Drama oder Happy End? 5 Streitthemen bei Werders Mitgliederversammlung

Video vom 3. September 2021
Aufbauarbeiten im Weserstadion für die Mitgliederversammlung.
Bild: Radio Bremen
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Große Bühne, große Themen: Fast 1.000 Mitglieder wählen am Sonntag den neuen Werder-Aufsichtsrat. Doch es dürfte auch bei anderen Themen hitzige Debatten geben.

Der Aufbau ist in vollem Gange, und die Bühne für Werders Mitgliederversammlung wird größer als je zuvor. Pandemiebedingt trifft man sich im Weser-Stadion und nicht in der Sporthalle an der Hemelinger Straße. Doch ob die bisher angemeldeten knapp 1.000 Mitglieder am Sonntag ab 11 Uhr auf dieser Bühne ein Drama oder gar einen Krimi geboten bekommen, ob es am Ende Buhrufe oder doch zustimmenden Applaus von den Rängen geben wird, das ist bisher alles offen.

Fest steht nur, dass sich die Veranstaltung mindestens so lange wie die Aufführung von Wagners "Ring der Nibelungen" bei den Bayreuther Festspielen hinziehen wird. Das Gute ist, dass die Mitglieder zumindest nicht auf unbequemen Holzstühlen das Geschehen auf der Bühne verfolgen müssen und dass es an der frischen Luft stattfindet.

Und die frische Luft könnte jedenfalls die Gemüter abkühlen, schließlich gibt es am Sonntag viele Streitthemen abzuarbeiten.

1 Wie hitzig wird's?

Drängende Themen gibt's genug: Abstieg, Schulden, Transferpolitik, die Rollen von Sportchef Frank Baumann und Finanzchef Klaus Filbry dürften kontrovers diskutiert werden. Wortmeldungen sind auch auf der großen Bühne des Weser-Stadions natürlich wieder erlaubt. Die Frage ist nur, wie viele sich vor dieser Kulisse und drei Mal so vielen Mitgliedern wie sonst überhaupt trauen wird. Und ob die Debatte sachlich bleibt oder es doch hitzig zur Sache gehen wird.

2 Doppelt so viele Zahlen

Diese Rede wird es in sich haben: Finanzchef Filbry muss in seinem Vortrag zur Werder-Bilanz gleich zwei Geschäftsjahre referieren. Da 2020 keine Mitgliederversammlung stattfinden konnte, wird es am Sonntag also Zahlen über Zahlen geben. Wobei die des vergangenen Geschäftsjahres bereits bekannt waren: 23,8 Millionen Euro Schulden. Wenig überraschend wird auch das neue Geschäftsjahr im Minus abgeschlossen. Nach Sportblitz-Informationen wird diese Summe jedoch deutlich geringer sein. Filbry betonte zudem vorab: "Die Liquidität ist für diese Saison gesichert." Diese Aussichten könnte manches Mitglied vielleicht milde stimmen.

3 Wer wird neuer Aufsichtsrat?

Viel schlechter hätte sich Werder bei der Kandidatenauswahl wohl kaum verkaufen können. Der ehrenamtliche Wahlausschuss schien mit dem Casting der 30 Bewerber heillos überfordert. Kritische Stimmen wie Moderator Jörg Wontorra oder Fußball-Fachkräfte wie Benno Möhlmann wurden aussortiert, die offenbar rechte Gesinnung von Oliver R. Harms im ersten Gespräch nicht bemerkt.

Letzterer wurde am Freitag dann doch noch von der Kandidatenliste gestrichen und so rutscht mit Ulrike Hiller – wenn auch verspätet – erstmals eine Frau nach. Die Mitglieder stimmen geheim ab und wählen aus den sieben Optionen schließlich vier neue Aufsichtsräte aus. Bekannte Namen sucht man vergeblich, so dürfte viel von den fünfminütigen Reden der Kandidaten abhängen – quasi ein Speed-Dating für die Wahlentscheidung.

4 Antrag gegen Hess-Grunewald

Neben dem Aufsichtsrat geht es aber auch um Vereins-Präsident Hubertus Hess-Grunewald. Bisher ist es bei Werder so, dass der Präsident auch in die GmbH-Geschäftsführung an die Seite von Filbry und Baumann entsendet wird. Diese verantwortet den Profi-Fußball. Der Präsident ist also gleichzeitig Geschäftsführer der GmbH. Ein Antrag fordert die personelle Trennung, Hess-Grunewald ist dagegen.

Diesen konkreten Antrag, das Entsenderecht des Vereins in die Geschäftsführung zu streichen, das lehnen wir grundsätzlich ab, weil wir die Rechte des Vereins nicht schmälern wollen.

Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald im Sportblitz

5 Was wird aus Baumann?

Für viele Fans und Mitglieder ist der Schuldige der Werder-Misere eindeutig Frank Baumann. Dem Geschäftsführer Sport wird am Sonntag viel Kritik entgegen schlagen. Wie gut er die Wogen glätten kann, wird davon abhängen, wie überzeugend seine Rede ist. Ein besonders guter Redner ist Baumann von Natur aus nicht, seine Argumente sollten die neuen Aufsichtsratsmitglieder also besser überzeugen. Denn sein Job ist wie auch der von Geschäftsführerkollege Filbry vom Wohl und Wehe des Aufsichtsrates abhängig.

Natürlich wird es da vielleicht den einen oder anderen Akzent geben, den der neue Aufsichtsrat anders setzt. Aber man muss sich auch immer der Rolle bewusst sein, das operative Geschäft, die operative Verantwortung liegt bei der Geschäftsführung. Und der Aufsichtsrat muss dann erst mal für sich die Entscheidung treffen, ob er auch in dieser personellen Gestaltung mit der Geschäftsführung weiter zusammenarbeiten will oder nicht.

Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald im Sportblitz

Bode zum Umbruch im Aufsichtsrat: "Haben es uns nicht leicht gemacht"

Video vom 31. Mai 2021
Aufsichtsratchef Marco Bode steht im Innenraum des Weserstadions beim Interview.
Bild: Radio Bremen
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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 3. September 2021, 18:06 Uhr