Die pure Coolness: Darum fehlt Werder ein Typ wie "König Kruse"

Bei der Promi-Dart-WM tanzte Kruse mit dem Dart-Weltmeister auf der Bühne. Das Parkett in der Bundesliga scheint für die Bremer ohne ihn zu glatt geworden zu sein.

Max Kruse trägt das Trikot von Fenerbahce und grinst
Max Kruse spielt seit dieser Saison für Fenerbahce Istanbul. Seinen Abgang hat Werder auf und neben dem Platz bisher nicht verkraftet. Bild: Imago | Seskim Photo

Und auf einmal tanzte er mit einem frisch gekürten Weltmeister auf der Bühne. Peter Wright, der erst am Neujahrstag die Dart-WM gewann, machte die kleine Einlage vor. Und Max Kruse, sein Teampartner bei der Promi-Dart-WM, einer Pro7-Dauerwerbesendung am Samstagabend, folgte ihm allzu gerne. Sichtbar genoss der ehemalige Werder-Kapitän die Party-Atmosphäre während des Turniers in der pickepackevollen Halle in Bonn. Gewohnt keck beantwortete er nach dem ersten gewonnenen Match die Frage, ob die Stimmung beim Dart oder beim Fußball besser sei.

Hier gibt's mehr Alkohol, also ist die Stimmung hier natürlich noch ein bisschen besser.

Max Kruse bei der Promi-Dart-WM über den Unterschied zwischen Fußball und Dart

Kruse macht sich keinen Kopf

Kruse wusste eben, was die feiernde Menge hören wollte. Ohnehin schien er voll in seinem Element zu sein. Sportlicher Wettkampf und drumherum viel Show – die perfekte Symbiose für den extravaganten Angreifer. Dies zeigte er einige Tage zuvor auch in der türkischen TV-Show "The Voice". Stilecht im schwarzen Smoking und mit seinen aktuell blondierten Haaren sang er den Klassiker "Sway" von Dean Martin.

Singende Fußballer – das schien längst aus der Zeit gefallen zu sein. Doch Kruse schert sich nicht drum, sondern macht weiterhin sein Ding. Was andere von ihm denken, interessiert ihn offensichtlich nach wie vor nicht. In der Türkei fliegen ihm als neuen Sympathieträger bereits die Herzen zu. "König Kruse" wird er am Bosporus genannt. Und wer es mit Werder hält, merkte in der vergangenen Woche einmal mehr, was die Bremer mit seinem Abgang im Sommer verloren haben. Nicht nur an fußballerischer Qualität, sondern vor allem als Typen in der Kabine.

Einige Spieler konnten sich hinter Kruse verstecken

Kruse ging bei den Bremern voran, sorgte mit seiner Art aber auch für die nötige Lockerheit. Auch dank seiner Unbekümmertheit spielte Werder sich in der vergangenen Saison zeitweise in einen Rausch und schrammte nur knapp am Europapokal vorbei. Medial stand der Ex-Nationalspieler nach der ein oder anderen Eskapade in der Vergangenheit ohnehin im Vordergrund. Andere Spieler konnten sich dafür in seinem Schatten ein wenig verstecken. Das ist vorbei, seitdem Kruse den Abflug in Richtung Istanbul machte. Und ohne ihn zeigte sich, dass für Maximilian Eggestein oder Davy Klaassen in der Rolle eines Führungsspielers die Trauben doch ein wenig zu hoch hängen.

Als Kapitän fehlte ihm bei Werder schon im Januar 2019 die Reibung

Niklas Moisander, Kruses Nachfolger als Kapitän, versuchte zumindest am Donnerstag im Trainingslager auf Mallorca voranzugehen. "Die Gemütlichkeit muss weg. Wir müssen hart arbeiten und vor allem viel härter und deutlicher gegeneinander sein", forderte der Finne im Abstiegskampf. Fast genau in die gleiche Kerbe hatte Kruse vor zwölf Monaten geschlagen. "Wir haben noch viel zu wenig Reibung in der Mannschaft", monierte der 31-Jährige im Januar 2019. "Ich will nicht sagen, da muss man mal einen umflexen, aber es gibt Woche für Woche Spieler, die unzufrieden sind. Das muss man dann im Training auch mal sehen."

Damals kämpften die Bremer noch um Europa. Und während Kruse mittlerweile mit Weltmeistern auf der Bühne tanzt, scheint das Parkett für die Bremer in der Bundesliga ohne ihn zu glatt geworden zu sein.

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Autor

  • Karsten Lübben

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 2. Januar 2020, 23:30 Uhr