Nach Pizarro: Wer wird Werders nächste Identifikationsfigur?

Nach dieser Saison könnte Schluss sein für Werders Stürmer-Idol Claudio Pizarro. Und dann? Wen schließen die Grün-Weißen ins Herz? Wir machen den Fanliebling-Check.

In der Fankurve wird ein großes Pizarro-Banner gezeigt.
Claudio Pizarro ist längst das Idol der Werder-Fans. Wer könnte nach seinem Karriereende auf ihn folgen? Bild: Imago | Noah Wedel

Den Wert Claudio Pizarros für die Bremer Mannschaft unterstreicht Florian Kohfeldt bei jeder Gelegenheit. Zum einen, weil der erfolgreichste ausländische Torschütze der Bundesliga den jüngeren Spielern zur Seite steht. Zum anderen, weil er auch sportlich noch einen Wert für Werder besitzt, wie er zuletzt im Pokal-Spiel gegen Dortmund bewies. Dennoch ist auch Kohfeldt bewusst, dass Pizarros Ära an der Weser sich langsam dem Ende neigt.

Ich hätte Claudio auch gerne noch mit 45 dabei, aber irgendwann ist eben eine natürliche Grenze gesetzt. Dieser Tag wird kommen, damit müssen wir uns beschäftigen. Wir sind aber ein Stück weit dabei, andere Identifikationsfiguren für Werder Bremen aufzubauen.

Florian Kohfeldt, Trainer Werder Bremen

Ganz auszuschließen ist bei Pizarro nichts. Doch dass der Peruaner noch als 45-Jähriger für Werder aufläuft, das erscheint dann doch unwahrscheinlich. Wer könnte also nach der Pizarro-Ära eine der von Kohfeldt angesprochenen neuen Werder-Identifikationsfiguren werden? Wir machen den Check.

1 Max Kruse

Na klar, prädestiniert dafür wäre natürlich der aktuelle Kapitän. Max Kruse ist Dreh- und Angelpunkt in der Bremer Offensive und zugleich ganz weit oben in der Beliebtheitsskala der Fans. Schon als Jugendlicher spielte der 30-Jährige für Werder, 2016 kehrte der "verlorene Sohn" dann aus Wolfsburg an die Weser zurück. In Bremen genießt Kruse unter Kohfeldt seine Freiheiten und zahlt es auf dem Platz zurück. Oftmals ist der 14-malige Nationalspieler der Unterschiedsspieler für Werder. Doch im Sommer läuft sein Vertrag aus, aktuell pokert Kruse noch – und lässt sich dabei nicht in die Karten schauen. Ein ablösefreier Abgang wäre bitter für Werder. Schließlich zahlte der Klub für Kruse 2016 rund acht Millionen Euro an die Wolfsburger. Ein Verbleib in Bremen käme hingegen einem Bekenntnis zur Stadt und zum Verein gleich und würde dafür sorgen, dass Kruse auch nach seinem Karriereende in Bremen so schnell nicht vergessen wird. Vor allem, wenn er Werder zuvor zurück nach Europa geführt haben sollte.

2 Maximilian Eggestein

Wie Kruse ist Maxmilian Eggestein ein Bremer Eigengewächs und wie Kruse pokert auch Eggestein derzeit um einen neuen Vertrag. Die Verhandlungsposition des zentralen Mittelfeldspielers ist dabei so hervorragend wie seine Entwicklung in den vergangenen 18 Monaten. Entscheidet Eggestein sich für weitere Jahre in Bremen oder bleibt gar seine gesamte Karriere bei Werder, wäre ihm der Legendenstatus wohl gewiss.

Doch leistungstechnisch könnte Eggestein den Bremern schon bald entwachsen sein. Vor allem, wenn Werder es nicht nach Europa schafft. Nationalmannschaft, Champions League – all dies erscheint für den 22-Jährigen aktuell erreichbar. Wichtig für Werder wäre daher, dass der 2020 auslaufende Vertrag noch einmal verlängert wird. Dann könnte der Klub in den kommenden Jahren noch eine dicke Ablöse für Eggestein kassieren. Das Beispiel Mesut Özil beweist dabei, dass der Abgang junger Spieler nicht unbedingt immer zu Groll bei den Fans sorgen muss. Schließlich waren Özils große sportliche Erfolge irgendwie auch immer kleine Werder-Erfolge.

3 Philipp Bargfrede

Philipp Bargfrede ist gewissermaßen "Mister Werder". Schon 2004 wechselte der aus dem Bremer Umland stammende zentrale Mittelfeldspieler zu Werder und erarbeitete sich den Status des Unverzichtbaren. Fällt Bargfrede aus, steht Kohfeldt stets vor einem Rätsel. So richtig ersetzen kann ihn bei bei den Bremern nämlich niemand. Zahlreiche Knie-OPs musste Bargfrede in den vergangenen Jahren über sich ergehen lassen. Immer wieder kämpfte er sich zurück, um schnellstmöglich wieder für Werder auf dem Platz zu stehen. Längst ist klar, dass der 29-Jährige auch nach seiner Karriere bei Werder bleibt und ein Trainer-Programm absolviert. Dass er den Klub vorher noch einmal verlässt? Nahezu ausgeschlossen. Als Identifikationsfigur bringt Bragfrede somit alles mit. Ein kleiner Makel: Gewinnen konnte er mit Werder noch nichts. Ob es mit ihm als defensivem Stabilisator vielleicht diese Saison im DFB-Pokal klappt?

4 Theodor Gebre Selassie

Oftmals läuft Theodor Gebre Selassie ein wenig unter dem Radar, doch auch der Rechtsverteidiger spielt bereits seit sieben Jahren an der Weser – und ist somit nach Bargfrede der zweitdienstälteste Werder-Profi. Bei allen Spekulationen um Kruse geht dabei oftmals unter, dass auch Selassies Vertrag im Sommer ausläuft. Dem Vernehmen nach verlängert sich dieser bei einer bestimmten Anzahl von Einsätzen aber automatisch um ein weiteres Jahr. Diese Klausel dürfte definitiv greifen, denn der 31-Jährige ist unumstrittener Stammspieler bei Werder. Robert Bauer ergriff daher schon die Flucht und ließ sich nach Nürnberg ausleihen. Aufgrund seiner langen Vereinszugehörigkeit besitzt auch der wortkarge Tscheche das Zeug zur Bremer Identifikationsfigur.

5 Jiri Pavlenka

Nach dem Abgang von Tim Wiese war das Bremer Tor eine echte Baustelle, denn mit Ausnahme des nur ausgeliehenen Koen Casteels konnte keiner seiner Nachfolger nachhaltig überzeugen. Ganz gleich ob Raphael Wolf, Felix Wiedwald oder Jaroslav Drobny – bei jedem dieser Schlussmänner war den Werder-Fans immer etwas mulmig, wenn ein gefährlicher Ball auf das Bremer Tor flog. Schlagartig geändert hat sich dies mit der Verpflichtung von Jiri Pavlenka. Der Tscheche erwies sich auf Anhieb als bärenstarker Rückhalt und rettete Werder mit zahlreichen Paraden bereits etliche Punkte. Zugleich verlängerte er seinen ursprünglich 2020 auslaufenden Vertrag schon im Sommer vorzeitig. Mußtmaßlich bis 2021, die exakte Laufzeit ist allerdings nicht bekannt. Dadurch gibt der 26-Jährige Werder die Chance, in Verhandlungen mit anderen Klubs eine dicke Ablöse für ihn zu erhalten – und den Verein somit nachhaltig weiterzuentwickeln. Aber wer weiß, vielleicht begründet Pavlenka ja wie einst Frank Rost oder Wiese (jeweils sieben Jahre bei Werder) eine echte Torwart-Ära an der Weser – und wird somit zur neuen grün-weißen Identifikationsfigur.

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  • Karsten Lübben

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 14. Februar 2019, 18:06 Uhr