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Werders Pokaltriumph mit Geschmäckle

Es war ein verdienter Sieg der Bremer gegen Freiburg. Doch Werders Treffer zum 3:1 wurde zum Aufreger des Abends – und hätte nicht gegeben werden dürfen.

Freiburger Spieler beschweren sich nach einem Bremer Abseitstor beim Schiedsrichter.
Aufregung in der 69. Spielminute: Die Freiburger Spieler beschweren sich bei Schiedsrichter Guido Winkmann (rechts) über die Abseitsposition von Jerome Gondorf (links) vor dem Bremer Treffer zum 3:1. Bild: Imago | Nordphoto

Nach dem Abpfiff im Bremer Weser-Stadion litten Christian Streich und seine Freiburger Mannschaft immer noch unter akuter Schnappatmung. Sie konnten nicht fassen, was sich in der 69. Minute in diesem Pokal-Achtelfinale zugetragen hatte und umringten nun auf dem Rasen das Schiedsrichtergespann um Guido Winkmann. Sie redeten auf die Unparteiischen ein, sie gestikulierten, diskutierten und ließen ihrem Frust freien Lauf. "Diese Entscheidung war der Wahnsinn", meinte Streich später. Während die Freiburger die Fußballwelt nicht mehr verstanden, bejubelten um sie herum die Werder-Spieler ihren 3:2-Pokaltriumph. Es war ein verdienter Sieg der Bremer, aber kein makelloser. Er hatte ein Geschmäckle, wie es in der Freiburger Mundart heißt.

Die Frage aller Fragen für die Freiburger lautete: Abseits oder nicht? Also korrektes Tor oder nicht? Und die Antwort war tatsächlich eindeutig, selbst für die Bremer. "Über das 3:1 kann man definitiv diskutieren, da haben wir Glück gehabt", sagte Werders Sportchef Frank Baumann. Jerome Gondorf hatte bei der umstrittenen Szene passiv im Abseits gestanden, als Philipp Bargfrede vor dem Sechszehnmeterraum angespielt wurde – doch Gondorf griff danach aktiv in die Szene ein, als er erst den Ball abschirmte, ohne diesen zu berühren und danach den Freiburger Robin Koch mit Körperkontakt sperrte. Der Linienrichter hatte die Abseitssituation mit seiner Fahne angezeigt, war aber von Winkmann überstimmt worden.

Gondorfs Vergehen auf der Videowand zu sehen

Die Wut der Freiburger entlud sich danach umso mehr, als auf den Videowänden des Stadions die Szene in der Wiederholung eingeblendet wurde – mit Gondorfs Vergehen deutlich sichtbar. Den Videobeweis gibt es im DFB-Pokal jedoch erst ab dem Viertelfinale. "Beim 3:1 brauchen wir auch keinen Videobeweis", monierte Streich verärgert, "er ist vollständig unnötig, weil alle im Stadion gesehen haben, was war." Sein Bremer Pendant konnte die Wut der Gäste verstehen.

Die Reaktion des Kollegen kann ich nachvollziehen. Ich hätte mich auch aufgeregt. Aber ich habe mich nicht gefreut, dass die Szene auf der Videowand gezeigt wurde. Das ist vor allem unfair dem Schiedsrichter gegenüber.

Werder-Coach Florian Kohfeldt
Freiburger Spieler um Kapitän Nils Petersen beschweren sich beim Schiedsrichter.
Konsternierter Petersen: Der Freiburger Kapitän spielte zwischen 2012 und 2015 bei Werder Bremen. Bild: Andreas Gumz

Gondorf selbst, der auf der Zehner-Position eine gute Partie ablieferte und zwei Tore vorbereitet hatte, zeigte sich einsichtig. "Ich kann nachvollziehen, dass die Freiburger sich aufregen. Ich stand im Abseits, was soll ich drumherum reden? Es tut mir leid für die Freiburger, aber für uns war die Entscheidung gut. Ich weiß auch nicht, welche Köpfe sich Gedanken über den Videobeweis gemacht haben, aber wenn du den in der Bundesliga einsetzt, kannst du ihn auch im Pokal nutzen." Freiburgs Kapitän und ehemaliger Werderaner Nils Petersen hatte sich nach dem Spiel zunächst mit einem Tritt gegen die Werbebande in den Katakomben des Weser-Stadions und anschließend in der Umkleide abreagiert und erschien erst eine ganze Weile nach Spielende vor den Journalisten.

Petersen entschuldigt sich

Ich habe mich jetzt wieder beruhigt und möchte mich auch entschuldigen, dass ich sehr emotional reagiert habe auf dem Platz. Aber der Referee hat sich entschuldigt für seinen Fehler, und ich habe mich für die Reaktion der Mannschaft entschuldigt. Ein Fehler eines Schiedsrichters ist menschlich, auch wenn er viel Geld kostet und spielentscheidend ist. Ich mache ihm da keinen Vorwurf. Das passiert.

Freiburgs Kapitän Nils Petersen

Um den Sieg betrogen fühlten sich die Freiburger bei aller Aufregung jedoch auch nicht. "Wir haben es den Bremern einfach gemacht, und wir können nicht in jedem Spiel drei Tore ausgleichen", sagte Petersen: "Wir sind am Ende verdient ausgeschieden." Ein blitzschnelles Tor vom eigentlichen Ersatz-Stürmer Ishak Belfodil, ein kesser Solo-Treffer von Florian Kainz und eine insgesamt kämpferische und angriffslustige Bremer Elf, die auch in der Defensive mit wenigen Ausnahmen hellwach agierte, zog verdient zum 28. Mal in der Werder-Vereinsgeschichte ins Viertelfinale des DFB-Pokals ein. Trotz eines kleinen Geschmäckles.

So erklärt der Schiedsrichter seine Tor-Entscheidung

GudioWinkamn Schiedsrichter
Bild: imago | DeFodi
  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: ARD Sportschau, 20. Dezember 2017, 23 Uhr