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Pizarro über sein WM-Aus: "Schwierigster Moment meines Lebens"

Claudio Pizarro ist ein Phänomen der Bundesliga und absoluter Bremer Liebling. Im Interview mit buten un binnen blickt der 40-jährige Werder-Profi auf sein turbulentes Jahr zurück.

Claudio Pizarro in einer VIP-Loge im Weser-Stadion im Interview mit buten un binnen.

Claudio Pizarro kennt man eigentlich nur mit seinem verschmitzten Lächeln auf den Lippen. Das Wenige, das im Leben des inzwischen 40-jährigen Peruaners mal nicht gut zu laufen scheint, lächelt er einfach weg. "Ich bin dankbar, es sind mir sehr schöne Sachen in diesem Jahr passiert", sagte Pizarro im Interview mit buten un binnen.

Doch im Sommer 2018 musste Pizarro einen Rückschlag verkraften, der sich eben nicht so einfach weglächeln ließ: Sein großer Traum von der WM-Teilnahme platzte, er wurde nicht nominiert. "Die Sache wird mir noch lange wehtun", gestand er nun ein. Bei buten un binnen zieht Pizarro Bilanz und blickt zurück auf ein Jahr, in dem er emotional zwischen Abstiegstief und WM-Frust und Bremer Rückkehr-Euphorie samt Bambi-Auszeichnung hin und her taumelte.

Pizarro über…

… seine Nicht-Nominierung für Peru bei der WM
Das war der schwierigste Moment meiner Karriere, meines Lebens. Das war sehr schwierig für mich. Ich habe keinen Anruf bekommen, sondern es aus der Presse erfahren. Das hat mir auch ein bisschen wehgetan, denn ich war dort lange Kapitän – mehr als 20 Jahre von meiner Karriere habe ich für Peru gespielt, schon in der U17. Ich habe alles für mein Land gegeben und auf einmal war ich nicht mehr dabei. In so einem Moment, wo ich vier WM-Qualifikationen gespielt und alles getan habe für mein Land, dann kommt so eine Situation. Das war sehr schwierig für mich. Ich bin traurig und enttäuscht, es tut mir weh. Natürlich trifft der Trainer in diesem Moment die Entscheidung. Das muss man akzeptieren. Aber die Sache wird mir noch lange wehtun.
Pizarro lacht schelmisch bei einem TV-Interview.
Meistens lächelt Claudio Pizarro alles Negative weg – doch sein WM-Aus hat ihn getroffen.
… die Gründe, warum er mit 40 Jahren noch spielt
Ich habe lange gespielt, weil ich Lust hatte. Und auch, weil ich gerne bei einem großen Turnier wie einer WM mitspielen wollte. Ich glaube, ich kann dem Fußball noch etwas geben. Nicht nur für die Fans oder mich selbst, sondern für die jungen Spieler, die nach mir kommen. Das ist für mich sehr wichtig. Ein bisschen von meiner Erfahrung erzählen oder ihnen zeigen, was ich noch kann, so dass die Jungs ein bisschen Inspiration bekommen.
… den ersten Abstieg seiner Karriere mit dem 1. FC Köln
Ich war da, ich konnte nicht weglaufen. Ich wollte auch nicht. Ich wollte kämpfen und dem Verein etwas Gutes bringen, denn sie hatten Vertrauen in mich. Aber am Ende konnten wir nichts machen. Es ist natürlich nichts, das man erleben möchte, aber es kann passieren. Es ist keine gute Erfahrung, aber man kann aus ihr viel lernen. Wenn man in einer schwierigen Situation ist und du alles getan hast, damit alles gut wird, dann kann man nicht mehr machen. Und danach kannst du nicht mehr heulen, denn es ist schon passiert. Es ist traurig, aber ich habe alles versucht.
Pizarro schaut verschmitzt während eines TV-Interviews an die Decke.
Pizarro: "Wie die Leute in Bremen mich angenommen haben, das war etwas Besonderes für mich."
… seine vierte Rückkehr zu Werder Bremen im Sommer
Ich habe mich riesig gefreut, als Florian Kohfeldt die Mannschaft übernommen hat. Ich kannte ihn, als er Co-Trainer von Viktor Skripnik war, und ich habe gesehen, dass er ein sehr gutes Potenzial für den Job hat. Nach der Saison in Köln war ich in Bremen, um die Jungs hier und Freunde zu besuchen. Und da habe ich mich auch mit ihm getroffen. Wir haben ein bisschen über Fußball gesprochen und da kam die Idee.

Ich glaube, Baumi (Sportchef Frank Baumann, Anm. d. Red.) hatte die Idee, der hat dann auch mit meinem Berater gesprochen. Dann bin ich in den Urlaub gegangen und Werder hat ein paar Stürmer geholt und ich dachte: 'Vielleicht klappt’s nicht mehr.' Ich hatte ein paar andere Möglichkeiten, aber das war nicht das Richtige für mich. Ich habe auf Bremen gewartet und gehofft, dass es klappt. Und am Ende hat es doch geklappt.
Pizarro gestikuliert während eines TV-Interviews.
Noch ein Jahr Werder? Pizarro will bei der Entscheidung auf seinen Körper hören.
… seine Wünsche für 2019
Was wünsche ich mir? International zu spielen – oder international etwas zu erreichen mit Werder.
… ein mögliches, weiteres Jahr bei Werder
Das kann ich jetzt nicht sagen. Die Frage kommt wirklich oft. Die Wahrheit ist, dass ich es nicht sagen kann. Ich muss jede Woche, jeden Tag sehen, wie der Körper ist. Dann kann ich eine Entscheidung treffen. Momentan ist alles gut. Aber ich weiß nicht, was in einem, in zwei oder in fünf Monaten passiert. Jetzt habe ich Bock, ja. Und Bock habe ich eigentlich fast immer.

Aufgezeichnet von Petra Philippsen

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Autor

  • Felix Krömer

Dieses Thema im Programm: buten un binnen Extra, 30. Dezember 2018, 19:30 Uhr