5 Lehren aus Werders Testspiel-Niederlage gegen St. Pauli

Spiel verloren, Erkenntnisse gewonnen: Auf einer Position sind die Bremer besonders gut aufgestellt. In der Offensive macht es derweil ein Spieler wie Messi.

Torwart und drei Spieler im Strafraum
Viel los war Freitagabend im Strafraum vor Werders Keeper Kapino. Bild: imago | Nordphoto

1 Kapino kann Pavlenka ersetzen

Zwischenzeitlich entwickelte sich die Partie am Millerntor zu einem Privatduell zwischen Torwart Stefanos Kapinos und der Offensive der St. Paulianer. Der Grieche zeigte dabei sein ganzes Können und verhinderte eine böse Klatsche für die Bremer. Seine Klasse bewies er dabei auch nach dem Spiel. Kampfansagen in Richtung Pavlenka verkniff er sich. Stattdessen gab er sich als echter Teamplayer, der lieber gewonnen hätte, als selbst zu glänzen. Das kommt gut an. Auch bei seinem Trainer, der an der Rangordnung im Tor natürlich nichts ändern wird. "Pavlas (Jiri Pavlenka, Anm. d. Red.) ist die klare Nummer eins, und wir haben eine überragende Nummer zwei", stellte Kohfeldt klar. Falls Pavlenka im Sommer für eine zweistellige Millionenablöse Bremen verlassen sollte, könnte die "überragende Nummer zwei" den Tschechen wohl ersetzen. Kapino traut es sich auf jeden Fall zu. So ganz war sein Gala-Auftritt ihm schließlich auch nicht entgangen. "Wenn ich so spiele", sagte der 25-Jährige, "denke ich, dass ich dann die Nummer eins sein werde."

2 Bargfredes Comeback-Qualitäten

Philipp Bargfrede ist zwar häufig verletzt, besitzt aber auch herausragende Comeback-Qualitäten. Letztmals stand das Bremer Eigengewächs Anfang März beim 4:2-Sieg gegen Schalke in der Startelf. Nach zwei Einwechslungen in der Bundesliga sollte er gegen St. Pauli Spielpraxis sammeln. Und Bargfrede spielte dabei, als sei er nie weg gewesen. Defensiv räumte er ab und hielt körperlich auch gegen den stämmigen und mehr als zwei Meter großen Stürmer Henk Veerman problemlos mit. Diese Widerspenstigkeit kann den Bremern nur gut tun. In Zweikämpfen mit dem wendigeren Florian Buchtmann bewies er zudem seine Cleverness. Nach 64 Minuten nahm Kohfeldt seinen Abräumer vom Platz. "Es war zu sehen, dass körperlich dann Ende war". Gegen Hertha BSC am nächsten Samstag (15:30 Uhr) käme die Startelf daher vielleicht noch etwas zu früh. Für das Spiel gegen Leverkusen (26. Oktober, 18:30 Uhr) dürfte er aber wieder ein Kandidat für die erste Elf sein.

3 Bittencourt macht bei Werder den Messi

Nach dem bitteren Ausfall von Niclas Füllkrug muss Kohfeldt im Sturmzentrum improvisieren. Bereits beim 2:2 gegen Frankfurt bediente er sich dabei eines Kniffs und stellte Leonardo Bittencourt in die Mitte. Werder machte es dabei ein wenig wie der FC Barcelona, bei denen Lionel Messi seit fast einem Jahrzehnt als "falsche Neun" spielt. Als solche trat auch Bittencourt gegen St. Pauli auf. Der 25-Jährige wartete also nicht vorne auf Flanken, sondern ließ sich ins Mittelfeld fallen, um selbst die Bälle abzuholen. Das klappte selten, lag aber nicht am Neuzugang aus Hoffenheim. In der Bundesliga kann es sich dennoch als probates Mittel erwiesen, wenn der flinke und trickreiche Bittencourt mit Tempo auf die Abwehrreihen zudribbelt. Bereits gegen Frankfurt sorge er damit für einigen Trubel.

4 Werders Youngsters sind noch zu grün

Testspiele bieten jungen Spielern die Chance, auf sich aufmerksam zu machen. Gleich fünf Akteure aus der U23 und der U19 standen in der Startelf. Sechs weitere wechselte Kohfeldt während des Spiels eins. Die große Bühne nutzte aber keiner so recht. "Für sie war es eine neue Erfahrung im Männerfußball. Sie haben gesehen, dass sie noch viel vor sich haben und an ein paar Sachen arbeiten müssen", analysierte Theodor Gebre Selassie nach dem Spiel. Mit Eren Denkci stellte Kohfeldt gar einen 17-Jährigen in die Startelf. Der Stürmer erzielte in der U19-Bundesliga in dieser Saison bisher elf Tore in sieben Spielen und durfte in der ersten Halbzeit über die rechte Seite angreifen. Am Freitagabend blieb aber auch er blass.

5 Für Langkamp wird es eng

Sebastian Langkamp hat die komplette Vorbereitung im Sommer verpasst und trainiert erst seit wenigen Wochen wieder mit. Deshalb überraschte es schon, dass Kohfeldt den Innenverteidiger bei dessen erster Partie in dieser Saison erst nach 83 Minuten auswechselte. "Ablauf und Rhythmus sind noch nicht so wieder da, wie man es sich erhofft", erzählte der 31-Jährige nach dem Spiel. Völlig normal nach so einer langen Pause. Aktuell schaut es aber nicht so aus, als würde Langkamp in den kommenden Wochen viel Spielpraxis erhalten. "Dass die Chancen durch die Verpflichtung von Ömer Toprak nicht gestiegen sind, ist klar", macht Langkamp sich keine Illusionen. Sind Toprak und Niklas Moisander fit, ist das Duo gesetzt. Neben Milos Veljkovic hat er mit Christian Groß noch einen weiteren Konkurrenten dazu bekommen. Deswegen droht ihm gar die bittere Rolle als Nummer fünf in der Innenverteidigung der Bremer.

  • Karsten Lübben

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 13. Oktober 2019, 19:30 Uhr