Pizarro – das alte Schlitzohr hat wieder zugeschlagen

Er hat es tatsächlich geschafft: Claudio Pizarro ist durch seinen Treffer gegen Hertha nun der älteste Torschütze der Bundesliga – und für Werder unverzichtbar.

Pizarro und Eggestein bejubeln ausgelassen Pizarros Rekordtreffer gegen Hertha.
Erlösung in der Nachspielzeit: Claudio Pizarro (links) feiert mit Maximilian Eggestein ausgelassen seinen rettenden Ausgleichstreffer. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Nach dem Abpfiff, als die Bremer Kurve im Berliner Olympiastadion im Freudentaumel Kopf stand und sich an "Pizarro-oh-oh"-Gesängen heiser schrie, hatte Werders Trainer Florian Kohfeldt im Getümmel nur eine Frage an Claudio Pizarro: "Wieso hast du geschossen?" Natürlich war die Frage nicht ganz ernst gemeint, obwohl Pizarro tatsächlich kein hauptamtlicher Freistoßschütze der Bremer ist. "Ich stand nicht auf dem Zettel fürs Schießen", gab Pizarro später mit einem lausbübischen Grinsen zu: "Aber ich habe mit Max Kruse gesprochen und es hat geklappt." Pizarro, das alte Schlitzohr.

Rettender Ausgleich in der Nachspielzeit

Pizarro rennt jubelnd nach seinem Treffer über den Rasen, gefolgt von seinem Teamkollegen.
Nach Pizarros (2. von rechts) Ausgleichstreffer gab es kein Halten mehr. Bild: Imago | Nordphoto

Ja, es war gut gegangen in dieser sechsten Minute der Nachspielzeit, nachdem Werder zuvor so träge und harmlos aufgetreten war, dass eine 0:1-Niederlage gegen die Hertha völlig verdient gewesen wäre. Doch dann kam Pizarro, Werders Lebensretter.

Kruse und Pizarro standen bereit für den Freistoß an der Strafraumgrenze, es war die allerletzte Chance für die Bremer. Pizarro lief an, die Hertha-Mauer hüpfte ein wenig hoch und Pizarros Schuss ging irgendwie durch die Beine von Marko Grujic, Valentino Lazaro fälscht noch ab, rein ins Berliner Tor. Das 1:1 in letzter Sekunde. Und ein Rekord, der nicht für die Ewigkeit ist, aber wohl lange Bestand haben dürfte. Mit 40 Jahren und 136 Tagen ist der Peruaner nun der älteste Torschütze der Bundesliga. Pizarro, der Unkaputtbare.

Ich bin sehr stolz und zufrieden. Das ist ein Punkt, der uns sehr bei unseren Zielen hilft. Und ich bin auch sehr stolz, dass ich der älteste Spieler bin, der in der Bundesliga ein Tor gemacht hat. Aber der Ausgleich ist wichtiger als der Rekord.

Werder-Rekordstürmer Claudio Pizarro

Wie lange macht er's noch?

TV-Experte Lothar Matthäus hatte tatsächlich geglaubt, er würde Pizarro als Erster die große Neuigkeit nach dem Abpfiff überbringen. Dass er jetzt der älteste Torjäger ist. Doch der Peruaner weiß seit Monaten, dass er seinem Vereinskollegen Mirko Votava den Rekord bald abjagen könnte – schließlich ermahnte ihn Votava ja ständig mit einem Augenzwinkern, das bloß nicht zu tun. Nun ist es passiert. "Ich hätte nie gedacht, dass ich diesen Rekord mal aufstellen würde", meinte Pizarro. Doch irgendwie schloss sich für ihn der Kreis an diesem Abend in Berlin, denn genau dort begann am 28. August 1999 seine Bundesliga-Karriere.

Aber wie lange wird er Werder und der Liga noch erhalten bleiben? Diese Frage mochte Pizarro auch nach seinem Rekordabend nicht endgültig beantworten, vielleicht kennt er die Antwort selbst noch nicht.

Mein Kopf sagt ja, natürlich. Aber ich muss jede Woche warten, was mein Körper sagt. Also werde ich noch bis zum Ende der Saison warten.

Werder-Rekordstürmer Claudio Pizarro

Lewandowski sitzt Pizarro im Nacken

Pizarro mit schelmischen Grinsen beim TV-Interview nach seinem Rekordtor.
Wie lange spielt Pizarro noch? Eine Vertragsverlängerung ist weiterhin nicht ausgeschlossen. Bild: DPA | Andreas Gora

Fest steht zumindest, dass Pizarro noch ein paar Ziele hat. Denn bei einer anderen Bestmarke sitzt ihm schon Bayerns Superstar Robert Lewandowski im Nacken – als erfolgreichster, ausländischer Torschütze der Bundesliga. "195 Tore sind viel, aber Lewandowski kommt von hinten, um meinen Rekord zu brechen", meinte Pizarro: "Ich versuche immer noch, wenn ich reinkomme, ein Tor zu machen und der Mannschaft zu helfen." Wie an diesem Abend, als scheinbar nichts funktionieren wollte für die Bremer. Dann kam er, der Edel-Joker in der 60. Minute. Es lief immer noch nicht viel mehr bei Werder, aber Pizarros Präsenz war da. Pizarro, das alte Schlitzohr. Jenes, das schon im Pokal-Krimi gegen Dortmund die Grün-Weißen am Leben hielt. Das Verantwortung mit dem ersten Elfmeterschuss übernahm.

Werder wurde belächelt, als man den Oldie zurück an die Weser holte. Ein PR-Gag sei das, Pizarro nicht mehr als ein Pausenclown. Doch nun hat Werder gut lachen, denn Pizarro ist unverzichtbar geworden. Der Mann für die wichtigen Momente. Pizarro, Mr. Zuverlässig. Am Ende war es sein Abend im Berliner Olympiastadion, doch Pizarro wollte gar nicht im Mittelpunkt stehen. "Das Wichtigste war der Ausgleich", betonte er. So ist er eben, ein Teamspieler durch und durch. Sein eigener Rekord war zweitrangig, entscheidend dagegen, dass Werder auf Europa-Kurs bleibt. Pizarro hat noch einiges vor mit Werder – nach Frührente klingt das nicht.

Die ältesten Torschützen der Bundesliga

SpielerVereinGeborenLetztes TorAlter
Claudio PizarroWerder Bremen03.10.197816.02.201940 Jahre, 136 Tage
Mirko VotavaWerder Bremen25.04.195624.08.199640 Jahre, 121 Tage
Manfred BurgsmüllerWerder Bremen22.12.194905.08.198939 Jahre, 226 Tage
Morten Olsen1. FC Köln14.08.194904.03.198939 Jahre, 202 Tage
Günter SebertWaldhof Mannheim29.05.194830.05.198739 Jahre, ein Tag

Mehr zum Thema:

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Die Bundesliga, 16. Februar 2019, 18:30 Uhr