Werder gegen die DFL: "Werden die Rechnungen nicht zahlen"

Der Streit um die Polizeikosten geht in die nächste Runde: Werder Bremen will sich weigern, die von der DFL weitergeleiteten Rechnungen der Stadt Bremen allein zu zahlen.

Schwarz-gekleidete Polizisten mit Helmen stehen in der Fanmenge vor dem Weser-Stadion.
Bei sogenannten Hochrisikospielen kommen mehr Polizisten als gewöhnlich zum Einsatz – diese Zusatzkosten fordert Bremen von der DFL nun ein. Bild: Imago | Mis

Am Dienstag treffen sich in Frankfurt die Vertreter der 36 Fußball-Klubs aus der ersten und zweiten Bundesliga zur Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL). Völlig harmonisch dürfte das Treffen aber wohl nicht ablaufen, denn Werder Bremen hat am Freitag einen Antrag eingereicht – er soll die Diskussion um das Thema Polizeikosten noch einmal neu aufrollen.

Denn wie die Bremer bereits vorab erfuhren, werden die 35 Vereine am Dienstag der Entscheidung des DFL-Präsidiums zustimmen, dass Werder die kompletten Kosten für die sogenannten Hochrisikospiele, die die Stadt Bremen der DFL in Rechnung stellt, tragen muss. Für Werder ist das nicht akzeptabel, denn zuvor hatte die DFL nur 50 Prozent der Kosten an den Verein weitergegeben.

Im Mai letzten Jahres haben wir die DFL informiert, dass wir 100 Prozent der Kosten nicht akzeptieren werden.

Werder-Geschäftsführer Finanzen Klaus Filbry

Werder möchte eine Kosten-Drittelung

Sollte der Antrag abgelehnt und die Diskussion um die Polizeikosten nicht mehr zustande kommen, steht für Klaus Filbry, Werders Geschäftsführer Finanzen, fest: "Wir werden die Rechnungen nicht zahlen." Denn die Bremer sehen sowohl die DFL als auch den Gästeverein, deren Fans bei den Hochrisikospielen oft Verursacher der Zusatzkosten sind, in der Mitverantwortung bei den Zahlungen. "Wir können uns eine Aufteilung der Kosten durch drei vorstellen und wollen eine ehrliche Auseinandersetzung mit der Rolle des Gastvereins, also um das Verursacherprinzip nochmal zu beleuchten", fügte Filbry, hinzu.

Werder, die DFL und der Gastverein sollen sich demnach die Kosten teilen, idealerweise zu gleichen Teilen. Doch darüber wird am Dienstag vermutlich gar nicht mehr diskutiert werden. Denn Werders Antrag mit der Bitte an die 35 Vereine, dem DFL-Präsidium doch bitte nicht zuzustimmen und eine Debatte zuzulassen, hat nur minimale Erfolgsaussichten. "Wir gehen davon aus, dass der Antrag abgelehnt werden wird", ist sich Filbry im Grunde sicher, "aber wir wollten nichts unversucht lassen."

"2,3 Millionen Euro ist ein gewaltiger Betrag für uns"

Wird der Antrag und die Folgediskussion am Dienstag abgelehnt, dann gibt es zwei Szenarien für Werder Bremen: Die DFL wird die Zahlungen entweder vom Verein einklagen oder die Summe aus den Raten für die TV-Gelder einfach einbehalten – dann müsste Werder klagen. So oder so, am Ende sieht das wahrscheinlichste Szenario eben so aus: Werder muss 100 Prozent zahlen. Die Waffen der Bremer sind stumpf, so ist es kaum mehr als Säbelrasseln, um den Unmut über die Gesamtsituation zu demonstrieren. Aber sie können nicht einmal dem Gastverein bei einem Hochrisikospiel das Ticketkontingent einfach streichen, wenn sich dieser weigert, sich an den Kosten zu beteiligen. Die Polizei hat die letzte Entscheidungsgewalt darüber, auch die DFL müsste der Verein erst um Erlaubnis fragen.

So scheint es fast sicher, dass Werder am Ende auf den Kosten sitzen bleiben wird. Die DFL hat im September bereits die ersten vier Gebührenbescheide in Höhe von 1,17 Millionen Euro an die Stadt Bremen beglichen. Etwa die gleiche Summe wird noch folgen. Auch wenn Werder gerade einen Rekordumsatz von 157,1 Millionen Euro verkündete, will man in der Streitfrage nicht kleinbei geben.

Es ist nicht nur eine prinzipielle Frage. 2,3 Millionen Euro ist für uns ein gewaltiger Betrag. Den könnten wir in den Kader oder die Infrastruktur stecken oder können es eben nicht, weil wir die Mittel nicht haben. Das behindert uns schon erheblich.

Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald

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DIe Mitgliederversammlung von Werder Bremen.

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Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 29. November 2019, 19:30 Uhr