Alles auf Anfang? Werders kurioser Neustart

Trainer Markus Anfang steht am Ausgang des Spielertunnels im leeren Weserstadion und schaut hoch auf die Ränge.
Markus Anfang wechselte von Zweitligist Darmstadt 98 zu Werder Bremen. Bild: DPA | Carmen Jaspersen

Eigentlich sollte nach dem Abstieg frischer Wind bei Werder wehen. Umbruch, Transfers, neue Ideen. Doch für den neuen Trainer bleibt erst einmal vieles beim Alten.

Am Mittwoch wird der Betrieb im Weser-Stadion wieder reger werden, knapp vier Wochen nach dem Abstieg aus der Bundesliga. Der gerade engagierte Trainer Markus Anfang wird sein Büro beziehen, den einen oder anderen Mitarbeiter erstmals persönlich treffen. Ankommen, loslegen.

Mit Anfang will Werder den Neustart schaffen nach dem Absturz. Und der erfahrene, ambitionierte Zweitliga-Trainer scheint dafür auch ein geeigneter Kandidat zu sein. Doch wie soll der Wandel bei Werder gelingen, wenn das Personal weitgehend das gleiche geblieben ist?

Corona-Test am Mittwoch mit dem alten Kader

Werder-Stürmer Niclas Füllkrug schaut vor dem Weserstadion trotz schwarzer FFP2-Maske lächelnd in die Kamera.
Stürmer Niclas Füllkrug erschien am Mittwochnachmittag als einer der ersten Werder-Spieler zum PCR-Test am Stadion. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Am Mittwochabend steht der erste PCR-Test an. Und wenn sich dann all jene Werder-Profis am Stadion einfinden, die nicht mit ihren Nationalmannschaften unterwegs sind oder waren, dann wird das Bremer Dilemma deutlich sichtbar werden: Denn ein Großteil dieser Spieler möchte oder soll den Verein noch verlassen.

Also doch erstmal wieder alles auf Anfang bei Werder? Der neue Trainer hat wohl keine Wahl, als sich mit dem zu begnügen, was er hat. Denn der Transfermarkt dürfte erst nach der Europameisterschaft richtig anspringen. Und Werder wird erst dann handlungsfähig sein, wenn die ersten Spieler verkauft sind. Die Situation ist kurios und sicher nicht hilfreich für Anfang, der voller Tatendrang steckt.

Erstes Anfang-Training am Samstag

Statt frischem Schwung droht dem Trainer nun eine zähe Phase der Ungewissheit und der trüben Alles-beim-alten-Stimmung. Den Bremer Fans, die nach den zwei schwierigen Spielzeiten auf Veränderung und Aufbruch hoffen, dürfte es schwer vermittelbar sein, dass am Samstag bei Anfangs Trainingsdebüt nur jene Spieler auf dem Platz stehen, die den Abstieg mitverursacht haben.

Einzig Anthony Jung steht als Werder-Neuzugang fest. Die Konkurrenten aus der 2. Liga wie Schalke 04 oder der Hamburger SV sind bei ihren Ein- und Verkäufen schon viel weiter als die Bremer. Am Donnerstag und Freitag stehen weitere Tests an, auch der übliche Laktattest für den Fitnesszustand. Doch auch hier stellt sich die Frage, welchen Sinn dieser bei vielen Spieler hat, die auf dem Absprung sind.

Bis Ende August sind Transfers noch möglich

Auch im Trainingslager in der ersten Juli-Woche im Zillertal und vermutlich noch beim Saisonstart am 23. Juli wird Anfang wohl nicht seinen Kader komplett beisammen haben. Spielsysteme, Automatismen, Taktiken einüben – das wird in diesem Sommer schwer bis unmöglich werden für Werder.

Zu beneiden ist Anfang nicht. Sein Antritt bei den Grün-Weißen ist mehr ein Schuss ins Blaue. Bis das Transferfenster am 31. August schließt, dürfte es viel Unruhe innerhalb der Mannschaft geben, die gar keine mehr ist. Dabei braucht Werder nichts dringender als frischen Wind.

So steht es nach dem Abstieg um die Kaderplanung bei Werder Bremen

Video vom 10. Juni 2021
Zu sehen ist das leere Weser-Stadion aus Perspektive auf Höhe der Eckfahne.
Bild: Imago | RHR-Foto
Bild: Imago | RHR-Foto

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 16. Juni 2021, 18:06 Uhr