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Wie Werder Pavlenka mit künstlicher Intelligenz entdeckte

Spieler nur zu beobachten, reicht Werder Bremen nicht mehr. Als einer der ersten setzt der Bundesliga-Klub beim Scouting auf eine eigene digitale Datensammlung.

Spieler des SV Werder Bremen beim Training

Bei Werder Bremen hat die Zukunft bereits begonnen, zumindest in der Scouting-Abteilung. Der Bundesligist bedient sich als einer der ersten Fußball-Klubs in Deutschland bei der Suche nach neuen Spielern künstlicher Intelligenz.

Das wird unser Scouting auf eine ganz neue Stufe heben.

Werders Sportchef Frank Baumann im Gespräch mit buten un binnen

Gemeinsam mit der Bremer Firma Just Add AI (JAAI) entwickelte Werder eine Plattform, eine eigene Datenbank, in der nicht nur alle Berichte und Bewertungen der eigenen Scouts über die jeweiligen Spieler zusammengeführt werden, sondern die Plattform zieht sich neben den Leistungs- und Spieldaten selbstständig auch aus dem Internet jegliche Informationen, die relevant sind für ein genaues Profil des Spielers.

Verkündet wurde die Kooperation auf der Eröffnungsveranstaltung der von JAAI-Gründer Roland Becker initiierten Initiative Bremen.AI, die Bremer Firmen, Forscher und Unternehmer beim Thema künstlicher Intelligenz vernetzen will.

Im US-Profisport längst gang und gäbe

"Unsere Datenanalysen werden anhand der künstlichen Intelligenz bereichert", sagt Baumann im Gespräch mit buten un binnen. Und die innovative Methode, die in den amerikanischen Profisport-Ligen wie Football oder Baseball längst zum Alltag gehören, führte auch bei Werder schon zum Erfolg: Torhüter Jiri Pavlenka wurde anhand der künstlichen Intelligenz entdeckt.

Wir sind zum Beispiel auf Jiri Pavlenka aufgrund der Datenanalyse gestoßen. Wir haben ihn natürlich noch häufig live beobachtet, aber der erste Hinweis kam durch die Daten. Und das zeigt, wo der Weg hingehen kann. Über ein Live-Scouting geht nichts, aber die künstliche Intelligenz kann uns im Vorfeld sehr viel nutzen.

Werder-Sportchef Frank Baumann

"Es ist eine Art Vorscouting aufgrund von Daten"

Für Baumann ist die neue Plattform der nächste logische Schritt, um den immer weiter anwachsenden Datenmengen Herr zu werden und sie sinnvoll zu nutzen. Suchen die Bremer künftig einen zweikampfstarken Linksfuß, der auch in der Nachspielzeit noch sprintstark ist, dann gibt die neue Datenbank detailliert Auskunft über die passenden Kandidaten. "Wir haben Positionsprofile entwickelt, da geht es um athletische Daten, Spieldaten wie Passgenauigkeit, Zweikampfverhalten", erklärt Baumann: "Alle Daten aus den verschiedensten Quellen werden hier zusammengeführt. So können wir dann unsere Scouts noch gezielter loszuschicken. Es ist also eine Art Vorscouting aufgrund der Daten."

Der klassische Talentscout, der von großen Stadien bis hin zu Fußballplätzen in der Provinz nach begabten Fußballern sucht, muss also nicht fürchten, künftig auf der Ersatzbank zu landen. Zumindest Werder Bremen setzt weiter auf beides – künstliche Intelligenz und guten alten Menschenverstand.

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 23. August 2018, 19:30 Uhr