaften
(je Banner, Transparent, o ä.) ab 3m²
8.000 €4.000 €2.000 €300 €
Quelle: DFB

Denn auf den Fernsehbildern aus Düsseldorf sind rund 15 brennende Pyros im Bremer Block zu sehen. Bei satten 1.000 Euro für die Standard-Fackel macht das 15.000 Euro auf der Werder-Rechnung. Aber damit ist es nicht genug. Denn die Verzögerung vor dem Anstoß der zweiten Halbzeit wertet der DFB als Spielunterbrechung. Die kostet je nach Dauer dann nochmal extra. Denn enden die Vergehen von Fans, seien es Pyros, Flitzer-Läufe oder andere Aktivitäten in einer Spielverzögerung, wird die Grundstrafe nochmal erhöht – je nach Länge der Spielunterbrechung.

In Düsseldorf war die Verzögerung offensichtlich länger als eine Minute. Wie lang sie offiziell war, entscheidet der DFB im Gerichtsverfahren. Bei mehr als fünf Minuten Dauer droht dem Klub die Höchststrafe. Dann wäre das Doppelte der Grundstrafe fällig.

Zusatzkosten für Spielunterbrechungen

DauerStraferhöhung
bis 1 Minutebis zu 20 Prozent
ab 1 Minutebis zu 50 Prozent
länger als 5 Minutenbis zu 100 Prozent

DFB fördert Hinweise aus der Fanszene

Der Verband hat allerdings auch mildernde Umstände in seinen Strafenkatalog eingebaut. Diese greifen unter anderem dann, wenn die Täter ermittelt werden können. Insbesondere will der DFB so "rechtstreue Fans" in der Kurve dazu ermutigen, die Täter aus der eigenen Mitanhängerschaft bei der Obrigkeit – sei es nun Verein oder Polizei – anzuzeigen.

Durch Maßnahmen, die der Tataufklärung und der Täterermittlung dienen, eröffnet sich den Vereinen und ihren rechtstreuen Fans die Chance, gravierende Strafen wegen Taten, die sie selbst nicht verschuldet haben, zu vermeiden oder zumindest abzumildern.

Aus den Richtlinien des DFB

Sollte dies im Falle des Düsseldorf-Spiels also passieren, reduziert sich die Strafe für Werder ganz erheblich. Dem DFB liegt an der Maßnahme so viel, dass auch noch eine Erstattung möglich ist, wenn die Täter erst nach dem Urteil identifiziert werden und Werder die Strafe schon gezahlt hat. Noch mehr Geld spart der Verein, "wenn identifizierte Täter sich beweisbar in besonders anerkennenswerter Weise ehrenamtlich im Sport oder in Sozialprojekten engagiert haben."

Strafmilderung für identifizierte Täter

Anzahl identifizierter TäterStrafsenkung
einer- 25 Prozent
einer bis zur Hälfte aller Täter- 50 Prozent
die Hälfte bis alle Täter- 75 Prozent

Erst ein Pyroeinsatz bei Werderspiel in dieser Saison

Beim Strafmaß berücksichtigt das Verbandsgericht aber auch das Verhalten des Vereins und seiner Fans in der Vergangenheit. Nur regelmäßige Wiederholungstäter müssen mit den härtesten Strafen rechnen. Dazu gehört Werder nicht. Es kommt zwar immer wieder zu Vorfällen, in der aktuellen Saison aber erst einmal.

Der DFB brummte den Bremern für das DFB-Pokalspiel im Weser-Stadion gegen den SV Atlas Delmenhorst eine Strafe von 20.000 Euro auf. Bei dem Spiel im August hatten die Werder-Anhänger sowohl vor Spielbeginnn als auch in der Halbzeit Pyros gezündet.

HSV führt die Liste der Straftäter an

Und auch in der vergangenen Saison lag Werder Bremen im Vergleich der Strafen für Bundesliga-Klubs nur im Mittelfeld. Dortmund, Bayern und Frankfurt hängten die Bremer nicht nur sportlich ab. Auch das Strafmaß für die Vergehen ihrer Fans überstieg das von Werder. Täter gibt es bei Werder, aber nicht von der ganz schlimmen Sorte.

Spitzenreiter war in der vergangenen Saison der HSV. Die Hamburger mussten fast 300.000 Euro für das Fehlverhalten ihrer Fans an den DFB zahlen. Das meiste summierte sich für Vergehen beim Derby gegen den FC St. Pauli.

Aktionen von Werder-Fans waren 2018/2019 fünfmal Gegenstand der Verhandlung vor dem DFB-Gericht. Gesamtstrafe: 109.000 Euro. Im Milliarden-Geschäft Fußball mag das für den einen oder anderen erstmal nicht nach übermäßig viel Geld klingen. Ist aber immerhin fast ein Drittel der Ablösesumme, die Werder beispielsweise seinerzeit für Milos Veljkovic an Tottenham überwiesen hat. Das Schnäppchen kostete Werder zu Jahresbeginn 2016 nur 330.000 Euro.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 23. Januar 2020, 23:30 Uhr