Werders laues Lüftchen bringt den Klub in Not

Ein echter Sturm war auch im Spiel gegen die Borussia nicht zu erkennen. Stattdessen wird der Gegenwind für Alexander Nouri und seine Mannschaft immer stärker.

Junuzovic am Boden
Bremer Hoffnungsträger nach dem Spiel am Boden: Zlatko Junuzovic. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Ein milder Oktoberabend, ausverkauftes Weserstadion, Rückkehrer Zlatko Junuzovic als Hoffnungsträger in der Startelf – die Voraussetzungen für den ersten Werder-Sieg hätten schlechter sein können. Am Ende des achten Spieltages ist die Nouri-Elf aber weiter ohne Sieg. Vier mickrige Punkte, lediglich drei Tore, und auch gegen Mönchengladbach konnten die Bremer an diesem Herbstabend keinen Sturm entfachen. Kurzum: Werder stellt den Vereinsnegativrekord von 1970/71 ein, und es fehlt die Fantasie, wie man aus den Tabellenniederungen herauskommen soll.

Richtige Taktik mit falschem Personal?

Die Effizienz vor dem Tor des Gegners, die Werder in der Vorsaison noch auszeichnete, ist dahin. Gegen Mönchengladbach entschied sich Werder-Trainer Alexander Nouri wieder für die sicherere Variante mit Philipp Bargfrede neben Thomas Delaney und Rückkehrer Zlatko Junuzovic im Mittelfeld. Im Sturm bekamen der formschwache Fin Bartels und der bislang überwiegend unglücklich agierende Ishak Belfodil eine weitere Chance. Florian Kainz, der in den zurückliegenden Spielen gefallen konnte und offensive Impulse setzte, aber auch die Eggestein-Brüder nahmen zunächst auf der Bank Platz.

Zu Beginn des Spiels versuchte Werder selbstbewusst aufzutreten. Fin Bartels, Ishak Belfodil oder auch Zlatko Junuzovic gingen immer wieder die Gladbacher Abwehrspieler an, versuchten zu pressen. Das Problem: Die souveränen Gladbacher fanden immer wieder eine Anspielmöglichkeit, weil Werder nicht als Kollektiv agierte, die Hinterleute nicht aufrückten. So wirkte die Ankündigung Nouris, gegen Gladbach mutig auftreten zu wollen, halbherzig, weil zwar der Ansatz stimmte, aber die personelle Voraussetzung diesen Ansatz erschwerte.

Wir sind schwer ins Spiel gekommen, die Gladbacher standen gut. Nach der ersten Hälfte lagen wir verdient hinten. In der zweiten Halbzeit haben wir uns etwas aufgebäumt, waren aber vom Gefühl her immer hintendran.

Zlatko Junuzovic, Werder-Kapitän

Wie schon im Nordderby gegen den HSV schafften es die Spitzen Belfodil und Bartels nicht, die Bälle zu halten. Beide Spitzen waren zwar bemüht, spielten aber ohne Durchsetzungsvermögen gegen die gut stehende Gladbacher Abwehr. Die zweiten Bälle gehörten zu häufig der gedanklich frischer wirkenden Fohlen-Elf.

Auch Werders Abwehr gerät unter Druck

Die fehlende Gedankenfrische setzte sich diesmal auch in der Bremer Abwehr fort. Ein ums andere Mal wirbelten die Gladbacher Thorgan Hazard, Lars Stindl oder Raffael die Bremer Hintermannschaft durcheinander. Symptomatisch das erste Gegentor, vor dem mit Robert Bauer und Lamine Sané zwei Bremer auf Stindel zuliefen, der aber mit einer Körpertäuschung gleich beide narren konnte und den Ball an Jiri Pavlenka vorbei ins Bremer Tor zirkelte.

Nouri agiert unglücklich

Nun könnte man die Sichtweise von Werder-Sportchef Frank Baumann einnehmen, der vor dem Gladbach-Spiel betont hatte, dass die sportliche Leitung die Rahmenbedingungen setze, das Toreschießen aber die Mannschaft übernehmen müsse.

Kameras vor Alexander Nouri
Der Druck auf Werder-Trainer Alexander Nouri wächst weiter. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Tatsächlich konnte man an diesem Abend aber auch den fehlenden Mut in der Startaufstellung monieren. Erst nach der Halbzeit kamen mit Kainz, Hajrovic und später Johannes Eggestein offensive Kräfte. Hatte Nouri vor der Partie noch angekündigt, dass für einen Einsatz Eggesteins die Spielsituation und die taktische Ausrichtung stimmen müsse, so darf man nach der Partie fragen, ob die Einwechslung zehn Minuten vor dem Schluss für das junge Werder-Talent nicht eher undankbar war und als Verzweiflungsakt des Trainerteams gesehen werden muss.

Die erste Hälfte war defintiv ganz schlecht, wir sind verdient in Rückstand geraten, sind nicht in die Zweikämpfe gekommen. Uns fehlt momentan das Selbstvertrauen. Wir haben wie gelähmt gespielt. Klar sind wir alle unruhig und unzufrieden. Gegen Köln wird aber Alexander Nouri auf der Bank sitzen. Wir stehen das zusammen durch.

Frank Baumann, Sportchef Werder Bremen

Wir haben es wieder nicht geschafft, das Tor zu erzwingen. Durch den Systemwechsel zur Pause wollten wir noch mal neue Impulse setzen. Meine Situation ist nicht wichtig, wir werden für den Verein alles geben und glauben weiterhin an uns. Wir werden zusammenstehen und gegen Köln gewinnen.

Alexander Nouri, Trainer Werder Bremen

Mit nur drei Toren hat Werder zusammen mit dem Letzten Köln den schlechtesten Wert in der Bundesliga. Das nächste Spiel geht nun gegen die Rheinstädter, die die Begegnung bereits als "Endspiel" ausgerufen haben. Frank Baumann gibt seinem Trainer weiterhin Rückendeckung. Sollte es gegen Köln nicht zu einem Sieg reichen, dürfte es für beide noch ungemütlicher werden.

  • Lutz Hambach

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 15. Oktober 2017, 19:30 Uhr