Werder beim Thema Pizarro: Kein Platz für Romantik

Bleibt er oder nicht? Claudio Pizarro möchte gerne bei Werder bleiben, aber Werder will sich das noch überlegen. Er sei ja auch nur ein "Mosaikteilchen" in ihrem Kader.

Pizarro verteilt Kusshände an die Werder-Fankurve.
Für die Werder-Fans Liebling und Legende: Claudio Pizarro erzielte gegen Dortmund seinen 150. Treffer für die Bremer. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Er möchte doch nur spielen, dieser Claudio Pizarro. Und das am liebsten noch ein bisschen weiter bei Werder Bremen. Das hatte er unter der Woche gesagt und damit die grün-weiße Gemeinde komplett verzückt. Aber ganz so einfach ist es wohl doch nicht, denn Werder Bremen hat nicht viel übrig für Fußball-Romantik. Wenn es darum geht, wer in der kommenden Saison zum Kader gehören wird, dann ist da kein Platz für Gefühlsduselei.

Die Fans würden Pizarro am liebsten ein Denkmal in Bremen zimmern, doch für Sportchef Frank Baumann ist der ultimative Publikumsliebling ganz nüchtern betrachtet eben auch nur ein Teilchen im Kader-Mosaik, "und wir müssen sehen, ob wir dieses Mosaikteilchen noch gut gebrauchen können". Schließlich wird Pizarro im Oktober 41 Jahre alt, als Profi-Fußballer ist er damit ein Methusalem.

"Romantik ist nicht so angebracht"

Werder-Trainer Florian Kohfeldt hatte Pizarros Rolle in der Mannschaft immer wieder hoch gelobt und geschätzt. Schließlich hatte sich der Oldie als Mentor für die jungen Spieler verdient gemacht, hatte seine große Erfahrung weitergegeben als einer, der mit Bayern München alle Titel gewonnen hat, die es zu gewinnen gibt. Hatte einem jungen Stürmer wie Milot Rashica Mut gemacht, als es noch nicht rund lief. Und seinen Teamkollegen seine Gier vermittelt, immer gewinnen zu wollen. "Dazu muss man festhalten, dass er Spiele für uns gedreht hat", fügte Kohfeldt hinzu: "Punkte für uns gesichert hat, Tore geschossen hat. Das kommt auch noch hinzu." Doch der Trainer hat auch das große Aber im Hinterkopf.

Der Respekt vor ihm ist riesig und das spürt er, glaube ich, auch. Trotzdem ist Romantik nicht so angebracht, das kann dir auch mal schnell auf die Füße fallen.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt über Claudio Pizarro
Pizarro mit nachdenklichem Blick auf dem Weg zur Ersatzbank.
Werders Edel-Joker in dieser Saison: Claudio Pizarro. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Ein Gespräch mit Pizarro und dessen Berater solle "demnächst" stattfinden, erklärte Baumann. Ein Termin stehe jedoch noch nicht fest. Wann es eine Entscheidung gäbe, könne er auch nicht einschätzen, fügte der Sportchef hinzu. Dass es vor dem Saisonfinale gegen Leipzig passieren solle, wie Kohfeldt nach dem vergangenen Spieltag gegen Dortmund andeutete, bestätigte er nicht. Doch Kohfeldt hakte sofort ein. Seinen "sehr tiefen Respekt" habe er Pizarro mit seiner Ankündigung ausdrücken wollen, betonte der Coach daraufhin. Denn sollte es mit dem Stürmer-Schlitzohr nicht weitergehen, würde er gegen Leipzig "wie es einer Legende gebührt" verabschiedet werden.

Macht am Ende Lima das Rennen?

Das wäre dann wohl wieder der richtige Raum für Romantik, die Verhandlungen dagegen nicht. Da ist Werder ganz nüchtern. In dieser Saison haben sie Pizarro gebraucht und er hatte geliefert. "Aber man muss sehr gut abwägen, ob das in der nächsten Saison auch noch der Fall ist", betonte Kohfeldt.

Aber trotzdem dürfen wir nicht zu romantisch sein. Wir müssen am Ende dafür sorgen, dass wir den bestmöglichen Kader für die nächste Saison zusammenstellen. Das ist unsere Aufgabe. Es schließt aber nicht aus, dass Claudio Teil dieses Kaders ist.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt über Claudio Pizarro

Das Warten geht also noch ein paar Tage weiter. Doch sollte Pizarro die nötige Wertschätzung bei den sachlichen Bremer vermissen, würde sein Heimatverein Alianza Lima in Peru ihn mit offenen Armen willkommen heißen. "Ich weiß, dass er gerne zumindest noch einmal kurz für Alianza spielen möchte", erklärte sein Vater Claudio Pizarro Senior kürzlich bei "Transfermarkt.de": "Das ist sein Team, sein Herz." Ein bisschen Fußball-Romantik gehört in diesem Alter einfach dazu.

Was wird aus Kruse und Pizarro?

Pizarro macht Aufwärmübungen vor dem Training.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 8. Mai 2019, 18:06 Uhr