So langsam wird es eng in Werders Abwehr

Trainer Kohfeldt wollte den Härtetest und bekam ihn gegen den 1. FC Köln. Klar wurde dabei, dass Werder keine weiteren Ausfälle in der Defensive kompensieren kann.

Kohfeldt legt sich am Spielfeldrand nachdenklich die Hand in den Nacken.
Sieht die Ausfälle in Werders Defensive mit zunehmender Besorgnis: Trainer Florian Kohfeldt. Bild: Imago | DeFodi

Florian Kohfeldt ist Realist, nur sehr selten beschönigt der Werder-Coach mal die Leistung oder den Gesamteindruck seiner Mannschaft. Auch am Samstagnachmittag tat er es nicht. Da hatte er bei den beiden Testspielen in Lohne ein geballtes Quantum Realität zu sehen bekommen. "Es war nicht schlecht, aber auch weit weg vom Optimum", bestätigte Kohfeldt. Nach der 0:1-Niederlage gegen den VfL Osnabrück mit einer leicht verstärkten U23-Mannschaft und dem glücklichen 1:0-Sieg seiner derzeitigen A-Elf gegen Aufsteiger Köln wurde offensichtlich, dass Werder und Kohfeldt in den verbleibenden drei Wochen noch viel zu tun haben.

Kohfeldts prekärste Baustelle ist dabei die Bremer Abwehr. Erstmals konnte der Trainer in einem Test auf jene Viererkette zurückgreifen, die auch beim Saisonstart auflaufen würde. Mit Theodor Gebre Selassie, Marco Friedl, Niklas Moisander und Ludwig Augustinsson, doch "die Viererkette hat etwas gebraucht, bis sie im Spiel war", erkannte auch Kohfeldt. Abwehrchef Moisander brachte zum Ende des einstündigen Testspiels zwar mehr Stabilität in die Defensivreihe, jedoch suchen die Bremer nicht grundlos nach Verstärkung auf den Außenbahnen. Zuletzt buhlte Werder um Benjamin Henrichs vom AS Monaco, doch ob eine Ausleihe zustande kommt, ist fraglich.

"Jetzt darf hinten nichts mehr passieren"

Moisander und Modeste im Zweikampf während eines Testspiels.
Stabilisierte die Viererkette am Ende doch noch: Werders Abwehrchef Niklas Moisander (rechts). Bild: Imago | Nordphoto

Kohfeldt wollte einen richtigen Test für sein Team, wollte den Status quo der Vorbereitung abfragen. Doch was er sah, konnte dem Coach nicht sonderlich gefallen. Denn personell wird es in Werders Defensive jetzt richtig eng. Innenverteidiger Milos Veljkovic fällt weiter langfristig aus, Sebastian Langkamp kann erst im Trainingslager in Grassau wieder einsteigen. Und Alternativen hat Kohfeldt nicht. Der an Nürnberg ausgeliehene Robert Bauer steht zwar noch ein Jahr unter Vertrag bei Werder, hat aber unter Kohfeldt keine Zukunft. Ebenso steht es um Felix Beijmo, der ausgeliehen oder verkauft werden soll.

Gegen Osnabrück spielte am Samstag eine Viererkette mit vielversprechenden U23-Talenten, die aber noch weit vom Bundesliga-Niveau entfernt sind. "Von jetzt an darf da hinten nicht mehr viel passieren", betonte Kohfeldt. Weitere Ausfälle würden Sportchef Frank Baumann wohl dazu nötigen, kurzfristig Ersatz auf dem Transfermarkt zu beschaffen. Dabei ist das Budget schon knapp genug für die beiden Defensivpositionen in Abwehr und Mittelfeld, die Werder noch einkaufen will.

Drei Tage frei vor dem Endspurt

Kohfeldt lässt seine Spieler nach dem Doppel-Test nun erst einmal durchatmen. Zumindest jene, die seit der Vorbereitung durchgehend dabei waren, dürfen sich bis Mittwoch entspannen. Alle anderen machen individuelles Training. Bevor es am Freitag zum zweiten und letzten Trainingslager nach Grassau am Chiemsee geht, dürfte für Werders Verteidiger das Motto wohl nur noch lauten: bloß nicht verletzen!

Ab Sonntag bekommen die Spieler noch drei Tage frei, dann sind sie erholt vor dem zweiten Trainingslager. Da geht es dann um Details, da brauchen wir bei allen wieder Frische.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

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Sportchef Frank Baumann umringt von Kamerateams beim Interview.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 20. Juli 2019, 16:15 Uhr