Pizarro ist Werders Lustmacher – noch

Er ist Fanliebling, Schlitzohr, Legende – und hat auch mit 40 Jahren immer noch Lust auf Fußball spielen. Doch am Ende der Saison ist für Claudio Pizarro definitiv Schluss.

Florian Kohfeldt hatte sich am Freitagvormittag mit seiner Mannschaft ein wenig versteckt. Der gebräuchliche Trainingsplatz wurde gedüngt und durfte nicht bespielt werden, also zog der Werder-Coach mit seinen Spieler auf einen der abgelegenen Plätze hinter dem Stadionbad um. Etliche Zaungäste fanden den Weg dennoch und schauten der Einheit zu – bis Claudio Pizarro den Platz verließ.

Sofort setzten sich auch die Zuschauer zügig in Bewegung, alle waren hinter "Pizza" her. Wie einen Rattenschwanz zog er sie hinter sich her. Die Einheit war im Grunde beendet und die anderen Werder-Spieler standen noch zusammen oder räumten auf. Doch das interessierte niemanden mehr. Die Fans wollten nur ihren Pizarro. Autogramme, Selfies, ganz nah dran sein. Und er nahm sich geduldig Zeit. Pizarro macht glücklich – das macht ihm keiner nach.

Wenn wir trainieren und Claudio schon früher reingeht, gehen die Fans einfach weg. Keiner schaut dann noch dem Rest des Teams zu.

Werder-Profi Davy Klaassen im Interview mit "De Telegraaf"

In einem Jahr ist Schluss

Pizarro grinst verschmitzt während einer Pressekonferenz.
Gute Laune auch beim Pressegespräch: Claudio Pizarro. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Pizarro ist Kult, keine Frage. Und Pizarro hat immer noch Lust. In Bremen lieben sie den Peruaner eben so sehr, weil er diese Lust auf Fußball und aufs Leben in jeder Minute ausstrahlt. Weil sie ansteckt und mitreißt und Lust auf mehr macht. Doch ewig wird diese Leidenschaft nicht mehr dauern – Pizarro hat sich entschieden. "Das ist definitiv meine letzte Saison", sagte der Peruaner nun: "Ich fühle mich gut, aber ich habe mit allen besprochen, dass am Ende der Saison Schluss ist. Dann ist wirklich genug."

197 Tore hat Pizarro in seiner Karriere in der Bundesliga erzielt, ist damit immer noch der zweitbeste Ausländer hinter Robert Lewandowski. Aber es sollen noch ein paar mehr hinzukommen. Dafür schwitzt Pizarro in diesen Tagen wieder, dafür quält er sich. "Manche von den 25-Jährigen fragen mich: 'Warum machst du das immer noch?' Aber ich habe einfach noch Lust." Den Altersbonus aber hat er von Kohfeldt bekommen, klar, fünf Tage mehr Sommerurlaub als der Rest. "Die habe ich gebraucht", meinte Pizarro und musste lachen.

Das Ziel heißt immer noch Europa

Pizarro beim Training dynamisch am Ball.
Auch mit 40 Jahren hat Claudio Pizarro nichts von seiner Dynamik eingebüßt – nur ein wenig beim Tempo. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

"Ich brauche zum Regenerieren einfach viel länger als noch vor fünf Jahren", schob er hinterher. Aber der Oldie macht mit seinen 40 Jahren trotzdem alles mit: Steigerungsläufe, Taktikanalysen, Kondition bolzen. Und das immer mit guter Laune, stets mit einem lockeren Spruch für die Kollegen. Pizarro hat einfach Spaß. Und auch wenn er sagt: "Es ist wie immer in der Vorbereitung – ich bin müde, schwer. Aber ich mache das eigentlich gerne, mit einer guten Vorbereitung kann man eine gute Saison machen."

Und genau das ist sein Ziel: mit einer guten Saison in den Ruhestand gehen. "Hauptsache ist, ich bin fit und kann spielen und noch Tore machen", sagte Pizarro und grinste verschmitzt: "In meiner letzten Saison mit Werder will ich Europa erreichen, dann wäre ich ganz glücklich." Und sicherlich würde er damit auch viele andere Menschen ziemlich glücklich machen.

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Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 19. Juli 2019, 18:06 Uhr