Demütig vor Werders Endspurt: Werner bleibt sich treu

Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Wer vor dem Spitzenspiel gegen St. Pauli auf verbale Muskelspiele des Werder-Trainers hoffte, wartete vergebens. Doch Werner liegt mit seiner bremsenden Taktik genau richtig.

Locken lässt sich Ole Werner nicht. Wer geglaubt hatte, der Werder-Coach würde sechs Spieltage vor Saisonschluss nun vielleicht doch den Aufstieg als anvisiertes Ziel ausrufen oder als Tabellenführer vor dem Kräftemessen mit Verfolger St. Pauli verbal mal die Muskeln spielen lassen, der hat den 33-Jährigen in den vergangenen Monaten nicht erlebt.

Norddeutsch-nüchtern, so ist er eben. Auf Temperatur kommt Werner nur an der Seitenlinie, in Gesprächen mit den Medien will der Werder-Coach partout nicht zu viel Gas geben. Auch nicht so nah auf der Zielgeraden.

"Es hat auch letzte Woche gekribbelt"

Immer noch ist jedes Spiel gleich wichtig, jedes Spiel gleichermaßen bedeutsam. Lieber bremst Werner weiter, statt zu früh vorzupreschen. Auch vor dem Spitzenspiel gegen die Hamburger, die nur einen mageren Punkt Rückstand haben.

Es kribbelt, weil es ein besonderes Spiel, ein Nordderby in besonderer Atmosphäre ist und weil die Tabellenkonstellation so ist, wie sie ist. Es hat aber auch letzte Woche bei mir gekribbelt und es wird auch nächste Woche kribbeln.

Werder-Trainer Ole Werner am Donnerstag

Locken lässt sich Ole Werner eben nicht. Aber seine Mannschaft erreicht er. Denn natürlich will Werner mit Werder aufsteigen, so sehr wie seine Spieler auch. Und intern dürfte die Kommunikation sicherlich komplett anders klingen.

Der HSV als mahnendes Beispiel

Doch nach außen liegt der Coach mit seiner gebremsten Taktik richtig, schließlich ist der Aufstiegskampf selbst mit einem Sieg am Samstag gegen St. Pauli längst nicht entschieden. Die Schwergewichte Nürnberg und Schalke warten auch noch auf Werder.

Der Hamburger SV hat es oft genug erleben müssen, wie kurz vor dem Ziel der Aufstiegstraum platzt. Bremen ist gewarnt. Und da ist Demut sicher kein schlechter Ratgeber, Werner erinnert sich noch gut an die Zeiten, "als wir noch zwölf Punkte hinter St. Pauli lagen". Also sagt er: "Es ist super, dass wir dabei sind."

Werner will nicht um die goldene Ananas spielen

Ein Spiel auf "absoluter Augenhöhe" erwartet Werner am Samstag um 13:30 Uhr am Millerntor, bei dem "nur Kleinigkeiten und die Tagesform" über Sieg oder Niederlage entscheiden werden. Druck verspürt Werder zwar, aber eher als positiven Anreiz.

Für mich ist es eher Vorfreude und ein gutes Zeichen, dass wir diesen Druck haben und nicht auf Tabellenplatz acht stehen und um die goldene Ananas spielen.

Werder-Trainer Ole Werner am Donnerstag

Seine verbalen Bremsmanöver sollten nicht falsch verstanden werden: Ole Werner ist ein sehr ambitionierter Trainer. Die 2. Liga soll nicht auf Dauer sein Beritt bleiben. Und er hat Werder bereits weit geführt in seiner Amtszeit: Tabellenführer sechs Spieltage vor Schluss. Doch das glückliche Finish am 15. Mai wird er sich mit ein paar flotten Sprüchen zur falschen Zeit sicherlich nicht kaputtmachen.

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Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 7. April 2022, 18:06 Uhr